EINFACH SO SEIN

Nicht jeder einsame Mensch
will Geselligkeit
Nicht jeder hungrige Mensch
will eine Mahlzeit
Nicht jeder desorientierte Mensch
will sich wieder erden
Nicht jeder verlorene Mensch
will gefunden werden

Manchmal will der Mensch
einfach so sein wie er ist
weil er genau das braucht
und nichts vermisst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBEN UND HASSEN

Ich liebe lieben
Aber wenn ich hassen hassen würde
Würde das bedeuten, daß ich hassen liebe?
Dieses Paradox präsentiert sich als Hürde
Auf dem Weg des Widerstands gegen den Hass
Und bildet des Lichtkriegers‘ Bürde:
Hassan zu besiegen ohne selbst zu hassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFE UND SPASS

Wenn der Tag vorüber ist,
fängt die Nacht an, nicht davor -
Wenn die Nacht vorbei ist,
fängt der Tag an, nicht zuvor -

Genieß Deine Freude in vollem Maß -
Verinnerliche Deine Traurigkeit ganz -
Die eine, Tiefe; der andere, Spaß -
Das Leben ist ein Tanz mit Substanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HELL ABER SCHNELL

Wenn Du wüsstest
wie viele Leben Du in diesem einem Leben lebst…
Wenn Du wüsstest
an wie vielen Webstühlen Du gleichzeitig webst…
Wenn Du wüsstest
an wie vielen unvollendeten Geschichten Du klebst…

Wäre Dir jeder Tag, jede Minute, jeder Moment
wie eine helle Kerze, die schnell niederbrennt.
Glücklich ist, wer die Ernst der Lage erkennt
und erfüllt in seinem jeden Element
oder Talent
bevor der Tod ihn von der Erde trennt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MACH EINFACH!

Lauf! Schneller!
Strahl! Heller!
Leb! Wohler!
Mach! Fehler!
Steh auf und geh weiter.

Dein Glück, Du bist der Hersteller.
Deine Rolle, Du bist der Darsteller.
Deine Geschichte, Du bist der Erzähler.
Überzeuge Dich, Deinen wichtigsten Wähler -
So bleibst Du froh und heiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABRUTSCHEN

Hatte jeder obdachlose Mensch
früher mal ein Dach über dem Kopf?
Ging in den Kindergarten, zur Schule,
kannte Familie, Wärme, Mamas Topf?
Spielte mit anderen Kindern sorgenfrei,
träumte vom tollen Erwachsenenleben?
Stellte sich dann stolz und zuversichtlich
deren Herausforderungen und Streben?

Was, wann, wo, warum lief es schief?
Mein bester Freund, Deine Schwester gar.
Ein Vater, Nachbarn, die alte Klassenlehrerin.
Eine tiefe Bindung macht aus uns allen eine Schar.
Dieses Verbindende ist unsere Vulnerabilität -
Sie verpflichtet uns zur wachen Mitmenschlichkeit,
Denn keiner ist ganz sicher vor dem Abrutschen
über den Rand und in die Obdachlosigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GIESSET DIE BLUMEN

Alle diese Gedanken,
die wir denken, in die Welt setzen,
was geschieht mit ihnen?
Die die ätzen, vernichten, verletzen.

Wir kommen und gehen
aber unsere Gedanken bleiben
wie unsichtbare Wolken
die verdichtend nicht weiter treiben.

Gedanken der Habsucht,
der Ichsucht und der Selbstsucht,
Gedanken der Eigensucht
und weniger der Lichtsehnsucht.

Ab und zu in der Wüste
hier und da ersprießt unerklärlich
eine einsame tapfere Blume.
Halte durch, Du bist unentbehrlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ÜBER DICH

Wie kann ich Dir helfen?
Sag es mir ruhig.
Wenn Du mir weh tun willst,
ja, auch das tu ich.

Wärst Du dann glücklich?
Erkläre es mir bitte
Was gibt Dir meine Stärke
gegenüber Deine Tritte?

Denn schwach bin ich nicht.
Du darfst mich verletzen
wenn Du das brauchst
um mich einzuschätzen.

Was Du aber mit mir machst
wenn Du über mir bist,
sagt mir wiederum alles,
was über Dich zu wissen ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GRENZLICH

Grenzen
machen Menschen
Menschen
machen Grenzen
Grenzen
machen Menschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OHNE DRUCK KEIN GLÜCK

Du schiebst mich
Ich schiebe zurück
Wir tanzen das Spiel
Von Druck und Glück

Es ist Sehnsucht
Es sind Triebe
Es ist Achtung
Es ist Liebe

Es ist Kommunikation
In Liebe alles geben
Und wenn es entgegnet wird
In Liebe nachgeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung