NACHEMPFINDEN AM SONNTAG

Wer zu viel von sich selbst hält,
hat zu Gott stets das falsche Verhältnis;
Wer sind alle klein -
sich vergrößern ist sich noch mehr verkleinern.
Im langen Zeitalter der Herrschsucht,
sucht die Eitelkeit machtlustig zu herrschen;
sucht, den Drang, sich zu beherrschen,
zu unterdrücken,
macht gierig auf Sieg und Krieg,
Sieg ohne Frieden, ohne Zufriedenheit.
Nur Frieden ist Sieg -
Die Waffe ist die menschliche Friedfertigkeit.
Dazu ist die gestohlene Macht machtlos.
Denn wer Macht braucht,
missbraucht Macht auch.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KULTURKAMPF

Die Fronten sind verhärtet
Lächelnde Augen eisiger Freundlichkeit
schütteln sich die Hände mit Feindseligkeit
Alles wird einseitig bewertet
Der gleiche Geist tobt blind auf allen Seiten
bringt sich selbst überall täglich zum Leiden
Die Welt wird allseitig gefährdet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ALLE ZUSAMMEN

Wir sind, unter der Oberfläche,
eine Gesellschaft -
egal was manche sagen. Enger
als Gewerkschaft.
Die Farben trennen uns nicht,
machen uns nicht unvereinbar -
Mehrere Züge bilden ein Gesicht,
jeder für sich vielleicht unscheinbar,
all zusammen eine Bürgerschaft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FLAMMEN

Werden wir zu Flammen
Halten wir zusammen
Erhellen wir wie mit Kerzen
Die Welt mit Menschenherzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung 

SELBST VERANTWORTLICH

Manche sind zum Hassen geboren.
Gegen sie hast Du von vornherein verloren,
bist Du zum Lieben auserkoren.

Es gibt ein Licht, das aber höher ist,
das höher als Hass, Politik und Waffen ist;
eins, das Gottes, das des Grales ist.

In mitten der gegenwärtigen Verwirrung
vergessen wir oft unsre wahre Bestimmung:
geistige Entwicklung, geistige Wirkung.

Lass Dich zum Gruppenhass nie mitreißen
gegen die „Schwarzen“ oder die „Weißen“
oder wie die Sammelworte alle heißen.

Was Du in der Gruppe tust, belastet Dich.
Aber wenn es gut ist, zählt es nur für Dich.
Du bist für Deine Ewigkeit verantwortlich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAUSEND TAGE

Mach aus jedem Tag
hundert, tausend Tage,
Neue Dinge, wag!
Inneres - hinaus… trage.
Deine Schicksalsfäden
sind mehr als Du weißt.
Befreie Dich von trägen
Gefühlen. Du bist Geist!
Die große Erde ist dicht,
ist langsam, ist klein;
Folgst Du dem Licht,
musst Du schneller sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MANCHER SIEHT DICH MIT SEINEM HERZEN

Mancher sieht Dich mit seinem Herzen,
nicht mit seinen Augen -
Alle Deine körperlichen Schönheiten
werden hier nicht taugen.

Mancher hört Dir mit seinem Herzen zu,
nicht mit seinen Ohren -
Ob kühl oder weinerlich Deine Worte sind,
da hast Du schon verloren.

Mancher tastet nach Dir mit seinem Herzen,
nicht mit seinen Händen -
Er empfindet Dein wahres Wesen deutlich,
hinter allen Deinen Wänden.

Schweigen hat stets eine Doppeldeutung,
Worte eine zweifache Funktion -
Wer nicht ahnend hinter die Kulissen schaut,
der lernt nie seine Lektion.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IDEENKRÄHEN

Ich flog durch die Nacht wie ein Vogel,
den ich nicht erkannte. Ich flog und sah mich
fliegend, als wäre ich außerhalb von mir,
inmitten von anderen seltsamen Vögeln,
nur waren sie mir vertraut und heimlich.
Wir blickten uns prüfend in die Augen
gegenseitig, erkannten in einander Gleichart
und flogen weiter zusammen durch die Nacht,
wie Gedanken der Nacht, unterwegs zu Dir.

Du schläfst noch, als wir Dich finden.
Nur unbewusst in Deinem Empfinden
nimmst Du uns wahr, entgegen und auf,
Du, das nächste Ziel in unserem Kreislauf.
Von Generation zu Generation, wir sind hier,
Zivilisation zu Zivilisation geflohen sind wir,
um mit ihren Sonnen nicht runterzugehen.
Irgendwann werden wir das Morgenland sehen,
das erhellt wird durch uns, lichtstrebende Ideen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

GEWINN- UND VERLUSTRECHNUNG

Gewinnen ist verlieren.
Wieviel musste ich gewinnen,
um zu begreifen, wieviel ich dabei verloren habe?

Verlieren ist gewinnen.
Wieviel musste ich verlieren,
um zu sehen, wieviel ich dadurch gewonnen habe?

Ich bin umgeben von Menschen,
die gegen mich und gegen alle gewinnen wollen.
Für diesen Sieg werden sie, wie einst ich,
alles geben und verlieren, was sie hüten sollen.

Erst darnach, zu spät, werden sie verstehen,
daß es doch nicht so schlimm ist, zu verlieren,
um dabei richtig zu stehen, aufrecht zu gehen
den Tugenden nach, die nach Oben führen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GERISSEN

Deutschland, in Deiner Brust, wahrlich,
schlagen stets zwei Herzen -
Eins äußerlich, eins innerlich,
und beide verursachen Dir Schmerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung