DAS UNGEWÖHNLICHE

Nimmer endende Geschichte 
Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte
Und mehr Gedanken, als ich zählen kann,
Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann,
daß es ein nimmer endendes Neigen ist
zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist
Und weil die Ewigkeit täglich entsteht,
während Dein Leben täglich zuneigen geht.
Wer Zauber ernten will, der säet, der säet…
Ungewöhnliches, weil Eigenartiges.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VON BÄUMEN LERNEN

Der Baum stand da
Als wäre er nicht da
Und war für alle da

Der Mensch stand da
Als wäre er wirklich da
Und war für niemand da

Nur für sich selbst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MÄNNLICH IST NICHT WEIBLICH

Mann oder Frau?
Männlich oder weiblich.
Es gibt eine Sensibilität der Empfindung
Es gibt eine Tiefe der Erinnerung
Es gibt eine Genauigkeit der Wahrheitserkennung
Es gibt eine Intensität der Gewissensfühlung
Es gibt einen Grad der Gottesverbindung
Es gibt eine Feinheit der Schönheitsgestaltung
Es gibt ein Zuhause, eine Ruhe, ein Heil,
Zu deren Erreichung, das was zählt,
Mir als Mann der weibliche Anteil
Innen fehlt.
Männlich ist nicht weiblich
Und Mann ist nicht Frau.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERGEBLICHES BABEL

Der Herrenmensch
ringt in sich mit Mensch
Wird ihm nicht Herr

Einen Körper teilen
zeigt sich in den Körperteilen
die das Innenleben mitteilen

Ein Blick in die Augen reicht
um seinen Kampf zu sehen
gegen die Ewigkeit!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TÄGLICH ALLES

Wenn jedes Gedicht ein Schritt ist,
welchem Gedanken nähere ich mich?
Wenn jeder Gruß ein Abschnitt ist
der menschlichen Reise ins Friedensreich,
wenn ich da ankomme, sehe ich Dich?

Wenn jede Trennung ein Tritt ist
in den Hintern, weil Du weiter gehen musst,
weiter suchen musst, hast Du noch Lust?
Wenn jeder Tag ein Zeitlimit ist,
erfüllst Du täglich alles in Deiner Brust?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WACHSEND HARREN

Wenn Du weißt, es ist
noch nicht so weit und Du warten
musst - und Du warten musst -
zwischen Hoffnung und Frust,
Herz voller Leben, voller Lust,
ein tausendseitiges endloses Erwarten
des Endes, des Anfangs. Zum Starten
reicht Deine große Sehnsucht nicht,
Deine tiefe Sehnflucht. Es sticht,
es sticht, die Sicht, die Sicht ist
noch getrübt. Du musst noch warten.
Und harren wachsend im Erwarten.
Die Charakterzüge, Blumen im Garten,
die Dir dabei erblühen, die harten
aber vor allem die geschützten zarten,
werden eines Tages zu Deinen Fahrkarten -
Auf sie tut Dein Schicksal geduldig warten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZU MIR

So müde
Ich kann nicht mehr
So müde
Ich darf mich nicht ausruhen
Sonst stehe ich nicht mehr auf.

Uralt und dennoch ewig jung
Ich sehe die Dinge anders
Deshalb mache ich die Dinge anders
Und darf dabei nicht aufhören
Und darf dabei nicht pausieren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHLICHE OASEN

Oasen.
Menschen, die anders sind,
denen anders sein nichts anderes ist
als normal sein, denen das innere Kind
innewohnt. Oasen in einem wüst
gewordenen Gesellschaftsringen,
die Sprudelfreude den Dürstenden bringen
und Ruhe und Heilung den Leidenden
wie Menschenblumen in wandelnden
Vasen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR SIND NICHT DUMM

Wir sind nicht dumm.
Diesen Satz versteht Ihr
Noch nicht.

Wir sind nicht stumm.
Unser Gerede versteht Ihr
Nur nicht.

Wir sind nicht krumm.
Euer Spiegelbild versteht Ihr
Nun nicht.

Warum versteht Ihr uns nicht?
Es spricht sich herum -
Summa Summarum
Habt Ihr dazu nicht den Mumm.
Darum versteht Ihr uns nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EIN ANDERER KAMPF

Ich sehe einen anderen Kampf
Er hat nichts zu tun mit Rassen
Nichts zu tun mit Geschlechtern
Nichts zu tun mit Gesellschaftsklassen

Ich sehe einen anderen Kampf
Er hat nichts zu tun mit Sprachen
Nichts zu tun mit Kulturen, nichts
zu tun mit Massenvernichtungswaffen

Es ist der Einzelkampf, dessen eine Seite
die Suche nach dem Sinn des Lebens ist
Dessen andere Seite das Streben ist nach
der Vervollkommnung des eigenen Geistes

Je mehr Menschen diesen Kampf gewinnen
desto mehr Rassen, Geschlechter, Klassen
Kulturen in Frieden ihre Ängste und ihre Gier
niederlegen und mit ihnen endlich ihre Waffen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung