Ich sehe einen anderen Kampf Er hat nichts zu tun mit Rassen Nichts zu tun mit Geschlechtern Nichts zu tun mit Gesellschaftsklassen Ich sehe einen anderen Kampf Er hat nichts zu tun mit Sprachen Nichts zu tun mit Kulturen, nichts zu tun mit Massenvernichtungswaffen Es ist der Einzelkampf, dessen eine Seite die Suche nach dem Sinn des Lebens ist Dessen andere Seite das Streben ist nach der Vervollkommnung des eigenen Geistes Je mehr Menschen diesen Kampf gewinnen desto mehr Rassen, Geschlechter, Klassen Kulturen in Frieden ihre Ängste und ihre Gier niederlegen und mit ihnen endlich ihre Waffen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Kampfes und des Widerstands
PASS DICH NICHT AN
Ich fand mich. Ich steckte in Blättern, die ich schrieb als ich noch jugendlich und noch ehrlich genau das sagte, woran mein Herz ganz glaubte, was mir die Zeit aber dann raubte, weil ich mich hinterfragte. Alles, was ich heute sagen kann: Pass Dich nicht an. Dein Geist hat einen Plan: Pass Dich nicht an. Pass Dich nicht an. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AM FALSCHEN ORT ZU SEIN
Der Abend wieder Ich mache erneut Pause Und lege mich nieder Wo immer ich Zuhause Heute gefunden habe In meiner Lebensreise Erst war ich ein Knabe Unterwegs zum Greise Jeden Tag ein bisschen Weiter gekommen Jeden Tag einen andern Umweg genommen. Am falschen Ort zu sein Ist nicht falsch zu sein Wenn er, und er allein, Korrigiert Dein Bewusstsein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESTERN VERSCHWAND
Gestern verschwand so schnell und wird es täglich wieder tun. Heute ist gestern’s flüchtiger Appell an uns, nicht träge uns auszuruhen. Denn heute ist das fixe Gesicht von gestern einmalig im Entstehen. Wir schreiben vor Mitternacht das Gedicht und so wird es die Welt für immer sehen. Was für ein Moment der Moment ist, was für eine Macht seine Macht hat - den Wachen macht er zum Opportunist, dem Schlafenden bleibt er ein leeres Blatt: Bitte nicht wenden ohne zu verwenden. Ungeschrieben. Ungenau und unbeschrieben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ANDERER MENSCH, SELBE HAUT
Auf Deinem Weg in die Klarheit, Nähere tief, dann meide breit, die Mehrheit - Die Wenigsten kennen die Wahrheit. Irgendetwas ist mit mir geschehen: Ich habe letztes Jahr in alle hineingesehen Und habe dabei alles durchgeschaut. Jetzt bin ich: anderer Mensch, selbe Haut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERWANDT
Wir saßen gegenüber voneinander in der vollen Straßenbahn, Einander ähnlich in den Augen aller, die uns in der Ecke sitzen sahn, Und doch getrennt durch eine unsichtbare Kluft, die ich deutlich ahn. Du hier geboren und sozialisiert, ich in einem afrikanischen Land. Ich versuch, Deine Augen zu treffen, doch Dein Blick bleibt abgewandt. Ich steige bald aus, Du fährst weiter - wir bleiben einander unbekannt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHMETTERLING

Im Land der Stille
wächst der Wille –
und wenn er reif
geworden ist und bereit
durchbricht er die Hüllen
denn er will erfüllen
denn er muss erfüllen.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GENERATIONENÜBERGREIFEND
Wir fangen bei jeder neuen Generation wieder von Null an, als hätten wir nicht bereits in der jeweils vorherigen Generation alles gegen Hass getan und seinen Anpassungsanreiz. Sisyphus war kein Mensch, er ist die Menschheitsgeschichte - Die Hartnäckigkeit unserer Tendenz zu reinkarnieren unsere Bösewichte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WAHRE ANTWORTEN
Viel zu viele Füße tasten laufend über meine Fragen ohne Antworten anzubieten die mir mehr als das Gesagte sagen. Wer mit reden will, muß mehr sagen mit weniger Worten als mehr Worte hätten sagen können in mehr Sekunden, Minuten, Tagen. Es ist die Stunde der Wahrheit. In jedem Lande, an jedem Orte zeigen Menschen und Völker ihr Gesicht denn Taten reden lauter als Worte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEWISSEN OHNE HAFT
Das Politische ist der Brückenkopf, löst aber selbst das Problem nicht - Liefert nur das, womit die Volksseele ihn erfüllt, ist also nur sein Angesicht. Ist es hässlich, ist es wahr. Ist es menschlich, ist es wahr. Ist es zwiegespalten, ist es wahr. Die Politik hat die Macht. Die Gesellschaft hat die Triebkraft - und sie ist aufgewacht, hin und hergerissen, Gewissen ohne Haft. Ist es hässlich, ist es wahr. Ist es menschlich, ist es wahr. Ist es zwiegespalten, ist es wahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
