Du wirst lang unter ihnen leben, ihnen Dein Bestes, ihnen Helfendes, geben, und dabei und daran wirst Du erleben: Wenn Du äußerlich anders bist, sogar bist Du auch ein Christ, bleibst Du jedem inneren Rassist ein wartender Terrorist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Kampfes und des Widerstands
NICHT ANNÄHERND NAH
Annäherung ist eine Form der Distanzierung. Nichts entfernt sich schneller von einander als nicht zueinander Passendes, das sich zueinander findet und herausfindet, daß sie nichts Bleibendes verbindet. Eine letztmalige Annäherung ist allzuoft die Vorstufe einer endgültigen Trennung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE VERLORENE TIEFE
Wann haben wir uns verloren, unser Herz, unsere Weichheit, die Natur, in der wir geboren wurden, altmodische Weisheit? Wann sind wir so fortgeschritten geworden und innerlich zerstritten? Einfache Lieder befriedigten uns, ehrliche Worte genügten uns, im Kern unseres Denkens und Tuns waren Werte. Sie beschützten uns lange vor diesem modernen Unding, das wir ohne sie heute geworden sind. Wer die Vergangenheit verloren hat, der kann sie sich nicht mehr vorstellen - begreift nicht mehr die märchenhafte Tat ohne ihren Sinn modern zu entstellen. Es war einmal eine bessere Menschheit, eine Zukunft vergessen in Vergangenheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DAS UNGEWÖHNLICHE
Nimmer endende Geschichte Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte Und mehr Gedanken, als ich zählen kann, Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann, daß es ein nimmer endendes Neigen ist zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist Und weil die Ewigkeit täglich entsteht, während Dein Leben täglich zuneigen geht. Wer Zauber ernten will, der säet, der säet… Ungewöhnliches, weil Eigenartiges. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VON BÄUMEN LERNEN
Der Baum stand da Als wäre er nicht da Und war für alle da Der Mensch stand da Als wäre er wirklich da Und war für niemand da Nur für sich selbst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MÄNNLICH IST NICHT WEIBLICH
Mann oder Frau? Männlich oder weiblich. Es gibt eine Sensibilität der Empfindung Es gibt eine Tiefe der Erinnerung Es gibt eine Genauigkeit der Wahrheitserkennung Es gibt eine Intensität der Gewissensfühlung Es gibt einen Grad der Gottesverbindung Es gibt eine Feinheit der Schönheitsgestaltung Es gibt ein Zuhause, eine Ruhe, ein Heil, Zu deren Erreichung, das was zählt, Mir als Mann der weibliche Anteil Innen fehlt. Männlich ist nicht weiblich Und Mann ist nicht Frau. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERGEBLICHES BABEL
Der Herrenmensch ringt in sich mit Mensch Wird ihm nicht Herr Einen Körper teilen zeigt sich in den Körperteilen die das Innenleben mitteilen Ein Blick in die Augen reicht um seinen Kampf zu sehen gegen die Ewigkeit! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TÄGLICH ALLES
Wenn jedes Gedicht ein Schritt ist, welchem Gedanken nähere ich mich? Wenn jeder Gruß ein Abschnitt ist der menschlichen Reise ins Friedensreich, wenn ich da ankomme, sehe ich Dich? Wenn jede Trennung ein Tritt ist in den Hintern, weil Du weiter gehen musst, weiter suchen musst, hast Du noch Lust? Wenn jeder Tag ein Zeitlimit ist, erfüllst Du täglich alles in Deiner Brust? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WACHSEND HARREN
Wenn Du weißt, es ist noch nicht so weit und Du warten musst - und Du warten musst - zwischen Hoffnung und Frust, Herz voller Leben, voller Lust, ein tausendseitiges endloses Erwarten des Endes, des Anfangs. Zum Starten reicht Deine große Sehnsucht nicht, Deine tiefe Sehnflucht. Es sticht, es sticht, die Sicht, die Sicht ist noch getrübt. Du musst noch warten. Und harren wachsend im Erwarten. Die Charakterzüge, Blumen im Garten, die Dir dabei erblühen, die harten aber vor allem die geschützten zarten, werden eines Tages zu Deinen Fahrkarten - Auf sie tut Dein Schicksal geduldig warten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZU MIR
So müde Ich kann nicht mehr So müde Ich darf mich nicht ausruhen Sonst stehe ich nicht mehr auf. Uralt und dennoch ewig jung Ich sehe die Dinge anders Deshalb mache ich die Dinge anders Und darf dabei nicht aufhören Und darf dabei nicht pausieren. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
