NACHGEBEN

Der Winter kann irgendwann nicht mehr
Hart sein. Er gibt nach, wird mild.
Das Herz kann irgendwann nicht mehr
Kalt sein. Es gibt nach, wird warm.
Die Frau kann irgendwann nicht mehr
Zahm sein. Sie gibt nach, wird wild.
Der Stolz kann irgendwann nicht mehr
Reich sein. Er gibt nach, wird arm.

Alles gibt irgendwann nach,
Das Vorherrschende wird schwach,
Das Schlummernde wird wach,
Das Schwierige wird einfach,
Und Du darfst Dich neu erfinden,
Dich trennen und neu verbinden,
Zugleich erscheinen als auch verschwinden,
Und Dich selbst überwinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHUTZSCHILDER

Ohne die Vorhänge
sähe jeder in meine Wohnung hinein
Ohne meine Strenge
sähe jeder in mein Innenleben hinein

Manches gehört uns
Aber manches gehört mir
Mir allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WAS FÜR EINE WELT

Eine Welt
Eine Menschheit
Billionenfache Welt
Billionenartige Menschheit
Wir sind alle gleich
Wir sind alle ungleich
Ähnlich bis zur Unkenntlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ES IST SO WEIT

Eines Tages ist es so weit
Du hast alles gegeben
Jetzt musst Du Abschied nehmen
von Deinem alten Leben
um weiter zu leben.

Kein Zurückschauen mehr
Egal was, egal wo, egal wer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN WORT

Ein
Wort
nach
dem
Anderen

Ein
Missverständnis
nach
dem
Anderen

Ein
Schweigen
nach
dem
Anderen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE RICHTIGEN WORTE

Ich ringe nach den richtigen Worten
um das Ringen nach den richtigen Worten
mit Worten richtig zu erfassen
aber ich kann‘s nicht fassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERLIEBT SEIN

Kein Sturm
Kein Erdbeben
Kein Waldbrand
Kein Erdrutsch
Kein Tsunami
Kein Tornado
Nichts
Hat die Macht
Oder die Wucht
Eines verliebten Herzens.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MIT LÄCHELN

Es ist schwer, nicht?
Die Welt und ihr Gewicht.
Aber Du erfüllst Deine Pflicht
mit lächelndem Gesicht.

Es ist leicht, nicht?
Die Welt und ihr Gewicht.
Wenn Dein Lächeln aufbricht
mit dem Gewicht von Licht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GRÜNDLICH

Lese erst die eine Seite zu Ende
und dann bitte wenden.
Leere erst Deine Hände,
dann wird das Universum Dir mehr senden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ARBEITNEHMER

Wir schaffen bis geht nicht mehr
denn es geht nicht mehr
Wir tragen einen Traum
doch trägt der Traum uns? Woher
wolang wohin? Ich weiß es nicht.
Arbeiter und Angestellte tun ihre Pflicht
und blicken auf ihre Hände - leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung