Es ist jene Stunde erneut der Selbstliebe des Selbsthasses der gesteigerten Triebe des inneren Kompasses der Hoffnungssiebe des Ich-Strafmaßes der Traumdiebe des neuen Anlasses die Wunde zu lecken, unbereut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Kampfes und des Widerstands
ALLES IST DRIN
Ich lebe in einer Welt in der ich nicht existiere Und existiere in einer Welt in der ich nicht lebe Und keine von beiden ist mein Zuhause Ich gehe Wege, die ich nicht kenne und kenne Wege, die ich nicht gehe Keiner von beiden ist mein Weg Ich bin mein Zuhause Ich bin mein Weg Alles, was ich mache, passt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEHR ALS ALLES
Hab alles gegeben Bin nichts mehr Habe nichts mehr Kann nicht mehr Will nicht mehr Übrig geblieben ist das, was ich wirklich bin. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SICHTBAR
Ich bin so sichtbar
Alles, was Du siehst, ist
daß ich da bin. Mehr nicht.
Alles andere –
Meine 1001 Nächte
verblassen wie Monde im Licht.
Meine Haut lenkt
Deinen Blick auf mich und
lenkt Deinen Blick von mir ab.
Deine Augen ziehen mich aus.
Meine Unsichtbarkeit ist
das Sichtbarste, was ich hab.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SONDER FALL
Fallen war mein Fliegen und bis ich am Boden ankam hatte ich es gemeistert. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ZEIT OHNE MAHL
Wann kommt die nächste Mahlzeit
wenn die Zeit selbst zum Mahl wird?
Wer hat sie auf deren Menükarte serviert,
bezahlt, bekommen, in Besitz genommen,
aufgefressen, genossen? Zeit unseres Lebens.
Unterdessen wächst der Hunger
und größer und größer die Zeit ohne Mahl,
egal, wer die letzte Wahl gewonnen hat.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEIN WERT
Als ich aufhörte, kostenlos zu sein, verloren die einen den Appetit nach mir - In den anderen erwachte der Heißhunger. Als ich anfing, Weh zu tun, flohen die einen; die anderen gaben sich hin: Mir, uns, und unserem gleichartigen Beißhunger. Als ich aufhörte, ohne Grenzen zu sein, blieben die einen draußen, die anderen drinnen schätzten befriedigt meinen Schweiß und Hunger. Es hat lange gedauert aber ich kenne meinen Wert; Ich weiß, wie viel ich weiß, kann, wage, schaffe mit unbändigem Fleiß und unersättlichem Hunger. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NICHT NETT
Nett sein
ist nicht nett sein
wenn es als nett sein
nicht verstanden wird
sondern als Schwäche.
Wenn sie Dir sagen
Du bist nett
meinen sie:
Du bist schwach
Dafür bist Du selbst schuld.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ELITETAUSCH
Die Elite stürzen Unter Menschen In deren Herzen Der Elitismus noch thront Ist wie Schnee Im Winter kehren Und denken, jetzt kommt Sicher der Sommer Es folgt kein Frühling Es blühen keine Blumen Es entsteht keine neue Welt Es fällt der nächste Schnee Es kommen die nächsten Eliten Ihr Thron sitzt ungestürzt in uns. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHNSUCHT NACH EINER GRÖSSEREN WELT
Du bist mir zu klein, Welt - Wie willst Du meinen Durst stillen? Meinen Durst nach einem Held Unverführbar gegen seinen Willen. Meinen Hunger auf die Unsterblichkeit, Unsterbliche Freundschaft, ur-ur-alt. Mein Bedürfnis nach inniger Verbundenheit Mit allen Gleichartigen ohne Vorbehalt. Meine Sehnsucht nach einer Gesellschaft, in der keine Menschen andere unterdrücken Und der wahre Wert unserer Wirtschaft dadrin liegt, uns gegenseitig zu beglücken. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
