ZWIESPALT

Beide veranlassen mich zu Handlungen
Die KörperKopfStimme
Und die Innere Stimme

Deshalb sage ich Dir manchmal Ja und Nein
Bleib bei mir und laß mich allein
Ich bin zerrissen zwischen Haben und Sein

In wessen Brust – ach! – wohnen nicht zwei Seelen?
Ich widerspreche mich nicht, wenn ich spreche
Jedes Wort ist wahr, denn ich bin das alles.

Aber alles das ist nicht Ich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OBEN BLEIBEN

Ich fliege
Aber ich fliege nicht allein
Ein Gedanke fliegt mit mir
In mir
Und er lautet:
Was ist, wenn ich nie wieder lande?

Und selbst nach dem ich gelandet bin,
fliegt dieser Gedanke weiter,
über Ängste und Schmerzen hinweg,
über Pläne und Bindungen und Trennungen.
Und darüber hinaus. Er fliegt einfach weiter
und hält mich ewig in der Luft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DU-ETT

Wärest Du ein Lied,
wer hätte Dich gesungen?
Wer hätte Dich komponiert?
Wer hätte Dir Deine Melodie abgerungen,
die im Kind als Freude gejubelt,
in der Jugend von Sehnsucht bezwungen,
im Erwachsenen im Kampf gewütet,
im Greisen als Nachdenken ausgeklungen?

Duett.
Du und das Gesetz
der Wechselwirkung.
Euch ist zusammen Dein Lied gelungen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STEHEN GEBLIEBEN

Ein Rassist
hat noch nicht
weiter gedacht

Denn wenn
er weiter denken würde,
würde er am anderen Ende der Angriffskette

sich selbst finden
stehen geblieben
noch nicht weitergedacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LIEBE GEGEN HASS

Ich liebe Dich auch
wenn Du mich hasst
weil Du etwas hast
was ich brauch.

Du hast die Fähigkeit mich
an mich zu erinnern fast
gefangen im Bedürfnispalast
überfordert unterm Strich.

Bevor Du mich anhauchst
mit Deinem Gift aus Hass
denk daran daß
Du mich auch brauchst.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MITMENSCHEN

Wir sind manchmal Geister
Wir sind da aber Ihr seht uns nicht
Ihr spürt nur ein leichtes Unbehagen
Wir sehen es auf Eurem Gesicht
Ihr stählt Euch gegen unsere Schatten
Als wäre das Eure Pflicht –
Wir materialisieren plötzlich
Doch aus dem Nichts nicht
Denn wir waren niemals aus Schatten
Wir waren immer vom Licht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBST IST DIE FREIHEIT

Es bringt nichts, nach Freiheit zu schreien.
Sie ist taub.
Wem sie geraubt wurde,
muß sie aufgeben und sich selbst befreien.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DEMOKRATIE 2.0

Links ist manchmal rechts
Rechts ist manchmal links
Der Weg nach Vorn geht manchmal
weder über links noch rechts

Die Gesellschaft entwickelt sich weiter
Die Politik hinkt hinter her
Irreführende Bezeichnungen
zerren an uns rechts und links

Wir wollen etwas wählen,
was nicht zur Option steht.
Wir wollen etwas sagen,
wofür es kein Wort gibt.
Wir wollen etwas wagen,
wofür kein System existiert.

Wer uns das ermöglicht ,
hat uns die Demokratie gegeben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNAUSGESPROCHENE

Es liegen verschiedene Schichten
der Höflichkeit aufeinander
nein übereinander
nein untereinander

aber niemals nebeneinander.

Denn alle warten darauf,
daß Du ihrem Weltbild
letztendlich doch noch entsprichst –
dann werden sie höflich schmunzeln.

Doch unhöflich wie Du bist,
entsprichst Du weiter Deinem Selbstbild
und schmunzelst, wie sie verärgert
höflich weiter heucheln.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNBESIEGBARE

Stell Dir vor
ein Mensch stirbt
aber sein Herz schlägt weiter

Stell Dir vor
sein Mund weint schwer
doch seine Augen leuchten heiter

Stell Dir vor
Geld verlöre seine Macht
denn das Kapital sind die Arbeiter

Stell Dir vor
Die Massen erkennen plötzlich,
die Massen selber sind der Leiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung