MEINE INNENSEITE

Dennoch bin ich bitter ernst
auch wenn ich lächle und lache…
Dennoch bin ich beschäftigt
auch wenn ich nichts mache…
Dennoch bin ich unterwegs
auch wenn ich daheim liege…
Dennoch bin ich Zuhause
auch wenn ich da oben fliege…
und Heimweh kriege…

Dennoch glaube ich an Gott
auch wenn ich dem Teufel erliege…
Dennoch bekämpfe das Böse
auch wenn ich ihm gegenüber leicht wiege
auch wenn ich mich immer wieder verbiege
auch wenn ich manchmal falsch abbiege
ich werde kämpfen, bis ich siege.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEINE SPRACHE

Wie lange stehe ich schon hier
zwischen Dunkelheit und Licht,
und warte auf irgendjemanden,
der meine Sprache spricht?

Nicht Deutsch, Englisch oder Igbo -
für die gibt‘s schon viele Sprechenden.
Nicht Mundart oder Körpersprache,
noch die Zeichen der Gebärdenden.

Keine KI kann meine Sprache übersetzen,
das schafft nur menschliche Empfindung.
Denn was die innere Stimme sagt,
ist für die gleichartige geistige Gesinnung.

Die Stadtmitte ist voller Spaziergänger
auf der Suche nach wahrer Gleichart,
nach jemandem, der ihre Sprache spricht,
unter der Haut sind sie wund und zart.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZSPAZIERGANG

Ich würde gerne unbemerkt
durch Dein Wald spazieren gehen
aber laut sind meine Schritte
leider, noch bin ich zu übersehen
Kaum tauch ich in Deinem Herz auf
so läufst Du mir wild hinter her
rufend, Hände nach mir streckend
Ich fliehe, jetzt ist’s wieder leer.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEDINGTE FREIZÜGIGKEIT

Die einen Weltwanderer,
nach dem sie die Welt durchwandert haben,
meinen, die anderen Wanderer
auf dieser Welt dürfen dasselbe nicht haben:
Bewegungsfreiheit und universeller Zugang,
vor allem nicht bei ihnen und definitiv nicht zu ihnen.
Das Herrenmenschbewusstsein in vollem Gang,
weitergegeben mit der Muttermilch über Generationen.

Oder ist es wirklich einfach nur der Materialismus?
Die mehr haben halten die fern, die weniger haben? -
nach dem sie sie erst geplündert haben.
Und die weniger haben hätten gern, was die anderen haben?
- auch was die noch nicht zurück gaben?
Unterordnet sich Kultur am Ende doch nur dem Materialismus?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEDACHTSAMKEIT

Lass uns schweigen
denn mich dünkt
unser Schweigen ist intimer
als unsere vorsichtigen Worte

Lass uns Abstand nehmen
denn mich dünkt
Der Abstand bindet uns fester zusammen
als Beisammensein an einem Orte

Lass uns warten
denn mich dünkt
Warten fördert Wachstum
der gesunderen Sorte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LICHTKRAFT

Die Müdigkeit durchdringt meine Knochen
Aber sie erreicht meinen Geist nicht
Ich bin stark, fröhlich und ungebrochen
Denn ich glaube an das Licht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PRIMITIVES ZEITALTER

Wir leben noch in primitiven Zeiten,
in den grauen Vorzeiten lange vor unserem Erwachen,
über die wir einst unzählige Seiten
im Buche des Lebens lesen werden ohne Lachen -
Denn was ist wirklich fortgeschritten und hochentwickelt
in dieser heutigen künstlich- pseudo- intelligenten Welt,
wo die Mischung aus Hass, Gier und Geld uns am Laufen hält?

Erwachsene Menschen dem Hass schamlos ergeben -
Es muss eine höhere Art geben, als Menschen zu leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE BLÜTEZEIT

Unkraut kaut
an meinen Wurzeln
unter meiner Haut -
Lieben ist puzzeln.

Was ist gesund?
Was nicht?
Gibt‘s einen Grund?
Treue oder Pflicht?

Alles entfernen
oder alles drin lassen?
Nicht in den Kernen
kannst Du sie erfassen

Sondern die Blütezeit
erst lässt erkennen
ob weiter zu zweit
oder am besten trennen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TIEFE UNRUHE

Ich mag die Tiefe
Aber, viel wichtiger,
die Tiefe mag mich.

Magst Du die Tiefe?
Denn, Oberflächlicher,
die Tiefe sucht Dich.

Hör auf davon zu laufen
Du kannst Dich nicht frei kaufen
Sie wird Dich mit Unruhe taufen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

INS GLÜCK UMWANDELN

Gegen Druck
spricht nur der Gegendruck
Schadenfreude
wird geschadet durch wahre Freude
wird zum Glücke unschädlich gemacht.

Ein falsch gelebtes Leben
und Du musst wieder leben -
wieder geboren, wieder wachsen,
wieder entscheiden, weiter wachsen,
Altes wird zum glücklichen Ende gebracht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung