Wir feiern Feiern Wir beneiden Beneiden Wir verschleiern Verschleiern Wir leiden Leiden Um äußerlich gut dazustehen Um äußerlich gut auszusehen Wie weit würden wir noch gehen? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Zwischenmenschlichen
SIEHT SIE AUS WIE DU?
Sieht sie aus wie Du? Oder sieht sie hinaus wie Du? … hinaus in die Welt, die vorbei fließt, und sieht die Welt so wie Du sie auch siehst? Oder sieht sie Dich? … weil sie Dich ansieht. Und, weil sie Dich ansieht, erkennt sie Dich? Oder erkennt Ihr Euch gegenseitig Weil Ihr Euch gegenseitig anzieht? Aber wie ist‘s denn mit den Andersartigen, die Dich ergänzen und vervollständigen? Alle diese Fragen beschäftigen mich in einer Welt der Gegensätze in einer Zeit zugenommener Hetze. Und die Sehnsucht nach der Gleichart ist außen hart und innen ängstlich und zart. Diese Frage beschäftigt mich. Die ganze Welt stammt aus fremden Haus, wie erkennst Du Deine tiefste Gleichart? Wie sieht sie denn wirklich aus? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NOCH EIN LÄCHELN ÜBRIG
Ein Lächeln habe ich übrig Wem soll ich es schenken? Laute Welt, bitte werde ruhig Laß mich in Ruhe klar denken Eine kleine Kerze, gut geschützt, kann tausend Kerzen anzünden Ein ernstes Lächeln unterstützt schmerzvolle Sühnen von Sünden Ein Erdenleben, ernst genommen, kann ein ewiges Leben bedeuten Ein Lächeln, von Innen gekommen, schlägt die meisten Therapeuten Laute Welt, werde jetzt ruhig, Die Zeiten sind am Wenden. Ein Lächeln haben wir noch übrig Wir wollen es nicht verschwenden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KERZEN
Einige werden stehen, Kerzen, brennend, erhellend, lichtspendend, in mitten schattenhafter Schmerzen, mutmachend, Hoffnung erweckend. Sonderbar, wie und wo sie auftauchen, in allen Ständen, in allen Berufen; ruhig, mit einem Halt, den andere brauchen, begegnen sie uns auf allen Lebensstufen. Und dann geben sie von ihren Flammen weiter und immer mehr Lichter fangen an zu scheinen und das Lichtmeer wird größer, tiefer und breiter und läßt schließlich die ganze Welt in Freude erscheinen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREUNDSCHAFT WIRD IM HERZEN
Freundschaft wird im Herzen der Feinde entstehen, wenn Du mit ihnen durch ihre dunkelsten Täler gehst und sie Schritt für Schritt Dir in die Augen sehen und sehen, wie Du unerschütterlich menschlich stehst. Verschwende Dein Erdenleben nicht mit Rache; Weit in der Vergangenheit liegt die wahre Ursache. Es gibt wenig Unterschied zwischen Engel und Drache. Verzeihe, liebe und lache. Empfinde, bete und wache. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
INNEN LEBEN AUSSEN
Obwohl es Innenleben heißt zeigt es sich in den äußeren Zügen unserer Gesichter. Der Geist drückt, der Körper muss sich fügen. Wie viele Lächeln versuchen vergeblich eine verwelkte Blume zu begraben? So viele Küsse sind einvernehmlich aber die Liebe ist selten leicht zu haben. Ich sehe Dich und umarme Dich ohne Dich anzuschauen oder anzufassen Wir umarmen uns inniglich ohne uns zu lieben oder lieben zu lassen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
LIEBE ALS RATTENFÄNGER
Ich habe von Menschen gehört, die ahnen, daß es nicht funktionieren wird, dennoch gehen sie wie getrieben der Liebe Bahnen entlang, hoffend es wird funktionieren doch - und verenden gefangen in einem Loch. Was ist diese Macht, die uns dazu zwingt zu tanzen, obwohl die Liebe nicht singt und nur die Musik des Rattenfängers klingt? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ICH SAGE NICHTS MEHR
Ich sage nichts mehr, sage ich und habe somit unendlich mehr gesagt als ich sagen sollte. Hätte ich lieber schweigen sollen, als ich gefragt wurde, was ich dazu sagen würde - Jede Äußerung ist eine schwere Bürde für jeden, der eine zu formulieren wagt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ABSICHT UND ABSTAND
Mit welcher Absicht wird gelächelt? Mit welcher wird Wahrheit gesagt oder wird gelogen? Mit welcher wird Gesicht gezeigt oder wird geheuchelt? Mit welcher werden Schlüsse (und -striche) gezogen? Absicht gibt Aussicht auf Einsicht. Mit welchem Abstand wird geliebt? Mit welchem Abstand wird umarmt und geküsst? Mit welchem wird Frieden geschlossen oder wird gekriegt? Mit welchem wird Schuld, und Unschuld, gebüßt? Abstand ist Widerstand mit Anstand. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ALLE WEGE FÜHREN DORTHIN
Du kannst mich nicht aufhalten, wenn Du nicht weißt, wo ich hin will - Vielleicht will ich mich genau dort aufhalten, wo Deine Lüge mich hinhalten will - Dasselbe Wort, das mich belasten soll, tilgt stattdessen mein Haben, erhöht mein Soll. Das, was mich verwirren, desorientieren will, lehrt mich alles, was ich über Euch wissen soll. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Einige werden stehen, Kerzen,
brennend, erhellend, lichtspendend,
in mitten schattenhafter Schmerzen,
mutmachend, Hoffnung erweckend.
Sonderbar, wie und wo sie auftauchen,
in allen Ständen, in allen Berufen;
ruhig, mit einem Halt, den andere brauchen,
begegnen sie uns auf allen Lebensstufen.
Und dann geben sie von ihren Flammen weiter
und immer mehr Lichter fangen an zu scheinen
und das Lichtmeer wird größer, tiefer und breiter
und läßt schließlich die ganze Welt in Freude erscheinen.
Che Chidi Chukwumerije