Manche Dinge klappen fast Fast haben wir die Schutzwände fallen gelassen Fast fanden wir den passenden Platz um uns niederzulassen Und immer wieder, ab jetzt bis zum Ende unseres Lebens, werden wir uns zurück sehnen zu jenem Moment als wir uns näherten… vergebens. Wir verfehlen mehr als wir treffen, mehr Orte, mehr Menschen, mehr Chancen - und finden jedoch, unterdessen, jedes Mal Magie in den kleinen Nuancen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Zwischenmenschlichen
INNERHALB DER VIER WÄNDE
Wie ist es bei Euch, fragt der eine den anderen? Schau intern bei Euch, antwortete der andere: Wenn Du weißt, wie es bei Euch ist, weißt Du auch, wie es bei uns ist. Innerhalb der vier Wände, menscheln wir alle ähnlich. Wände sprächen Bände, wären sie menschlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FREUNDE WIE BLUMEN
Freunde wie Blumen Haben ihre Blütezeit. Manch eine Freundschaft, Die heute gedeiht, Welkt morgen dahin Mit oder ohne Streit, Gerät aber niemals Ganz in Vergessenheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERWANDT
Wir saßen gegenüber voneinander in der vollen Straßenbahn, Einander ähnlich in den Augen aller, die uns in der Ecke sitzen sahn, Und doch getrennt durch eine unsichtbare Kluft, die ich deutlich ahn. Du hier geboren und sozialisiert, ich in einem afrikanischen Land. Ich versuch, Deine Augen zu treffen, doch Dein Blick bleibt abgewandt. Ich steige bald aus, Du fährst weiter - wir bleiben einander unbekannt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HERRENMENSCHENTUM
Wenn ich könnte, würde
ich nicht in meinen Blog hinein dichten,
sondern auf Eure Seelen, die Hürde
direkt an dem Herde vernichten,
die auf dem Geist wie eine schwere Bürde
lastet, Schichten auf Schichten auf Schichten.
Erblindend. Frage Dich tausendmal warum,
warum ist die Menschheit so blind, so dumm?
Machen die Waffen die innere Stimme stumm?
Jede Kultur sieht sich selbst als Zentrum.
Summa Summarum:
Nichts macht so blind wie das Herrenmenschentum.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GESCHICHTSBLÄTTER

Die einen wachsen Die anderen welken Auf jedem Blatt steht Geschichte geschrieben Andere Lebensadern, andere Gedichte Alle aus dem selben Buch getrieben Wenn Du nicht genauer hinschaust Läufst Du an tausend Menschen vorbei Und erkennst nicht, wie eigenartig Jeder von uns ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HINHÖREN
Wie laut Du warst Als Du schwiegst Wirst Du nicht verstehen Wie stumm Du warst Als Du redetest und schrieest und lachtest Das weißt Du ganz genau. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENIGER DU
Ich werde viele Freunde verlieren und wenige gewinnen - Weniger ist mehr. Weniger Du, mehr Sie. Weniger Melodie, mehr Harmonie. Weniger grübeln, mehr empfinden. Weniger kopieren, mehr erfinden. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLEICH UND GLEICH BEKÄMPFT SICH GERN
Gleich und gleich bekämpft sich gern, ist Dir schon mal aufgefallen? Denn liegt der Treffpunkt Dir viel zu fern, wie sollte es dann widerhallen? Der fester Fels neben Dir ist Dein Stern, keine Steine, die im Weltall knallen. Druck und Gegendruck, extern und intern, halten sich, wenn sie aufeinander prallen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IM KERNE

Gleich und gleich gesellet sich gerne, Kommet mir vor, Gehet tiefer als fleischlich nahe und ferne. Steige höher empor und blicke hinein: Es lieget in dem Kerne. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
