Die Güte, die unsichtbar über dem Menschsein schwebt, hoffnungsvoll und verzweifelt, und dann wieder hoffnungsvoll, hörbar auch in Ungesagtem, Unsagbarem, das ständig gesagt wird, wenn Augen und Schicksale zum gemeinsamen Meistern des Lebens und des Liebens im tagtäglichen Wundern sich treffen, diese Güte wie ein Mond schwebt über unseren Herzen, die wie die Gezeiten mit tanzen und mehr wollen. Mehr Menschlichkeit, mehr Freundschaft, mehr Neugier, mehr Güte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
des Zwischenmenschlichen
SELBST TREU
Die Ratte wird eine Ratte sein - ob sie Dir hässlich erscheint oder schön, wird sie weiterhin Ratte sein und die Dinge tun, die Ratten tun. Dir mögen sie ekelhafte Dinge sein - in ihrer Welt sind sie richtig und schön. Meine Aufgabe ist es, Mensch zu sein, ich zu sein und über dem Ganzen zu stehn! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WELLENRITT
Ich bin in der Welle reite sie heftig Ich bin in der Kiste schüttle sie kräftig Ich bin in der Stimmung gebe mich ihr hin Das ist meine Widmung da ist alles drin. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SCHWARZER MANN
Mir wurde im Laufe des letzten Jahres Unrecht angetan Ich mußte es im Kaufe nehmen, weil ich als Schwarzer Mann ungeschützt bin, denn es bleibt leider wahr: Viele sehen mich noch als die tiefste Gefahr - Unverändert, letztes, dieses und nächstes Jahr. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GROSS- UND KLEINREIBUNG
Manchmal bin ich groß Und Du machst mich klein Manchmal bin ich klein Und Du machst mich groß. Diese Groß- und Kleinreibung Meiner Sehnsucht und Lust - Wer hätte es gewusst? - Wie Medikamente ohne Verschreibung Fühlen sich irgendwie so an Als wären sie etwas Verbotenes Das bewirkt trotzdem was Gutes Denn ich genese daran. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
KEIN TAG OHNE SCHÖNHEIT
Der Zug fährt ab und fernab der Gegenwart kommt er im selben Moment an. Alles ist immer Gegenwart. Herzen berühren ist schön Herzen brechen ist schön Herzen begegnen ist schön Herzen verlassen ist schön Nur, mach es in der Gegenwart Heb es nicht für morgen auf - Ein Tag ohne Schönheit ist ein Tag vertan Ob Schmerz, ob Genuss, ob Freude, ob Verlust, es ist alles schön wenn der Geist daran wächst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES GIBT EINEN FRIEDEN
Es gibt einen Frieden Der ist schwer zu beschreiben Denn Beschreibungen richten sich an den Kopf Doch dieser Frieden findet im Herzen statt. Es gibt einen Unfrieden Der ist schwer zu vertreiben Denn der Kopf ist der Deckel, das Herz der Topf In dem der Unfrieden seinen Sitz gefunden hat. Nichts stört mehr den Frieden Als ein Schwarzer, der sich weigert zu unterschreiben Er stellt die Welt auf den Kopf Denn er reklamiert die Normalität für sich als Heimat. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GLÜCKLICH SEIN
Nochmal: Glücklich sein ist kein Wettbewerb, sonst ist es kein glücklich sein mehr, sondern unglücklich sein. Der Verderb des Glückes kommt mit dem Seelenverzehr durch das Besserseinwollen im Erwerb dessen, was nicht erworben werden kann, denn Glück ist ein als Nomen getarntes Verb - werden muss es getan. Und zwar so: Anderen Glück gönnen beglückt die, die das können. Andere glücklich machen läßt im Macher das Glück erwachen. <em>Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE INNERE FEINDSCHAFT
Du wirst lang unter ihnen leben, ihnen Dein Bestes, ihnen Helfendes, geben, und dabei und daran wirst Du erleben: Wenn Du äußerlich anders bist, sogar bist Du auch ein Christ, bleibst Du jedem inneren Rassist ein wartender Terrorist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NICHT ANNÄHERND NAH
Annäherung ist eine Form der Distanzierung. Nichts entfernt sich schneller von einander als nicht zueinander Passendes, das sich zueinander findet und herausfindet, daß sie nichts Bleibendes verbindet. Eine letztmalige Annäherung ist allzuoft die Vorstufe einer endgültigen Trennung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
