WENIGER REDEN

Ich höre nicht so gut wie ich sehe
Deine Worte bedeuten mir wenig
Taten sind alles, was ich verstehe
Wenn ich sie sehe, werde ich hellhörig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WAS IHM WICHTIG IST

Wo kommst Du her?
Diese Frage führt meistens nicht
zu der Antwort der Frage, die sie stellt.

Was bist Du?
Diese Frage führt meistens
zu der Antwort einer Frage,
die sie nicht gestellt hat.

Wo willst Du hin?
Diese Frage ist eine Zauberformel -
Egal wie der Mensch antwortet,
er wird Dir zeigen, wer er ist…
wo er her kommt, was er ist und wie er ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MEINE GEDANKEN LESEN

Wenn Du nur
meine Gedanken lesen könntest…
Aber selbst dann wäre es
das Ringen mit einer Fremdsprache…
zusammengesetzt
zusammenhangslos
aus vertrauten Buchstaben wie Verräter.

Du brauchst keinen Übersetzer
Du brauchst keine Erklärung
Du brauchst ein Herz, das hört.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TIEFER BLICKEN

Der Weg vor uns ist lang
Und hart
Schau nicht auf meine Hautfarbe
Spüre meinen Geist
Ich kenne den Weg

Die Tür vor uns steht fest
Und schwer
Schau nicht auf meine Geschichte
Spüre mein inneres Gedicht
Ich habe den Schlüssel

Das Ziel vor uns weicht aus
Und ist in Rätseln gehüllt
Schau nicht auf mein Geschlecht
Spüre meine Empfindung
Ich weiß die Antwort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NORMAL MENSCHLICH

Die Nachbarn waren ihre einzige Freude
nach dem Tode ihres Mannes,
wussten es wohl, sprachen es nie aus,
taten so als täten sie nichts Besonderes
denn das ist das, was gute Menschen tun.
Normal ist groß. Es gibt nichts Größeres.
Die Nachbarn waren ihre einzigen Freunde
nach dem Tod ihres Mannes.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ALLTAG

Du wandelst jenseits der Poesie
Und bist tiefer, noch tiefer als sie
Unbeeindruckt durch Philosophie

Das Dichten macht mich innerlich zart
Ich dachte, ich bräuchte die Gleichart
Doch nein, ich brauche Deine Gegen-Wart

Einfache Dinge, Dich, die zwei Kinder
Die tägliche Routine, Ruhe, nichts minder
Wenn Liebe blind macht, bin ich blinder

Du bleibst die Eine, die ich wirklich mag
Wirklich liebe, stehender Hochzeitsantrag
In Deiner Nähe finde ich meinen All-Tag.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

PORTALE

Die Sterne sind zu weit weg
Lieber gucke ich in Menschenaugen hinein
Sie führen in ferne fremde Welten
Ich bin ein Weltenwanderer tagaus tagein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RECHT AUF FEHLER

Siehst Du mich wirklich
Als ebenbürtig und gleichwertig?
Beweis es mir -
Zeig mir, daß ich zu den selben Fehlern
Wie Du gleichberechtigt bin.
Verzeih mir und gestatte mir
Meiner unvollkommenen Menschlichkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINSAMMELN

Wo bin ich?
Ich versuche, mich zu sammeln
Aber ich finde mich nicht.
Wo bin ich?

Als wäre ich auf Reise gegangen
Warte ich in mir gefangen
In meinem Verlangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERGANGEN

Ich suchte und suchte
Und fand alles
Nur das Verlorene nicht

Vertrauen

Alles Verlorene im Leben
Läßt sich wieder finden
Nur eines nicht

Vertrauen

Vertrauen ist wie die Vergangenheit
Ist sie weg,
Ist sie weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung