Hatte jeder obdachlose Mensch früher mal ein Dach über dem Kopf? Ging in den Kindergarten, zur Schule, kannte Familie, Wärme, Mamas Topf? Spielte mit anderen Kindern sorgenfrei, träumte vom tollen Erwachsenenleben? Stellte sich dann stolz und zuversichtlich deren Herausforderungen und Streben? Was, wann, wo, warum lief es schief? Mein bester Freund, Deine Schwester gar. Ein Vater, Nachbarn, die alte Klassenlehrerin. Eine tiefe Bindung macht aus uns allen eine Schar. Dieses Verbindende ist unsere Vulnerabilität - Sie verpflichtet uns zur wachen Mitmenschlichkeit, Denn keiner ist ganz sicher vor dem Abrutschen über den Rand und in die Obdachlosigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
des Zwischenmenschlichen
MEINE INNENSAITEN
Du spielst mich wie ein Instrument aber ich bin verstimmt Die mir abgewonnenen Töne sind ambivalent eher verloren und unbestimmt Meine Innenseiten sind Gitarrensaiten Stimme sie, anstatt mit mir zu streiten - Ich und alle meine verrückten Seiten Du wirst uns brauchen in schwierigen Zeiten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHÄTZE SCHÄTZEN
Schätze schätzen Sätze mit Bedacht einsetzen Auch gut gemeint kann verletzen Beziehungen richtig einschätzen Hassworte kann man nicht zurücksetzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ÜBER DICH
Wie kann ich Dir helfen? Sag es mir ruhig. Wenn Du mir weh tun willst, ja, auch das tu ich. Wärst Du dann glücklich? Erkläre es mir bitte Was gibt Dir meine Stärke gegenüber Deine Tritte? Denn schwach bin ich nicht. Du darfst mich verletzen wenn Du das brauchst um mich einzuschätzen. Was Du aber mit mir machst wenn Du über mir bist, sagt mir wiederum alles, was über Dich zu wissen ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GRENZLICH
Grenzen machen Menschen Menschen machen Grenzen Grenzen machen Menschen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
OHNE DRUCK KEIN GLÜCK
Du schiebst mich Ich schiebe zurück Wir tanzen das Spiel Von Druck und Glück Es ist Sehnsucht Es sind Triebe Es ist Achtung Es ist Liebe Es ist Kommunikation In Liebe alles geben Und wenn es entgegnet wird In Liebe nachgeben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
UNSERE WORTE
Ein Wort sagt tausend Dinge und ein Ding. Ein Wort schließt tausend Ringe niemals nur einen Ring. Wir hören dasselbe Wort und niemals dasselbe Wort sowie Menschen an einem Ort aber jeder am eigenen Ort. Wir haben zwei unterschiedliche Dinge gehört und dachten, wir hören dasselbe. Wir haben dasselbe Ding gehört und dachten wir hören zwei unterschiedliche. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DER ZWANG ZUR ANPASSUNG
Ich kenne die Antwort nicht Wie liest man eines Fremden Gesicht? Wann wird Migration zur Integration? Wann wird Integration zu Assimilation? Wann wird Assimilation zur Selbstverneinung? Wann wird Selbstverneinung zur Selbstverbiegung? Wann wird Selbstverbiegung zum Selbsthass? Wann wird Selbsthass zum Fremdenhass? Wann wird Fremdenhass zum Selbstmord? Wann wird Selbstmord zum geistigen Tod? Wann wird geistiger Tod zur Lebensnorm? Wann wird Lebensnorm zur Ausdrucksform? Sichtbar auf der Gesellschaft Gesicht - Aber wie liest man eines Menschen Gesicht? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ÜBER KURZ UND LANG
Alles passiert, kurz, immer am Anfang. Alles andere ist nur der lange Schatten der untergehenden Sonne. Ein Ermatten, in die Länge gezogen. Ein Schwanengesang. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GROSSER GEIST
Es war mal ein Geist So groß wie ein Berg Er bewohnte einen Körper So klein wie ein Zwerg Er hatte Gedanken So hoch wie ein Baum Aber seine Stimme Füllte kaum einen Raum Er half vielen Menschen Aber sie wussten es nicht Denn er machte es heimlich Zeigte nie sein Gesicht Er möchte nicht, daß Du Entdeckest, wer er ist… Er will nur, daß auch Du Ein bescheidner Diener bist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
