MASKENPFLICHT

Zum Schutz des Nächsten
Verbirg Dich Deinem Nächsten
Liebe Deinen Nächsten
Meide ihn

Manche Gedanken sind giftig
Ansichten sind ansteckend
Auch wenn sie unsichtbar sind
Mit Absicht

Manche Vorhaben sind erhaben
Zart zerbrechlich schutzsüchtig
Augen treffen sich – kommentarlos –
Maskiert.

Maskenpflicht
Ein Gespräch ist ein Gedicht
Die Worte treffen gedämpft
Die Gedanken nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

OFFEN FÜR ANTWORTEN

Die Grenze stand an mir
Und konnte mich nicht überqueren
Denn egal wie sehr sie sich verschloß
Blieb ich offen…

Offen für weniger, offen für mehr
Offen für Antworten, die zu mir heimkehren
Und jede Antwort, die sich mir erschloss
Ließ mich weiter hoffen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEHR ALS FARBE

Anonym und incognito sein
Unsichtbar
Nicht extra und ständig wahrgenommen
Zu werden
Habe ich erkannt
Ist wertvoller als Silber und Gold.

Ist Schwarz eine Farbe?
Ich denke nicht.
Schwarz muß mehr sein, als nur Farbe
Es ist bestimmt was Anderes, das anzieht
Und abstoßt und Raum nimmt –
Sonst macht das alles keinen Sinn.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABLENKENDE MAUERN

Menschen wie Mauer
Schwer zu überwinden
Ihre Freude, Ihre Trauer
Wie Farben den Blinden
Wir suchen und wir finden
Nichts zum Verbinden
Auf die Dauer.

Womöglich sind die Mauern
Gar keine Mauern
Womöglich sind die Masken
Gar keine Masken.
Womöglich ist unser Leben
Gar kein Leben
Nur eine Ablenkung vom Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KENNE DEINE ART

Keine Zeit für Bullshit
Mein Feind trägt nicht nur fremde Haut
Er sieht auch aus, wie ich
Auch das sage ich, und ich sage es laut

Die äußere Gleichart brachte uns
So weit, daß wir gegenseitig
Die fehlende innere Gleichart erkannten
Und suchen sie nun anderweitig.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERGÄNZENDE GLEICHART

Wer bin ich? Woher komme ich?
Wem gehöre ich?
Wo kommt der Regen her?
Vom See und Fluss oder von den Wolken?
Von der Sonne?
Oder vom Kreislauf der Natur?

Gehörst Du einer Nation oder einer Rasse?
Einem Geschlecht? Einer Neigung?
Oder einer Charakterart?
Wer kann Dir Deine Einsamkeit nehmen,
Dich begreifen, Dir entsprechen?
Dich spüren lassen, Du bist jetzt Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE MACHT DER WIEDERHOLUNG

Unser Vater hat uns beigebracht
Dinge zu wiederholen
Langweilige Dinge
Täglich zu wiederholen
Auch wenn sie langweilig sind
Trotzdem wiederholen
Wichtige Dinge sind oft langweilig
Deshalb wiederholen
Weil die Natur so ist
Sie tut sich nur wiederholen
Weil das Herz davon lebt
Seine Schläge zu wiederholen
Wenn Du etwas erreichen willst
Ließ er nie nach zu wiederholen
Mußt Du lernen diszipliniert
Dich täglich zu wiederholen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINSAME FREUNDE

So viele Menschen
So wenige Freunde
So viel Wasser
Überall Durst

So viele Worte
In so vielen Sprachen
So viel Schweigen
Und Einsamkeit

So viele Chats
So viele Gespräche
Alle verschweigen ihr Schweigen
Und neigen alle zur Einsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

RASSISMUS 2.0

Wer unterdrückt werden sollte
Darf nicht laut schreien dürfen
Lautlos soll er erwürgt werden

Wenn sie Rassismus beklagen
Klagen wir sie dafür an!
Unser Gericht wird uns sicher Recht geben

Diskriminierung 2.0
Rassismus 2.0
Wir bringen es Euch schon bei

Polizei und Politik und Justiz
Wir lassen unser Volk niemals im Stich
Wir haben die Mittel, die Medien

Ihre Stimmen totschlagen
Totschweigend
Wir führen wieder das Wort laut!

Das Imperium schlägt zurück
Gegenteiliges soll wieder unterdrückt
Heil zum Unheil, Glück zum Unglück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAG DER EINHEIT

Ist es kindisch
dem, dem ich angeblich
fremd bin, zu zu lächeln
und ehrlich zu beichten:
Wir sind alle Geschwister im Geiste
in meinem Herzen?

Ich träume von dem Tag, einmal im Jahr,
an dem für vierundzwanzig Stunden
jeder jedem sein Herz öffnet
und diese Beichte ehrlich zu läßt:
Wir sind Geschwister im Geiste
in meinem Herzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung