TROTZ ENTTÄUSCHUNG WEITERLEBEN

Am Tag nach seinem Tode Wachte auf im Jenseits die Seele Blickte auf seinen alten Körper Und den daneben trauernden Bruder Am Tage nach seines Bruders Unfall Wachte der Hinterbliebene im Leichensaal Blickte auf seines Bruders Leiche Und ahnte nicht die daneben trauernde Seele Die neben ihm wachte Und ihn mit Schmerzen im Herzen beobachtete Und beide sannen Über alles, was sie noch gemeinsam Vorgehabt hatten… Jetzt vorbei Und beide empfanden im Geiste Die Wucht ihrer starken Liebe Zu einander… Ungeschwächt Und beide erinnerten sich Schmerzlich An den Moment, den Fehler, den Unfall Der zu dem Tod geführt hat Und wenn sie es nur könnten, egal Wie, würden sie alles rückgängig Machen – leider unmöglich Nun blickten beide auf den leblosen Körper Wie auf eine Schwelle, eine Grenze, Ein geschlossenes Tor in eine verpasste Und verlorene Möglichkeit… Eine Chance vertan. Dann fassten sie Mut Ertrugen den Schmerz Drehten sich um Herz ewig verbunden mit Herz Und mit Liebe als ewiger Leiter Gingen sie voller Hoffnung und Sorgen Jeder mit seinem Leben weiter, Weiser geworden. – Che Chidi Chukwumerije Fortgesetzt in GEFÜHLE 2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Video: MENSCH SEIN IST MENSCHSEIN TEILEN

Gedicht: Menschsein ist Menschsein teilen

MENSCH SEIN IST MENSCHSEIN TEILEN

Menschen leben
Um Menschen zu erleben
Und in dem gegenseitigen Erleben
Seiner Mitmenschen
Findet der Mensch
Die ergänzenden Menschenteile
Zu seinem Menschsein

Findet auch den Zugang zur Menschheit
In der geteilten Menschlichkeit
Und findet in dem Miterlebendürfen
Der Freude des Mitmenschen
An dem gemeinsamen Erleben des Menschseins
Auch selbst die Freude
Des Menschseins.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Das ist alles, was ich sagen kann zu dem gestrigen Crowdfunding Seminar und zu dem Erlebendürfen von Reza und dem Kennenlernen auch von Doudou und Avdesh and Misha und Philipp.
Danke an Dorcas für die Einladung und an Social Impact Lab Frankfurt für die Organisation.
C.C.C. 29.06.19

EMPFINDUNG

Sehen ist das Hören der Augen
Hören das Sehen der Ohren
Mein Herz wird Dinge aufsaugen
Die einst meine Gedanken verloren

Wie bunte Ideen eines Träumers
So verschieden die Menschen sind –
Sind wir Kinder des Sommers
Oder ist der Sommer unser Kind?

Jenseits jedoch des Sinnenfensters
Höre ich hinter den Masken
Die sorgenden Augen des Winters
Deren Finger nach mir tasten

Meine Art ist meine Art zu leben
Zu vergeben und mich zu benehmen –
Wollen wir uns gegenseitig wirklich erleben
Müssen wir mit der Empfindung wahrnehmen.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WEGEN SEGEN

Unser beider wegen
Trennten sich entgegen
Unserem Gottessegen
Unser Beider Wege

Denn ohne Trennung
Blieben Erleben und Reifen aus
Und die darauffolgende Erkennung
Somit auch das Begreifen aus

Daß alle Gottessegen
Aller Erwartungen entgegen
Nicht bequem und träge
Machen sondern dazu anregen

Ehrlich unsere Wege
Echt werdend zu gehen.

Und sollten im ehrlichen Gehen
Unsere uns bestimmten Wege
Sich wirklich verstehen,
Erleben wir den wahren Gottessegen.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

AUF DER DURCHREISE

Es fällt mir schwer, offen zu bitten
Zu sagen, ich bin Einwanderer, bitte helft mir
Weil ich hilfsbedürftig bin, bitte akzeptiert mich
Denn ich wurde zurückgestoßen und bin leer
Aber nicht so leer, daß ich ohne Stolz bin
Weil ich voll bin mit der Frage nach meines Lebens Sinn.

Mit dem Stolz wandert die Scham einher
Wer will denn Träger einer gefallenen Kultur sein?
Wer will bemitleidet und geduldet werden?
Und geächtet, ausgewichen subtil und fein?
Aber zu stolz sein, es laut zu beklagen
Vor lauter Scham vor seines eigenen Volkes Versagen.

Wer klagt ist schwach; wer nicht klagt, wird geschwächt
Macht ist das Instrument der machtlosen Richter
Dankbarkeit fällt leicht, wenn es schwer ist
Und schwer wenn leicht, aber ich bin ein Dichter
Und anstatt zu sagen, daß ich Einwanderer bin
Sage ich ehrlich stolz, daß ich ein Wanderer bin.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

WARTE NICHT AUF BEIFALL

Der ganze Tag
War hell mit Wunder überall
Doch Du warst auf der Suche
Nach Beifall

Die Merkwürdigkeit der Menschheit
Mit ihrem millionenfachen Sein –
Merktest Du es?
Nein.

Die vielen anscheinenden Zufälle
Die Dir das Leben täglich schenkt
Als möchte es, daß Du über
Seine versteckten Gesetze nachdenkst

Die paar leidenden Menschen
Die über Deinen Weg wanderten
Auch die warten auf etwas…
Doch wie viele geben es dem anderen?

Die Ichsucht, begriff ich
Verleitet zu Lebenszeitverschwendung
Je kleiner der Mensch
Desto größer seine Einbildung

Warte nicht auf Beifall
Nimm den Tag stattdessen
Er schenkt Dir Hochwertigeres
In all Deinen Erlebnissen.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

Alleinreisende Kinder (Video)

Tag 162 – Das Jahr der deutschen Dichtung (2019)

ALLEINREISENDE KINDER

In der wahren Freundschaft
Gibt es keine Oberflächlichkeit
Laß Dich nicht täuschen vom vielen Lachen
Worte tragen stets eine Mehrdeutigkeit
Hinter jedem Witz liegt ein Bekenntnis
Zu einem unausgesprochenen Freundschaftserkenntnis

Wie viele Freunde hast Du wirklich?
Wo das Vertrauen so groß ist
Daß Du tieferliegende Schutzmasken fallen lässt
Damit Deine Seele entblößt ist. –
Oder musst Du bei allen links und rechts
Dich schützen im allgegenwärtigen Gefecht?

Wie findet man einen echten Freund?
Wie finden Zugvögel ihren Weg durch das Nichts?
Wie findet die Nacht die Morgendämmerung?
Das Erdenleben ist wahrlich wie ein Gedicht –
Unzählige Dinge dicht zusammengepresst
Doch entschlüsseln mußt Du selbst den Rest.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

GEGENSEITIGKEIT

Er hatte sich daran gewöhnt
Von ihr nicht begriffen zu werden
Und hatte langsam damit aufgehört
Sein Inneres Betreffendes ihr mit zuteilen –
Probiert es gar nicht mehr
Seine Erinnerung ist sein Herr.

Sie hatte sich daran gewöhnt
Des Nichtverstehens beschuldigt zu werden
Und hat sich darauf eingestellt
Sein nachdenkliches Schweigen als Antwort zu erhalten –
Hilflos und mit Liebe erfüllt
Schweigt sie auch, innerlich aufgewühlt.

Die Jahre kommen und gehen
Wie in unzähligen kleinen Ehen –
Ob wächst das gegenseitige Verstehen
Oder schrumpft es gar?
Es ist nicht mehr, was es war
Doch die Liebe ist unerklärlicherweise noch wahr
Die sie ohne Worte gegenseitig in ihren Augen sehen.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung