Der Gedanke,
Daß er Dich nie
Geliebt hat
Von vornherein.
Der Gedanke.
– Che Chidi Chukwumerije
Der Gedanke,
Daß er Dich nie
Geliebt hat
Von vornherein.
Der Gedanke.
– Che Chidi Chukwumerije
Es ist erstaunlich, wie viel
Die Liebe verzeihen kann
Der Mann seiner Frau
Die Frau ihrem Mann
Machtlos gegen die Macht der Zeit
Die irgendwann alles befreit
Das werd ich Dir nie verzeihen
Hat jeder mal gedacht
Doch die Liebe, die Herzverräterin
Ach wie sie lacht…
Alles, was sie braucht, ist genug Zeit
Dann ist Dein Herz auch so weit
Und es verzeiht, will verzeihen
Wahre Liebe hat ein Eigenleben
Die Zeit ändert den Liebenden
Erweckt in ihm neues Bestreben
Alter Streit erscheint uns nicht mehr wichtig
Nur Liebe ist dem Herz immer richtig.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Von der anderen Seite kam sie
Blindenstock hin und her den Boden fegend
Eine alte Dame, verunsichert wirkend –
War sie neu in dieser Gegend?
Er stürmte an mir vorbei
Auf Grün hat er nicht gewartet
Schnell war er an ihrer Seite –
Hat sie ihn erwartet?
Die Nacht wich dem Tag
Die Wolken zerstreute die Sonne
Die schönsten Wunder des Universums
Ihr trübes Gesicht erhellte mit Wonne
Er legte seinen Arm auf ihre Schulter
Sie lief mit ihm weiter, nicht mehr allein
Ein Sohn vielleicht mit seiner sehbehinderten Mutter –
Wie schön es ist, Mensch zu sein.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Weißt Du, wie das ist
Wenn Du jemandes Gedanken spürst
Wie sie Dich beobachten mit List
In dem Glauben, Du schürst
Keinen Verdacht?
Die besten Schauspieler kommen am Weitesten
Sie sind aber auch zu durchschauen am Leichtesten
Nennen wir sie die verzweifeltsten
Streber nach Macht.
In Vino Veritas, und doch nicht die Weinkunde
Hilft Dir die Menschen lesen in jeder Runde
Sondern eine Menschenkenntnis, die dumm lacht.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Ich habe Euch nur kurz gekannt
Habe Euch Freunde genannt
Hab mit Euch keine Zukunft geplant
Es wäre vergebens.
Der Job nimmt uns wieder weg
Was es uns einst geschenkt
Aber der gewonnene Einblick ins Menschenherz –
Der bleibt bestehen.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Die Biene, die von Blume zu Blume
Fliegt, nimmt jede Blume mit sich
Bald ist der Wald mit sich Selbst verbunden
Ihr Summen singt ein Freudenlied
Jedes einst besuchte Land
Haftet sich dem Flugzeug ewig an
Der Mensch ist ein Strahl
Formgeworden im All
Überall wo ich einmal war
Laß ich ein Teil von mir zurück
Ersetzte es in mir mit einem Stück
Fremden Wesens, fremden Leidens, fremden Glücks
Wo liegt noch die Grenze zwischen Ich und Wir?
Ferner und näher?
Wie definiert man das Wort „Ihr“?
Es führt irgendwann alles zurück zu mir.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Menschen ziehen ein und aus
Mein Herz ist mein Haus
Wir sagen auf Wiedersehen
Und meinen auf Nimmerwiedersehen.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Ich schätze Dich, weil
Du ein Mensch bist, Teil
der Gattung unserer – doch ein Keil
schiebt sich zwischen uns und unser Heil
und das ist das Wichtiger-sein-wollen als die Anderen.
Mein herz klopft, und zwar
für zwei – mich und die Welt; es war
einmal die Kindlichkeit – doch ein paar
Eitelkeiten und schon ist das Wasser unklar –
Bald herrscht das Wichtiger-sein-wollen als die Anderen.
Versucht doch mal die Ichsucht
zu umarmen. Unmöglich; sie ist verflucht.
Kurze Arme nur für sich, beschwörend Zucht
und Ordnung mit einer Wucht, die riecht verrucht
und abstoßend: das Wichtiger-sein-wollen als die Anderen.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung.
Mein Gehirn brennt
Die Flammen stammen aus Eltern getrennt
Immer wieder bin ich erneut jenes Kind
Schwach, verwirrt, blind
Herz mit Hoffnung erfüllt
Nicht begreifend warum so laut wird gebrüllt
So oft geweint, so wenig zusammen gelacht
Das Kind hat viel nachgedacht
Antworten nicht gefunden
Hin und her gerissen zwischen zwei Menschen verbunden
Von beiden wurde ihm genug Liebe gegeben
Für zwei Erdenleben
Eins hätte gereicht
Zwei Leben gleichzeitig bedeutet nur Leid
Das lebenslange Suchen nach Stimmigkeit
Ohne ein Verräter zu sein.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung
Es gibt Tage
Und es liegt nicht am Wetter
Da grüßen die Leute schöner
Verbindlicher
Schauen Dir in die Augen
Durch deren halboffene Fenster
Überraschung ein Herz sagt kurz wirklich Hallo
Bevor sich die Wege trennen…
Und jeder geht in seinen guten Tag hinein
Hinaus in die Lichtleere
Doch glücklich als wäre
Jeder von uns selbst eine Sonne
Und der Grund für diese Wonne,
Dieses seltsame Fehlen von Sorgen?
Ein ehrlich gemeinter “Guten Morgen!”
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung