Die Nacht erzählt mir eine Geschichte die ich nicht verstehe dennoch höre ich gebannt verträumt zu es ist eine gute Nachtgeschichte über einen rieselnden Bach der lief und lief und murmelte und gurgelte und beim Zuhören fließe ich mit und schlafe langsam ein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
deutsch
LIEBE IST FAMILIE
Familie Schwer zu fassen Bindungen, die umfassen Unausgesprochen doch laut Geht tief unter die Haut Blut ist dick, doch Liebe ist dicker Liebe ist Familie. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERFÜLLUNG DAUERT
Wir waren eins lange bevor wir uns trafen Und waren einst lange bevor wir uns kannten sich gegenseitig ergänzende Teile Wir blieben zwei lange nachdem wir uns trafen Denn Einswerdung ist jenseits des Anfangs sehr schmerzvoll und dauert eine Weile. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GRENZÜBERFAHRT
Sie führte Selbstgespräche in der Sbahn, dachte ich mir zuerst Merkte dann, nein, sie redet mit der Sbahn selbst und meint es ernst Mit den Fenstern, mit dem Sitzpolster, mit unsichtbaren Gästen die im Gang stehen Dann spürte sie meine Augen, wurde still und schaute weg beim Vorbeigehen. Ich wollte mich nicht umdrehen falls sie sich umdreht, um sie nicht zu kränken Aber ich schaffte es nicht mehr, mein Sinnen auf andere Gedanken zu lenken. Wann verschiebt, wo befindet, sich die Grenze einer Realität? Ist es Schmerz, Erinnerung oder Veranlagung Neugier, Trauma oder Genialität? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WO ICH STEHE
Die Gesellschaft Hat keinen Platz für mich So wie sie ist Ich muss sie erweitern Bis sie das umfasst Wo ich stehe Wo mein Platz ist Ist hier wo ich bin Verstanden oder nicht Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WERDERAUM
Ich grabe Da wo ich habe Und finde nichts Und da wo ich nichts bin Da wo ich nichts habe Da fand ich den Sinn Meines Lebensgedichts Ein Suchender sucht sich selbst Ich brauche keinen vollen Raum Mit allen möglichen Antworten Ich will einen leeren Raum In dem ich wachsen kann als ich selbst. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MEIN SCHWEIGEN
Mein Schweigen Ist ein Loch, in das Deine Worte verschwinden Ist weiche Erde In die sie wie Saatgut eindringen Meine Seele schwängern Meine Blumen blühen lautlos Hell wie Glocken Mein Schweigen ist eine Leere In die Deine Angriffe sich verlieren Und Du wartest und wartest und wartest Vergebens auf meine Wut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ERKENNTNISSE
Abend ist wie Wein Er entlockt mir alle meiner Geheimnisse Ich lach, ich wein Ich erinnere mich an meine Versäumnisse Ich war niemals allein Ich war immer allein Meine Bedürfnisse sind meine Gefängnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IMMER INHALT
Niemals Form Immer Inhalt sei Dir das Verbindende Wer zwischen beiden Unterscheiden kann Der ist der Findende Glaube nicht der Lüge Nicht Sprache integriert Sondern Gesagtes Nicht Lächeln Bilden Dir ein Safe Space Sondern ehrlich Gewagtes. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
CHANCE FÜR UNION
Wieviel Prozent unserer Gesellschaft Bringt sich nicht ein? Wie viel Prozent Deiner Gedanken Schlafen täglich ein? Wie viele Menschen leben unter uns Aber nicht mit uns? Wie viele Deiner Empfindungen Wie viel Deines Tuns Stimmen mit einander nicht überein? Vielfalt braucht Integration Diversität braucht Inklusion Nation braucht Union Gib mir die Chance und ich bring mich ein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
