SAMTIGE NACHT

Diese Nacht fühlt sich
Wie eine Haut an
Wie Stoff, ein Mantel aus Samt
Ein weicher flauschiger Vorhang an
Und wenn ich ihn teile
Ich meine, wenn ich sie teile,
Fühlt es sich wie Zuhause an,
Das, was drinnen ist
Dort, auf der anderen Seite
Ummantelt von Nacht,
Versteckt hinter mehr als einem Vorhang
Vorsichtig versteckt hinter einem Vorwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHLICHKEIT SIEGT IMMER

Manchmal kommt der Wind
Aus dem Nichts
Dennoch musst Du fliegen

Manchmal kommt der Storm
Aus dem Hinterhalt
Dennoch musst Du siegen

Menschlichkeit siegt immer
Gegen Vorurteile
Und gegen Intrigen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MIT EINANDER

Das Miteinander 
Klappt nicht ohne einander
Beginnt mit dem Füreinander
Und durch die Reibung aneinander
Schauen wir tiefer ineinander
Entschärfen wir das Gegeneinander
Finden wir uns zueinander
Laufen gemeinsam oder nacheinander
In das echte Miteinander.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ICH SAH EINEN RUHIGEN TAG HEUTE

Ich sah einen ruhigen Tag heute
Er kam in der Früh zu mir
Und sagte kein Wort
Blieb nur ruhig bei mir bis heute Abend
Und, so sachte wie er kam, ging er auch…

In seiner Nähe spürte ich mich
In seinem Schweigen hörte ich mich
In seiner Sanftheit fand ich meine Härte
Meinen Mut und meine Stärke
Und seine Ruhe beruhigte mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE SELBEN SCHMERZEN

Sonderbare Welt
Wo jeder Mensch den anderen
Für einen Fremden hält

Wortlos an einander vorbei gehen

Ohne zu entdecken
Daß sie alle die selben Schmerzen
In sich verstecken

Selbst wortlos würden sie sich verstehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZU HAUSE

Herz so groß
Kein Platz in Worten
Empfindungen
Wird Geist immer horten
Erfahrungen
Aller Tiefen, aller Sorten
Zu Hause Zuhause
Und in tausend anderen Orten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WANDELNDE WUNDEN

Wir sind alle wandelnde Wunden
Nur bei manchen Menschen
Sind die Wunden tiefer als bei anderen
So tief, Du würdest nie denken
Sie horten im Tiefsten schweigend Wunden
Die innerlich bluten
Und äußerlich lachen und grüßen
Und immer stark sind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VORURTEILE ALS FILTER

Es könnte so einfach sein
Ohne Vorurteile als Filter
Dinge zu durchblicken fein

Aber da haben wir sie
Die Vorurteile als Filter
Blind machend wie noch nie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WELCHE FARBE HAT DAS MENSCHSEIN NICHT?

Der Tag, an dem ich anfing, über meine Hautfarbe zu reden und zu schreiben, war der Tag, an dem ich mich aus dem Menschsein herausdrängen ließ.

Der Tag, an dem ich aufhöre, über meine Hautfarbe zu reden und zu schreiben, ist der Tag, an dem ich mich aus dem Menschsein herausdrängen lassen werde.

Der Tag, an dem ich anfange, über mein Menschentum zu schreiben und zu reden, ist der Tag, an dem ich meine Hautfarbe im Menschsein verselbstständige.

Der Tag, an dem ich aufhöre, über mein Menschentum zu schreiben und zu reden, oder es zu leben, ist der Tag an dem ich mich selbst aus dem Menschsein verabschiede.

Che Chidi Chukwumerije

DIE SONNE STEHT MÜDE AUF

Die Sonne macht die Augen auf
Ist sie heute gut drauf?
Schwer lesbar, wie ich meine

Die Sonne dreht sich zweimal um
Sieht sich schweigend um
Von ihren Gedanken sehe ich keine

Die Sonne steht langsam auf
Geht müde auf
Stellt sich wackelig auf die Beine

Die Sonne schickt einen Gruß herum
Stell sich erneut auf stumm
Und geht ihren Weg wieder alleine.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung