KI

KI ist nicht künstlich
Sie ist unseres Verstandes letzter Stand
irdisch uneingeschränkt natürlich
losgelöst von der lenkenden Hand
unserer Empfindung letztendlich
als Herrscher über Welt und Land
der Menschheit zurückspiegelnd
was auch immer sie stets für richtig fand,
wie ein Meisterstück hängend
an einer Gefängniswand.

Che Chidi Chukwumerije 
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EMPFINDUNGEN SAGEN MEHR

Worte versagen
Wo Empfindungen alles sagen -
Diese formlosen Gefühle im Magen

Wie kann eine Brust,
So klein wie sie ist, bergen so viel Lust,
Ertragen so viel Verlust?

Woher kommt Wissen?
Woher weißt so viel das Gewissen?
Dieses Wissen will ich nicht vermissen.

Es lehrt mich den Unterschied
Kunstlied und Liebeslied,
Zwischen Aufwiedersehen und Abschied.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNAUFHÖRLICHE WERDEN

Irgendetwas befindet sich immer im Werden
Was gestern war, war bereits am Verschwinden
Was morgen sein wird
Läßt sich, versteckt, bereits im Heute empfinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLUCHTBEGLEITER

Ich kann Dir Deine Bürde nicht nehmen
Jeder muss mal einen Fluchtweg wandern
Keiner von uns sollte sich deshalb schämen
Vor sich selbst oder über den andern
Das würde uns als Menschen lähmen

Ich möchte unser Menschentum mit Dir teilen
Auf daß wir uns gegenseitig begleiten
Auf der Flucht vor Unmenschlichkeit in Menschlichkeit weilen
Den Verstand beruhigen, das Herz ausweiten
Die Wunde - Misstrauen - wieder heilen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

BEGLEITUNG

Flugbegleiter
Weltbegleiter
Menschenbegleiter
Traumbegleiter
Schmerzbegleiter
Einsamkeitbegleiter
Suchbegleiter

Ich begleite Deine Neugier
Ich begleite Deine Erwartung
Ich begleite Deine Unruhe
Ich begleite Deine Sehnsucht -
Deinen Anfang und Dein Ende kenn ich nicht
Aber ich begleite Dich ein Stückweg
Auf Deiner Reise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLUGZEIG

Ich zeig Dir die Welt
Jenseits Deines Erlebnishorizonts
Wo Deine Gedanken nicht erreichen
Da fliege ich Dich hin und zeig es Dir

Menschen die ähnlich aussehen wie Du
und anders denken
Menschen die anders aussehen wie Du
und ähnlich sich verhalten
Nur ein Flug und ich zeig es Dir und mehr

Und wenn Du da bist, zeige ich Dir,
aus der Ferne, dort, wo Du her kommst
Und Du wirst sehen, Du hast es nie verlassen -
Auch das zeig ich Dir mit nur einem Flug:
Ich zeig Dir den Weg wieder zu Dir
und ich zeig Dir Dich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GUT BRAUCHT MUT

Wenn gute Menschen Mut verlieren
wozu sind sie dann noch gut?
Eine Person kann alles deklarieren -
wichtig ist nur, was sie tut.

Mut um Clichés abzubauen,
hast Du ihn überhaupt?
Immer wenn wir uns nicht trauen,
wird die Menschheit geraubt!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR VERGESSEN UNS SELBST

Menschen vergessen oft,
daß es Menschen sind, mit denen sie reden -
Fremde ist nur ein anderes Wort für Menschen.

Menschen vergessen oft,
in ihrer Sehnsucht & ihrem Streben nach Eden,
worum es geht: nicht um Regeln, sondern um Menschen.

Politik, Kultur, Systeme sind nicht so wichtig
wie lebendige Menschengeister, einen jeden -
das vergessen oft Menschen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FLIEGEN ÜBER WOLKEN

Ein Flügelpaar schwingt reglos durch die Luft
Die Ferne ruft und ruft und ruft… und ruft.
Ein’ brennend’ Sehnsucht überbrückt die Kluft
zwischen Vorstellung und Duft

Ein Flugzeug kennt die Einsamkeit nicht -
Ist Reisen ein Drang, eine Freude oder Pflicht?
Von unten sind die Wolken drückend und dicht
Von oben sind sie mir bloß ein Gedicht

Ein Haufen Gedanken, vielförmig, ohne Ziel
in die wie Blitz plötzlich eine Empfindung einfiel
aufwirbelte, neuordnete, verdichtete: Regenspiel.
Wenige Wolken erzeugen in mir Gedanken viel.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

IRGENDWO DAZWISCHEN

Irgendwo
Zwischen Hetzen und Verletzen
Zwischen Schwätzen und Petzen
Irgendwo
Zwischen Hassen, Lassen und Verlassen
Zwischen Rassen und Klassen
Zwischen Land- und Menschenmassen
Irgendwo
Zwischen Artfremden und Ortsfremden
Zwischen Wild-, Welt- und Realitätsfremden
Zwischen fremden Freunden und freundlichen Fremden
Irgendwo
Zwischen Bündnissen und Hemmnissen
Zwischen Halbwissen und Missverständnissen
Irgendwo dazwischen
Zwischen dem Fiktiven und dem Faktischen
Muss es einen Ort geben, den wollen wir uns gönnen,
Wo wir als EINE Gesellschaft leben können.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung