HEIMAT ERDE

Wie kann ein Planet
So groß und so klein sein
Gleichzeitig?
Du kannst überall hinreisen
Bist nirgendwo zu Hause
Die Welt umkreisen
Machst nirgendwo eine Pause
Lang genug um anzukommen
Denn dafür reicht eine Leben nicht
Anscheinend.
Und wenn Du zu Deinem Anfang wieder kehrst
Reicht auch dort den Rest Deines Lebens nicht mehr
Um wieder anzukommen.
Mutter Erde, die alte Reisende,
Hat aus uns allen Heimatlose gemacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

TAUSEND FRAGEN

Wenn ich Deine Hand fest halte
Ist das meine Art, loszulassen
Wenn ich anders als vorgegeben laufe
Ist das meine Art, Fuß zu fassen

Wenn ich Dir meine Verletztheit zeige
Ist das meine Art, Dich nicht zu hassen
Der Weg ins Ziel sind tausend Schmerzen
Tausend Fragen, tausend Sackgassen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EINE HEILENDE NACHT

Ich brauche einmal wieder
eine tiefe Nacht
eine ruhige Nacht
eine richtig dunkle Nacht
in der die einzige Lichtquelle
die Flamme in mir ist.

Mitmenschen, Mitflammen,
trefft mich unten am Main -
lasst uns wie Sterne
eine Runde drehen in der Nacht
und die Innenwelt sichtbar machen
für andere Flammen wie uns.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

COMMUNITY

Community
Weil wir sonst noch unsichtbarer werden
Community
Weil wir sonst noch ungeschützter sind
Community
Weil wir sonst noch einsamer werden
Community
Weil wir eh bereits eine sind.

Wir sprechen die selbe Sprache in allen Sprachen
Und alle Sprachen in der selben Sprache
Wir verstehen das Unausgesprochene
Und sprechen das Unverstandene aus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

AN DRIBDEBACH

Ich möchte meine Geschichte
wie Fußabdrücke in die Erinnerung
der Stadt eingravieren
ohne daß die Stadt es merkt -
Denn sie verhindert alles, was sie wahrnimmt.

Ich möchte, daß sie einmal in der Zukunft
sich umschaut und fragt, laut,
Seit wann habe ich diese Muttermale
unter und auf meiner Haut?
Meine Antwort: Ein Grabstein mit einem Kreuz.

Ich wurde nicht hier geboren
möchte aber hier sterben
wenn das letzte Gedicht geschrieben ist
alles, was ich habe, schon gegeben wurde
und nichts mehr von mir geblieben ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SAMTIGE NACHT

Diese Nacht fühlt sich
Wie eine Haut an
Wie Stoff, ein Mantel aus Samt
Ein weicher flauschiger Vorhang an
Und wenn ich ihn teile
Ich meine, wenn ich sie teile,
Fühlt es sich wie Zuhause an,
Das, was drinnen ist
Dort, auf der anderen Seite
Ummantelt von Nacht,
Versteckt hinter mehr als einem Vorhang
Vorsichtig versteckt hinter einem Vorwand.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MENSCHLICHKEIT SIEGT IMMER

Manchmal kommt der Wind
Aus dem Nichts
Dennoch musst Du fliegen

Manchmal kommt der Storm
Aus dem Hinterhalt
Dennoch musst Du siegen

Menschlichkeit siegt immer
Gegen Vorurteile
Und gegen Intrigen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

MIT EINANDER

Das Miteinander 
Klappt nicht ohne einander
Beginnt mit dem Füreinander
Und durch die Reibung aneinander
Schauen wir tiefer ineinander
Entschärfen wir das Gegeneinander
Finden wir uns zueinander
Laufen gemeinsam oder nacheinander
In das echte Miteinander.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ICH SAH EINEN RUHIGEN TAG HEUTE

Ich sah einen ruhigen Tag heute
Er kam in der Früh zu mir
Und sagte kein Wort
Blieb nur ruhig bei mir bis heute Abend
Und, so sachte wie er kam, ging er auch…

In seiner Nähe spürte ich mich
In seinem Schweigen hörte ich mich
In seiner Sanftheit fand ich meine Härte
Meinen Mut und meine Stärke
Und seine Ruhe beruhigte mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE SELBEN SCHMERZEN

Sonderbare Welt
Wo jeder Mensch den anderen
Für einen Fremden hält

Wortlos an einander vorbei gehen

Ohne zu entdecken
Daß sie alle die selben Schmerzen
In sich verstecken

Selbst wortlos würden sie sich verstehen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung