MAHL ZEIT

Wäre die Zeit eine Mahlzeit
Wäre mein Appetit auf die Ewigkeit
In jedem Moment gestillt,
Mein Heißhunger nach dem Moment
Für alle Ewigkeit unerfüllt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

EISERNERSTEG

Zwischen Dribbdebach und Hibbdebach
In der dunklen Nacht, offen, hellwach
Meine 2 Seiten, ich sehne mich danach.
Eiserner Steg, Frankfurt am Main. 23.Nov.2022

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EISERNERSTEG: Ein Gedicht für Frankfurter.

MEHR ALS ALLES

Hab alles gegeben
Bin nichts mehr
Habe nichts mehr
Kann nicht mehr
Will nicht mehr

Übrig geblieben
ist das, was ich wirklich bin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SICHTBAR

Ich bin so sichtbar
Alles, was Du siehst, ist
daß ich da bin. Mehr nicht.

Alles andere –
Meine 1001 Nächte
verblassen wie Monde im Licht.

Meine Haut lenkt
Deinen Blick auf mich und
lenkt Deinen Blick von mir ab.

Deine Augen ziehen mich aus.
Meine Unsichtbarkeit ist
das Sichtbarste, was ich hab.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEHEIMNIS NACHT

In nichts und niemanden
ging ich so oft ein
wie in die Nacht.

Ich kenne sie besser
als jede Freundin, die ich je hatte.

Und doch ist sie ein Geheimnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

LEERE

Wie lange schon
Strecken wir die Arme aus, hoffend
Hände Hände suchend
Finger sich sehnend nach sehnenden Fingern

Wie lange schon
Kommen wir uns langsam entgegen?
Es fühlt sich wie eine Ewigkeit an
Und eine Ewigkeit wird es auch ewig sein

Denn Du warst auf einmal weg.
Angekommen am Treffpunkt
Berührte meine Anwesenheit
Deine höfliche leere Abwesenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SO GEHT ES MIR

Wie geht es Dir?
Universelle Frage ohne Antwort.
Warum wird sie überhaupt gestellt?
Mir geht es jeden Tag anders,
was denkst Du denn? In mir ist eine Welt
und alles, was in Welten so geschieht.
Jetzt weißt Du, wie es in mir aussieht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

WEH TUN

Wenn Schmerz nicht mehr Weh tut,
wende Dich an Freude. Sie ist schlimmer
wenn sie vergeht.

Wenn der Hass nicht mehr Weh tut,
hab Acht vor der Liebe. Sie hinterlässt
Scherben überall wo sie hin geht.

Und ich? Und was ist mit mir?
Wenn Du mir nicht mehr weh tun kannst,
liebe ich Dich nicht mehr. Es ist zu spät.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERLANGEN NACH GLEICHART

Von Weitem gekommen
Nicht weit gekommen
Nie ganz angekommen

Den einsamen Weg genommen
Das Fremde angenommen
Keiner hat’s mir abgenommen

Wir sehen doch, was Du bist
Alles andere, was Du auch bist
Ist für uns nur eine List

Wir sehen doch, wie fremd Du aussiehst
Alles Vertraute, was Du auch versprühst
Ist ja weil Du uns verführst

Weiter gegangen
Nicht weit genug gegangen
In Richtung Deinem und meinem Verlangen

Im Nirgendwo gefangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNGESCHRIEBEN

Ich trank Dich
wurde nicht voll
Leckte Dich
befriedigte mich nicht
Dich?
Mach weiter
Tiefer eindringen schmeckt mir nicht
Ich bin nicht satt
Ich wurde nicht fündig
Was ich suche, ist nicht was ich sage
daß ich suche.
Um mich zu verstehen musst Du
meine ungeschriebenen Gedichte
zweimal lesen
Nicht die geschriebenen, die gelogenen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung