ELITETAUSCH

Die Elite stürzen
Unter Menschen
In deren Herzen
Der Elitismus noch thront

Ist wie Schnee
Im Winter kehren
Und denken, jetzt kommt
Sicher der Sommer

Es folgt kein Frühling
Es blühen keine Blumen
Es entsteht keine neue Welt

Es fällt der nächste Schnee
Es kommen die nächsten Eliten
Ihr Thron sitzt ungestürzt in uns.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GEDANKEN

Irrlichter tanzen schräg
Sie kennen komisch den Weg
Den komischen Weg
Wenn Du ihn mit mir gehst, vorsichtig
Zwischen unseren Gedanken tretend
Fänden wir den anderen weg, glücklich
Befreit des Moments, anders werdend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NEUE HORIZONTE

Aus welchem Ozean bist Du gemacht?
Ich habe die Welt durchreist
Ich habe ihn nirgendwo gefunden
Und ich bin in sie alle eingetaucht
Alle durch durchschwommen
Alle geritten
Kenne sie alle von Innen
Habe sie alle kommen
Und gehen
Gesehen
Aber Du,
Du fühlst Dich anders an.
Aus welchem Ozean bist Du gemacht?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEHNSUCHT NACH EINER GRÖSSEREN WELT

Du bist mir zu klein, Welt -
Wie willst Du meinen Durst stillen?
Meinen Durst nach einem Held
Unverführbar gegen seinen Willen.
Meinen Hunger auf die Unsterblichkeit,
Unsterbliche Freundschaft, ur-ur-alt.
Mein Bedürfnis nach inniger Verbundenheit
Mit allen Gleichartigen ohne Vorbehalt.
Meine Sehnsucht nach einer Gesellschaft,
in der keine Menschen andere unterdrücken
Und der wahre Wert unserer Wirtschaft
dadrin liegt, uns gegenseitig zu beglücken.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DICHTERHERZ

Ein Kind ging im Wald spazieren
und merkte irgendwann
die Schönheit der Steine überall;
sie zogen ihn in ihren Bann.

Er nahm einen Stein in die Hand,
drückte ihn gegen sein Gesicht;
der Stein schien plötzlich zu reden,
erzählte dem Kind ein Gedicht.

Und jeder Stein, den er nahm,
erzählte ihm sein eigenes Poem,
drang tief in das kindliche Herz ein,
hauchte ihm ein sein Zauberodem.

So sammelte es jahrelang Steine,
trug sie aus dem Wald hinaus -
und aus allen diesen Dichtungssteinen
baute es sich ein Haus.

Das Kind wurde erwachsen,
der Erwachsene lebte und starb
und nach einer langen langen Zeit
wieder auf der Erde geboren ward.

Und wuchs und spielte und suchte
und strebte und wusste nicht:
es wohnte tief in seinem Herzen
für jeden Tag ein Gedicht.

Bis eines Tages die Liebe,
an einem anderen Tag der Verlust,
dann Verrat, Sehnsucht, Sünde, Reue
sprengten das Herz in seiner Brust.

So fand er in seinem Schmerz,
daß tief in seinem Geiste
sein Herz war felsenfest und stark,
egal wie tief er hinein reiste.

So reiste er weiter durch den Wald
in seiner Seele und fand
eines Tages einen Garten dadrinnen,
in dessen Mitte ein Haus stand.

„Zuhause!“ wusste er wieder,
denn es war tief und es war schlicht
Und nun hat er wieder, glückliches Kind,
für jeden Tag ein Gedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WACHKÜSSEN

Ein Kuss weckte Schneewittchen aus dem Schlaf.
Doch ein Kuss hat viele andere in den Schlaf versetzt,
Aus dem sie ohne Kuss später erwachten verletzt,
Verwirrt, enttäuscht, erwachsen, klein, entsetzt,
Ohne Prinz, ohne Prinzessin, ausgetauscht, ersetzt,
Dieses begreifend: der Kuss wurde überschätzt
Als Vermittler der Botschaft: Du wirst wertgeschätzt;
Dieses begreifend: der Kuss wurde unterschätzt
Als Schlafmittel, das Deine innere Klarheit zersetzt.
Du brauchst nicht zurückrufen, die Leitung ist besetzt.
Du darfst nicht stören, es wird gerade geschwätzt -
Wachgeküsst wird Schneewittchen gerade aus dem Schlaf!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

INTENSIVER

Ich weiß gar nicht,
wo ich anfangen soll -
Ich spüre alles intensiver.

Die Leere der lustigsten Witze
Die Distanz im innigsten Kuss
Das Schauspiel im ernstesten System
macht mich sensitiver.

Morgens älter werden
Abends jünger wachsen
macht mich kreativer.

Masken fallen sehen
Masken formen sehen
Masken reden sehen
macht mich intuitiver.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

VERSCHMELZUNG

Siehe, das ist kein Kelch,
Da ist mein Herz,
Tunke es in Deins. Welch
Freude, welch Schmerz,
Jede innige Verschmelzung.

Lass mich in Dich hinein
Ich kann Ecken erreichen
Hart und kalt wie Stein
Und schmerzlich sie aufweichen
In erfüllender Verschmelzung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

FREUNDSCHAFT-BEKANNTSCHAFT

Wer Zugang zu Deiner Seele hat, oder in Dein Herz oder zum Verwundbaren in Dir, der ist Dein Freund. Alles andere ist bloß eine Bekanntschaft, egal wie eng sie ist, auch in einer Ehe oder bei einer Blutsverwandtschaft, so sonderbar das klingen mag. Es kann also ernsthaftere und weniger ernsthaftere Bekanntschaften geben. Die Ernsthaftigkeit oder Nähe einer Bekanntschaft macht sie noch lange nicht zur Freundschaft. Freundschaft ist eine gewisse Art und Tiefe von gegenseitigem Zugang zum Wesen voneinander.
Deshalb verstehen Freunde sich beinahe ohne Worte manchmal. Da spricht die innere Stimme. Ein Freund hört das un- und halb gesagte.

Der Entstehung jeder wahren Freundschaft geht ein Moment des gegenseitigen sich Öffnens voraus. Nicht selten ist das sogar ein Streit, entweder am Anfang oder zu einem entscheidenden funkenden Wendepunkt. Nicht immer ist es jedoch ein Streit, natürlich, aber immer gab es einen Augenblick, in dem Beide sich gegenseitig in ihren wahren Naturen offenbarten, sich gegenseitig erkannten, anerkannten … und akzeptierten so wie sie sind. Auf jeden Fall gehört zu einer guten Freundschaft die Fähigkeit, miteinander zu streiten.

Ein Freund sieht nicht nur, wo Du gerade bist. Er versteht auch, wo Du warst, und er weiß, wo Du hin willst, und hin kannst, und hin sollst. Ein Freund ist derjenige, der Dir diese Wahrheit sagt. Aber hier ist das Entscheidende: Er sagt Dir die Wahrheit nicht auf eine zerstörerische oder vernichtende, sondern auf eine aufbauende Art und Weise. Ein Freund ist also der, der die potenzialerweckende, kraftbefreiende, motivierende Wahrheit in Dir zum Leben und Bewusstsein kommen lässt.

Aber was hat die Kultur der Sozialen Medien aus diesem Begriff „Freundschaft“ / „Freundin“ / „Freund“ gemacht! Regelrecht entwertet und degradiert! Verbindungen, die nicht mal die Bezeichnung „Bekanntschaft“ verdienen, laufen jetzt sinnverwirrend und laut unter dem falsch angewandten Namen „Freundschaft“. Wie viele Freunde haben wir nicht alle mittlerweile auf Facebook? Besser wäre es, für Sprache und Sinnbewusstsein, wenn ein anderer Wort für diese substanzfernen Verbindungen erfunden wäre, eins, das dem Begriff der Illusion ehrlicher entspricht. Hier geht es allerdings lediglich um den Missbrauch des hohen Begriffs „Freundschaft“ und nicht darum, daß wertvolle Bekanntschaften auch übers Internet wie überall zur Stande kommen können. Aber das ist eine andere Sache.

Denn weniger ist mehr. In der Wirklichkeit sind meine Freunde wenig, wirklich überschaubar wenig. Denn sie sind wahre Freunde. Fürwahr, sie wahre Freunde zu nennen ist recht gesehen eine Beleidigung, oder zumindest eine Tautologie, denn Freundschaft an sich ist bereits wahr. Wenn sie nicht wahr ist, dann ist sie sowieso auch keine Freundschaft, verdiente daher von vornherein die Bezeichnung Freundschaft gar nicht.

Und weil die Freundschaft eben bereits wahr ist, und innig, und ein ständiges Berühren des Empfindlichsten, ist sie auch selten und rar. Als würden die Begriffe Freundschaft und Masse sich gegenseitig ausschließen, ist es fast unmöglich viele Freunde zu haben, also „echte“ Freunde; dafür aber unzählige ernsthafte Bekanntschaften, wenn Dir danach ist. Bei manchen Menschen sogar fast ausschließlich nur.

Was bedeutet mir die Freundschaft? Sie ist etwas Tragendes, Stärkendes, Aufbauendes, Spiegelndes. Sie ist das Ergänzende im persönlichen Sein und Streben eines Menschen. Alle Einsamkeit der Welt ist ertragbar, wenn Du einen Freund hast, mit dem Du es teilen oder dem Du es einfach nur mitteilen kannst.

Che Chidi Chukwumerije

DIR SELBST TREU

Ich bin nicht so, wie Ihr
mich haben wollt, Ihr, die Ihr
auf meiner Seite seid.

Ich bin nicht so, wie Ihr
mich haben wollt, Ihr, die Ihr
gegen mich seid.

Kann für Dich jemand sein,
der Dich nicht versteht?

Kann gegen Dich jemand sein,
der Dich nicht versteht?

Deinen Pfad kennst und kannst nur Du.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung