Windige Tage fegen die salzgen Regentropfen aus meinen Seelenspiegeln - die vermengen sich mit meinen Süßwasserflüßen, überfluten Deine megastrengen leeren Strände bis weich Du wirst vor Fülle - Fülle an Durchdrungensein, Fülle an Erwachen, Fülle an Schmerz-begriffen-haben, Fülle an Gemeinsan-weinen-und-lachen. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
deutsch
NACH DEM DU MIR ALLES GENOMMEN HAST
Unter allen Liebhabern
die ich habe
gehst Du am tiefsten
am weitesten
in der Missachtung meiner Sehnsucht
nach Ruhe
nach Sicherheit
Und ich entkomme Dir nicht
immer kommst Du zurück
nach dem Du mir alles genommen hast
was ich je hatte
nach dem Du mir alles gegeben hast
was ich lieb habe
lieber April.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
UNERFÜLLT
Ich muss allerdings gestehen Es fällt mir heute nichts ein Ich habe nichts Neues gesehen War den ganzen Tag allein Nicht ich der Mensch äußerer Gesichter - Sondern ich der innere Dichter. Wie ein Ich in meinem Ich saß ich Und sah mich vieles machen Manchmal ernst, manchmal spaßig Unterwegs mit meinen sieben Sachen - Und ich merkte nicht, daß ich mich beobachtete, Bis der Abend dämmerte und ich erwachte. So wenig leben wir, während wir leben, Das lebendige Ich versteckt sich. So wenig geben wir, wenn wir geben. Das lebendige Ich entdeckt sich erst am Ende seiner langen Lebensreise - Ein Junge unerfüllt im sterbenden Greise. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ER MACHT, WAS ER WILL
Ich spüre Dich wieder nahe, nicht als Körper. Du ahnst es: als Geist. Denn immer wenn Du nah warst, wurde ich von der Dichtung gestreift. Heute hast Du mich bombardiert, angesteckt und ohne Impfung geheilt, in die Flucht getrieben, dann als Scherz hast Du mich auch noch zugeschneit. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

STRANDGUT
Wusstest Du, daß täglich ein Strand Dir Gesellschaft leistet? Denn, und ich spreche nicht von Deiner Seele, eine Gesellschaft ist ein Strand. Ne, ich spreche doch von einer Seele. Kultur, Gedächtnis, Geschichte, Art, Sehnsucht sind der Gesellschaft ihre Seele, wie das Meer dem Strande, das kommt und geht, wegnimmt und hinterlässt. Und so laufen wir täglich am Strand durch die Stadt, durch das Dorf, hinterlassen Fußabdrücke und Flaschenpost, Trophäen und Träume, die von der Volksseele geschluckt werden - Und alles Strandgut, das uns täglich begegnet, das Hässliche, das Schöne, das Neue, das Alte, kommt aus der Tiefe der Volksseele, zeigt sich kurz - und wird wieder geschluckt. Wird wieder verborgen, gehütet und versteckt. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Nach dem ich mein heutiges Gedicht schrieb, kramte ich dieses „alte“ Foto von vor 2 Jahren aus. Der Nordsee und vor allem das Wattenmeer haben zu meiner Seele gesprochen.
ALLEINER
Heute höre ich das Schweigen Warum ist das Schweigen so laut? Und warum hört es keiner? Das Schweigen, unauffällig Wenn Menschen auseinander fallen Bereits allein, und jetzt auch noch alleiner Alleiner ist stärker als mehr allein Das Mehr trügt, Wo das Wesentliche immer weniger wird. Das Schweigen breitet sich aus Von Mensch zu Mensch, Haus zu Haus Und wahre Gespräche werden weniger. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TREFFPUNKT: ZAUBER
Wo bist Du, Einwanderer? Bist Du wirklich hier? Oder bist Du noch dort, wo Du hierher gekommen bist? Denn keiner kommt wirklich an. Niemals. Wo bist Du Auswanderer? Haben die es dort kapiert, wenn Du mit ihnen redest und lachst, daß Du noch nicht angekommen bist? Denn keiner kommt wirklich an. Niemals. Wie schön der Sonnenaufunduntergang Magisch der Staffellauf der Jahreszeiten Da spricht ein Geist, den Ihr so versteht und ich anders - doch eines ist gleich: Wir sind beide gleichsam verzaubert. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GESPRÄCH ZWISCHEN FRÜHLING UND WINTER
Was hast Du gestern der Erde hinterlassen? Fragt der Frühling den Winter. Dein Schnee ist geschmolzen Dein Eis ist aufgetaut Von Dir ist nichts übrig geblieben. Ich habe vertiefte Seelen hinterlassen Habe Träume aus ihrem Schlaf geweckt Habe aus Lieben und Hassen Empfindungen in Herzen tief versteckt die aus meinem Eis Deine Flüsse gebaren, Deine Schuhe. Was kann ich morgen der Erde hinterlassen? Fragt der Frühling den Winter. Meine Blumen werden lang leben doch selbst sie werden welken - Meine langen Tage werden kürzer werden. Kann das Lachen je verlernt werden, mit dem Du Herzen anstecken wirst? Du bist der Anfang aller alten Erden und aller neuen, die Du noch erwecken wirst - und aus Deinen Flüssen wird einst mein Eis, mein Ruhe. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZEITEN UMSTELLUNG
Eine Stunde geht auf Reise Wieder die verlorene Stunde Ein Gast ohne Heimat dreht wieder suchend seine Runde Unentschlossen über Haben oder Sein Ungeschlossen wie der Menschheit Wunde. Die Zeiten verändern sich Die Gewissheit ist in aller Munde. Die Ungewissheit schneidet Kehlen, spaltet Zungen, sprengt Bunde. Während die Stunde immer näher kommt, jede Minute, jede Sekunde. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FRÜHLINGS BLUMEN
Sie kommen… Wie Reisende aus einer anderen Welt Besucher aus einer anderen Zeit Breiten sich aus über Flur und Feld Und verleihen ihnen ein neues Kleid Sie kommen… Wie neugierige Kinder aus ihrem Haus Wie Sterne auftauchend aus dem Nichts Drängen ungeduldig in die Welt hinaus Und in mein Herz hinein leichten Gewichts Sie kommen… Wie erregte Liebhaber, langsam, schnell, Plötzlich, auf dem Land und in der Stadt - Naturfarben, schöner als Pastell, In Blume und Baum und Halm und Blatt. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung![]()
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Fotos: Che Chidi Chukwumerije

