Im Boden
halten sie sich
Oben
küssen sie sich
Aber auf dem ganzen langen Weg
zwischen diesen beiden Stationen
berühren sie sich nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Im Boden
halten sie sich
Oben
küssen sie sich
Aber auf dem ganzen langen Weg
zwischen diesen beiden Stationen
berühren sie sich nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Neue Wege
und dennoch
gehe ich immer noch
und nur zu Dir.
Du warst schon immer in mir
meine erste Sehnsucht
meine erste Frage
und meine erste Sprache
Du warst alles,
was ich sah, als ich
das erste Mal
die Welt sah:
Die Gewissheit, daß
der Mensch blühen soll
war mir sofort und immer
eine Selbstverständlichkeit
Ich blickte in die Zukunft
und sah mich, aufgeblüht,
mir zu lächelnd,
mich zu mir rufend.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich ging im Walde
und fragte mich
ob die Bäume
uns unterscheiden farblich
Sehen die Bäume
es uns an
ob wir hier stammen
oder aus fernem Land?
Reden sie mit uns
in einheimischer Sprache
die nur jene verstehen,
die halten Wache?
Oder sind sie uns allen
gleichermaßen fremd,
während wir Körper tauschen
als wäre Fleisch ein Hemd?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung


Sie sehnten sich nach einander
zehn Jahre lang
Labten sich an der Sehnsucht,
gefangen wie in einem Hang
Doch eine einzelne Nacht
entlud ihnen, enttäuscht, ihren Drang
und befreite sie, traurig, von ihrem Zwang.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Baum Klassismus
Frucht Rassismus
Wurzel Eitelkeit
Gewässert von der geistigen Trägheit
Täterschaft
Untrennbar von der Untätigkeit
Der Freundschaftsgruß
Untrennbar von dem Verräterkuss
Verraten wurde die Menschheit
In Dir in mir das gekreuzigte Wir
Wiederauferstehen will die Menschlichkeit
Denn unser Grab, siehe: es ist leer.
Sieg der Hoffnung ist es,
wenn der Mut zum Mutmachen mutig bleibt,
wenn der Mut zum Mundaufmachen wiederaufersteht,
wenn der Mut zur Solidarität ewig lebt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wer ist deutsch?
Ich weiß es nicht.
Was ist deutsch?
Das weiß ich wohl.
Ich schaue Dir in die Augen
und ich weiß es.
Du schaust mir in die Augen
und Du weißt es.
Ganz ohne Worte.
Wir fühlen es
bis in unsere Fingerspitzen
und tief in unseren Herzen.
Alles Gute. Nur das Beste.
Solidarisch. Menschlich.
Das Beschützen der Unantastbarkeit
der menschlichen Würde.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Himmel grau
Ab und zu ein bisschen blau
Himmel grau
Ein Stau nach dem anderen
Meine Lebenszeit wird geklaut, gefühlt
Baustellen ohne Ende – ich komm nicht voran
Zugebaute Stellen
Ich jage der Sonne nach
Dieser beweglichen Sonne…
Doch kurz bevor ich wahnsinnig werde
Sagt mir mein Navi, ruhig, sicher, wieder:
Du befindest Dich auf der schnellsten Route.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Strauß
wo Du bist
bin ich Zuhaus
Denn die Hände
die Dich gemacht haben
sind die Wände
die mich schützen
Sind die Wände
die mich stützen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Veränderung
Hängt in der Luft
Unverändert
Jedes Mal sieht sie gleich aus
Und doch heißt sie Veränderung
Weil sie genau das ist
Unverändert.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Du bist mein Rosa-Baum
Da blühst Du auf
Im Vordergrund, zarter Frühlingsschaum,
Und im Hintergrund, bunter Auflauf,
Gleichzeitig auch Du, Sommers Traum.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
