NEUER TAG, NEUE HOFFNUNG

Ein Hahn kräht
Im Dämnertal des Erwachens
Ich liege, wach, im Bett
Und träume, der Hahn hätt gekräht
Vielleicht sind es meine Empfindunen
Die ich jeden Morgen aussende
Mit einem inneren Schrei der Hoffnung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AMORS PFEILE

Nach der Liebe kommt der Kater
Verführer Amor war der Vater
Lebenslang nun ich die Mutter
Grimm und Bitterkeit das Futter
Meines gebrochenen Herzens

Es wurde schon Tabak verboten
Cannabispflanzen, Rauschschoten
Zigaretten und Rauch aller Arten –
Doch die Liebe ist im Lebensgarten
Das Rauschgift der besten Schmerzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHNITT MACHEN

Ich habe Heute gebraucht
– den ganzen Tag lang –
um zu erkennen,
daß ich den heutigen Tag
gar nicht erlebt habe.

Heute erst habe ich gestern gelebt
Heute werde ich erst morgen erleben
Wann werde ich Heute leben?
Eines Tages muß ich Gestern überspringen
Als wäre es mein Schatten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IN WAHRHEIT FREUDE

Jedes Mal, wenn ich die Wahrheit berühre
Ist das, was ich dabei und danach spüre
Mit vielen Namen bekannt:
Einige seien hier genannt:
Heimat, Zuhause, Ruhe, Erleichterung
Heilung, Kraft, Klarheit, Begeisterung –
Es ist Freude, die ich in Wahrheit verspüre.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERFÜHRT

Er sprach und sprach und sprach
Bis sie ihm glaubte
Und glaubte und glaubte und glaubte
Lange nachdem er sein Wort brach
Und sich selbst widersprach
Glaubte und glaubte sie weiter und weiter
Bis sie daran zerbrach.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

KINDLICH BLEIBEN

Was steht still?
Die Zeit oder die Welt
Oder die Sorge ums Geld?
Das, was ich wirklich will
Steht immer still.

Das Wasser fließt weg
Doch der Fluß ist immer da
Die Jahre fliegen dahin
Doch die Zeit ist immer da
Die ewig geschehende Zeit

Das, was ich einst war
Sind meine Kinder heute
Es bleibt, was es ist
Kindheit, Land des Wachsens
Auch für Erwachsene.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FRUSTRIERTE HERRSCHSUCHT

Die Empfindlichkeit eines Ballons
Voller heißer Luft
Luft angehalten über Jahre
Jahrzehnte
Der Duft von Scheiße
Wer aus dem vergifteten Bauch redet
Spuckt aus den Augen
Und kommt nie zur Ruhe –
Denn wo soll er sich hinsetzen
Wenn keiner ihm einen Thron reichen will?
Nicht mehr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MENSCH UND SCHWARZ

Ich bin ein Mensch
Ich brauche keinen anderen Menschen
Der es mir erst zugestehen muß
Bevor ich es verkörpere und auslebe
Ich bin ein Mensch

Anfeindungen wegen meiner schwarzen Hautfarbe
Beweisen nur, daß die Anfeindenden
Krank sind und verbogen
Und Angst vor der eigenen inneren Kleinhieit haben
Sie brauchen jemanden zum Unterdrücken

Nicht mich.
Du kannst mich körperlich töten
Körperlich brechen, finanziell schwächen
Meinen Ruf heimtückisch schaden
Doch Du bleibst ein Narr und ich ein Star

Und immerdar.
Ich bin ein Mensch.
Selbstverständlich. Ungebrochen. Unbeugsam.
Vergiss es. Ich werde Dich besiegen.
Ich bin ein Mensch.

Che Chidi Chukwumerije
30.07.2020 (22:35h)
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MASKENPFLICHT

Zum Schutz des Nächsten
Verbirg Dich Deinem Nächsten
Liebe Deinen Nächsten
Meide ihn

Manche Gedanken sind giftig
Ansichten sind ansteckend
Auch wenn sie unsichtbar sind
Mit Absicht

Manche Vorhaben sind erhaben
Zart zerbrechlich schutzsüchtig
Augen treffen sich – kommentarlos –
Maskiert.

Maskenpflicht
Ein Gespräch ist ein Gedicht
Die Worte treffen gedämpft
Die Gedanken nicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEIN ZUHAUSE

Ich stehe häufig unter einem Baume
In einem inneren Bilde
Vor meinem dritten Auge
Vor einer kleinen niedlichen Holzbrücke
Die über einem Bach gebogen liegt

Auf der anderen Seite des Bachs
Steht ein schönes Haus
Ich sehe es nicht, ich spüre es nur.
Da wohne ich –

Der Bach ist die Dichtung
Die Brücke ist meine Sehnsucht
Der Baum ist der Tag, der Augenblick

Und wenn ich die Brücke überquert habe
Und wenn ich das Gedicht geschrieben habe

Gehe ich nach Haus.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung