ERGÄNZENDE GLEICHART

Wer bin ich? Woher komme ich?
Wem gehöre ich?
Wo kommt der Regen her?
Vom See und Fluss oder von den Wolken?
Von der Sonne?
Oder vom Kreislauf der Natur?

Gehörst Du einer Nation oder einer Rasse?
Einem Geschlecht? Einer Neigung?
Oder einer Charakterart?
Wer kann Dir Deine Einsamkeit nehmen,
Dich begreifen, Dir entsprechen?
Dich spüren lassen, Du bist jetzt Zuhause.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UND NOCH EINMAL

Wenn Du weiter leben willst
Musst Du noch einmal atmen.

Es reicht nicht
Nur einmal zu atmen
Es reicht nicht
Nur einmal zu lieben
Es reicht nicht
Nur einmal zu sterben
Es reicht nicht
Nur einmal zu reinkarnieren

Wenn Du weiter leben willst
Musst Du noch einmal atmen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE MACHT DER WIEDERHOLUNG

Unser Vater hat uns beigebracht
Dinge zu wiederholen
Langweilige Dinge
Täglich zu wiederholen
Auch wenn sie langweilig sind
Trotzdem wiederholen
Wichtige Dinge sind oft langweilig
Deshalb wiederholen
Weil die Natur so ist
Sie tut sich nur wiederholen
Weil das Herz davon lebt
Seine Schläge zu wiederholen
Wenn Du etwas erreichen willst
Ließ er nie nach zu wiederholen
Mußt Du lernen diszipliniert
Dich täglich zu wiederholen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WENN FRIEDEN IMMER WÄRE

Ich träumte heute von Frieden
Nicht von Frieden morgen
Sondern von Frieden gestern…

Ich träumte, daß keine Atombombe
Gebaut wurde, weil keine Kriege
Geführt wurden. Ich träumte

Daß keine Grenzen verletzt wurden
Weil nur natürliche Grenzen bestanden
Verstanden innerlich von allen Menschen

Und der gestrige Frieden meines Traums
War so stark, so tief, so echt, so lebendig
Es brauchte keiner mehr von Frieden zu träumen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINSAME FREUNDE

So viele Menschen
So wenige Freunde
So viel Wasser
Überall Durst

So viele Worte
In so vielen Sprachen
So viel Schweigen
Und Einsamkeit

So viele Chats
So viele Gespräche
Alle verschweigen ihr Schweigen
Und neigen alle zur Einsamkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

RASSISMUS 2.0

Wer unterdrückt werden sollte
Darf nicht laut schreien dürfen
Lautlos soll er erwürgt werden

Wenn sie Rassismus beklagen
Klagen wir sie dafür an!
Unser Gericht wird uns sicher Recht geben

Diskriminierung 2.0
Rassismus 2.0
Wir bringen es Euch schon bei

Polizei und Politik und Justiz
Wir lassen unser Volk niemals im Stich
Wir haben die Mittel, die Medien

Ihre Stimmen totschlagen
Totschweigend
Wir führen wieder das Wort laut!

Das Imperium schlägt zurück
Gegenteiliges soll wieder unterdrückt
Heil zum Unheil, Glück zum Unglück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SOMMERTAG IM JULI

Sonne und Wolken spielen Fangen
Sommersonne und Regenwolken
Blaue Himmelstücke, unbefangen –
Der Tag wird seiner Schätze gemolken.

Ich trage dieses Bild mit mir
In den Abend und in die Nacht –
Für immer jetzt und für immer hier
Jeder Moment, in dem meine Empfindung lacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

RECYCLING

Geister
Generationen
Kommen
Gehen
Kommen wieder

Die selben Absichtsträger
wie ein Maulwurf
wie ein springender Ball
kehren immer wieder
auf die Erdoberfläche zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TAG DER EINHEIT

Ist es kindisch
dem, dem ich angeblich
fremd bin, zu zu lächeln
und ehrlich zu beichten:
Wir sind alle Geschwister im Geiste
in meinem Herzen?

Ich träume von dem Tag, einmal im Jahr,
an dem für vierundzwanzig Stunden
jeder jedem sein Herz öffnet
und diese Beichte ehrlich zu läßt:
Wir sind Geschwister im Geiste
in meinem Herzen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DIE NACHBEWUNDERUNG

Ich wachte früh auf
Es war noch nicht die dritte Uhr
Und ich wartete auf den Moment
des Anbruchs der Morgendämmerung
um ihn heute zu fangen…

Ich blieb lange wach – und war wach
und beobachtete aufmerksam
mit Augen und Ohren und Nase
mit Haut und allem, was dahinter wohnt
– und bemerkte ihn nicht anfangen…

Nach einer Weile fiel mir auf
daß es schon seit einer Weile heller geworden war
und daß ich schon seit einer Weile
das leise Zwitschern ferner Vögel
unbewußt hab empfangen…

Der Tag, wie der erste Tag, kam zuerst
und erst danach mein Bewusstsein von ihm
Wie das Wunder vor seiner Bewunderung
kam zuerst das ewig sich wiederholende Ist
und ich bin ewig in dem Danach gefangen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung