ROLLENKOSTÜME

Jede Hülle trägt ihr eigenes Gesicht
Jedes Gesicht hat ihre eigene Persönlichkeit
Der selbe Text als Lied oder als Gedicht
wirkt jedes Mal anders in seiner Wunderlichkeit.

Wir alle verkleiden mehrere Rollen -
zwischen dem, was wir dringend wollen,
und dem, was wir zwingend sollen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACHT VOR MORGEN

Der morgige Tag
liegt wie ein Berg auf Dir
Sorgen und Illusionen

Deine Gedanken liegen
wie Tausend Berge auf Dir
Morgen entpuppen sie sich als Illusionen

Genießen wir erstmal die Nacht
In ihr sind Morgens Schlüssel geborgen-
Alles kommt anders als gedacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ABENDZEIT

Der Abend
ist die Jetztzeit
Sonnenuntergang
der Menschheit
Schwanengesang
der Willensfreiheit -
Der Abend
ist die Jetztzeit
versagend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GENESUNG

Ich hörte Stimmen heute
Lang vergessen gewähnte Stimmen
Und sie waren die Stimmen meiner Stärken.
Obwohl sie leise waren, tief in mir Drinnen,
starrten die mich alle an, die Leute,
als würden sie etwas in meinen Augen merken.

Sie erkennen in den Gesehenen
den Wiedergenesenen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ÜBER KURZ UND LANG

Alles passiert, kurz, immer am Anfang.
Alles andere ist nur der lange Schatten
der untergehenden Sonne. Ein Ermatten,
in die Länge gezogen. Ein Schwanengesang.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SELBSTSCHUTZ

Wir lachen, obwohl wir ernst sind -
Wir lachen, weil wir ernsthaft sind -
Zu ernstlich, zu schwer, zu intensiv,
deshalb lachen wir, mildernd, defensiv.

Wir schweigen, obwohl wir viel zu sagen hätten,
denn Worte schmiegen oft die schwersten Ketten -
Und sollten wir fallen, wer könnte uns noch retten?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

PARADIESISCH

Obwohl die Vögel laut sangen, hörte
der Wanderer lange nur Stille. Nichts störte.
Willkommen in der Natur, dort wo
der Mensch Zuhause ist und seelenfroh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF UND RUNTER

Wir landen und starten
immer und immer wieder
Während wir auf Ankunft warten
lassen wir uns nirgends nieder
Die Tage sind Bordkarten
Täglich geht die Entwicklung weiter
Für manche ein Höhenflug
Für andere ein Tiefflug
Hinauf und hinunter die Himmelsleiter.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EWIG LEBEN

Lohnt es sich
an Gott zu glauben?
Lohnt es sich
an Gott nicht zu glauben?

Wo bleibt der Frieden Deines Herzens?
80plus Jahre können doch nicht alles sein.
Der Brennstoff in mir braucht eine Ewigkeit
Und würde immer noch nicht alle sein.

Spürst Du es nicht in Dir?
Dieses Ewig-bestehen-Können
Ewig-sein-Seien, Ewig-leben-Dürfen?

Spürst Du es nicht auch in Dir?
Der Ewige hat Dich heraus gegeben
Und Dich erlaubt, fort an zu leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NACH DEM DER LÄRM DER STILLE GEWICHEN IST…

Nach dem der Lärm der Stille gewichen ist,
Und die Zeit zum Suchen verstrichen ist,
Und die Seele endlich ausgeglichen ist,
Spüre ich Dankbarkeit in mir für den Schmerz,
Für die Reise, für mein wachgerütteltes Herz,
Denn es zieht mich nun innig Heimwärts -
Dorthin, wo mehr Nähe zum Göttlichen ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung