Mein Haut ist Kraut
Und zäh und laut
Würzig gebaut
Ist aber auch nur Haut
Verwundbar empfindlich zart
Ich kann sie an und ausziehen
Ihr nennt das Geburt und Tod
Ich denk an meinen Ausgehmantel
Der altert langsam oder wird beschädigt
Und muß eines Tages ausgewechselt sein.
Ist ein Migrant ein Einwanderer
Oder ein Auswanderer? Was überlegt
Er sich nachts, wenn er sich einsam fühlt
Und ahnt, hier komme ich nie an –
Zurück oder bleiben oder weiterwandern?
Die Haut aber weiterhin ergraut
Während es sich auf der Erdenbahn staut
Menschlein, Menschsein ist Mensch sein
Schön sein ist Mensch sein. Zuhause sein
Ist Mensch sein. Egal in welcher Haut.
Der Himmel ist nur dann blau
Wenn ich nach oben schaue
Normalerweise ist er grausam
Keine Anteilnahme
Was ist anspruchsvoller in der Zeit:
Die Endlichkeit oder die Unendlichkeit?
Unendliche Zeit ist schwierig
Jeder Tag ist eine Herausforderung
Kein Müßiggang
Jeden Tag überrascht uns irgendetwas
Das Unerwartete erwarten wir ja immer
Dennoch überrascht es uns – und eines Tages
Wir es der Tod sein.
Und eines Tages wird es der Tod sein.
Wiedergeburt. Neugeburt.
Brücke ist nur dann Brücke
Wenn ich mich überbrücken lasse
Beglücken lasse von der Kehrseite
Des unerwarteten Regenschauers
Sonst ist sie bloß eine Lücke
Dann bist Du der Lückenfüller
Und merkst es nicht, bis die Lücke wieder
Verschwunden ist und Du stürzt zu Boden
Augen nach unten gerichtet, anstatt nach oben.
Ein Fuß nach dem anderen
Verschwindet Richtung Arbeitsamt
Mit Hoffnung entflammt
Ein Herz nach dem anderen
Sehnt sich nach Beschäftigung
Befestigung und Bestätigung:
Auch. Ich. Bin. Jemand.
Was bleibt dem Menschen noch übrig
In einer post-menschlichen Welt
Ohne Geld als Arbeitsfeld?
Ohne Genehmigung ist gesetzwidrig
Neues, ob Jugend, Vorstoß oder Tugend
Es bleibt nur Altes, ungenügend
Verteilt. Aus. Land. In. Land.
Hand ausgestreckt
Nach einer Realität
Jenseits des Ausgedachten
Das Jenseits wurde nicht ausgedacht
Ursprung versteckt
Ursprung einer Loyalität
Zum treibenden Nicht-Ausgedachten
Leere Räume haben’s mir beigebracht
Ein leerer Raum
Voller Wunderkraft und Macht
Wirklich, kein Traum
Ich hab’s mir nicht ausgedacht –
Die Zeit ist mein Wunderraum:
Bis sie täglich in sich zusammenbricht
Muß ich finden neu den Wunderbaum
Und pflücken mir ein Gedicht.
Mein Jahr der deutschen Dichtung
Gibst mir Halt, Nahrung, Richtung
In mitten des Waldes menschlichen Wirrwarrs
Öffnest Dich einmal täglich, helle Waldlichtung.
Bei einem Treffen heute im Social Impact Lab Frankfurt sagte mir Dorcas Spitzhorn, daß sie sich von mir und meinem täglichen Dichten inspirieren ließ und am Samstag ein Gedicht schrieb! Wow! Dann musste ich auch noch das Gedicht von Dorcas – „DER TROPFEN – vor laufender Kamera vorlesen, was ich gerne tat. Der nigerianische Journalist Jahman Anikulapo war auch dabei.
DAS JAHR DER DEUTSCHEN DICHTUNG wird immer lebendiger 😊
Straßenmusiker und Straßendichter
Stadtgeschichten und Straßenlichter
Salz und Pfeffer und Stadtgesichter
Abwesend wenn anwesend
Anwesend wenn abwesend
Der Stadtkörper und der Stadtverstand auch
Laufen täglich herum mit vollem Bauch
Doch die Stadtseele hungert bis ein Hauch
Von Kunst und Mut und Kindlichkeit
Am Straßenrand sie sachte streift.