Zwei Frauen liebten mich
Und als ich keine zurück
Liebte,
Verließ die andere mich
Und die eine blieb zurück,
Die ich liebte.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Zwei Frauen liebten mich
Und als ich keine zurück
Liebte,
Verließ die andere mich
Und die eine blieb zurück,
Die ich liebte.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Männerrunde
Geleugnete Wunde
Ursünde
Erbsünde
Starksein
Schwächlein
Lachwein
Denk klein
Gesellschaft
Stärke und Kraft
Rauh, lebhaft
Großes geschafft!
Und ab und zu
In Momenten der Ruh’
Ich gebe zu:
Bin so einsam wie Du.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Irgendwas stört mich
Und ich weiß nicht, was.
Kennt Ihr das?
Ich habe irgendwas falsch gemacht
Mir nichts oder das Falsche dabei gedacht
Und bin zu spät danach aufgewacht –
Ich kann nicht wieder einschlafen…
Und dann verstehe ich:
Ich soll nicht wieder einschlafen!
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Neben bei geäußert
Ach das schreibst Du nur so
Du glaubst das doch nicht wirklich
Was mich einst hätte verunsichern können
In jüngeren Jahren
Streift nur leicht und prallt wieder ab
Die Frage: Was an mir mag sie eigentlich?
Was bindet sie an mich?
Denn meine Worte sind es nicht.
Ich schmunzele amüsiert
Nach einigem suchenden Nachdenken
Ein bißchen desinteressiert
Ich schaue aus dem fahrenden Fenster
Ihre Doppelgänger überall emsig unterwegs
Was bindet sie an einander?
Was bindet tatsächlich Menschen an Menschen?
Und dann im Busfenster selbst sehe ich:
Mein Spiegelbild – bist Du das wirklich?
Glaubst Du wirklich Deine eigenen Worte?
Seine innere Stimme spricht in mir: Doch!
Ich schreibe das nicht nur so.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Egal wie weit
Raum und Zeit
Zu zweit ist zu zweit
Ich trinke Augen
Lasse mich in Blicke einsaugen
Die zu vielem taugen
Verbindungen durch und quer
Mein Herz ist schwer
Meine Hände sind leer
Die Welt ist zu klein
Das erfüllte und erfüllende Sein
Gibt‘s Zuhause allein.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Wir verstehen uns am meisten
Wenn wir schweigen
Mißverständnisse vermeiden wir
Je weniger wir zeigen
Und darin liegen die Kommunikationslücken –
Denn wo nicht kommuniziert wird
Wird alles gesagt, mißverständlich
Und alles, was wir hätten teilen können
Stirbt unergänzt und unvollständig.
Wir werden einander nie beglücken.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Ich habe gelernt
Mich nicht einfacher zu machen
Einfacher zu verstehen.
Oder viel zu schnell zu lachen.
Einfacher zu folgen
Einfacher zu begreifen, zu erreichen
Ich bin schon einfach genug
Mein bester Schutz – schwer auszuweichen.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Der Mensch, der Weltenwanderer
Hat auf seiner Expansionsreise
Sich vorgedrängt bis zur Grenze
Seiner widersprüchlichen Denkungsweise…
Weiß nicht weiter.
Zurück oder weiter?
Wo endet das eigene, beginnt das fremde?
Was darf man nehmen, darf man lassen?
Wie sehen Feinde aus, wie Freunde?
Was bestimmt Massen, Klassen, lieben, hassen?
Welche Grenze liegt noch unerforscht?
Denn alle erkennbaren haben wir bereits
Mehrmals erreicht, durchbrochen, überquert
Doch unbefriedigt brennt der geistige Lichtreiz –
Wir wollen weiter!
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung
Brich mir das Herz, damit ich singen kann
Schenk mir den Schmerz, der zur Wahrheit zwingt
Reiße aus mir heraus, alles was ich bringen kann
Dann wirst Du erfahren, wie meine Liebe klingt
Die reinsten Töne, die verschieden sind
Dein Gewissen zerstückelnd, Glied um Glied
Oder rauh und verwirrt und dennoch voller Frieden sind
Und wenn sie schweigt, ist das auch ein Lied
Lindere den Schmerz mit nichts, was nicht echt ist
Unterscheide bitte nicht zwischen gut und schlecht
Frag nicht zuerst, ob Dein DU mir wirklich recht ist
Verfremdend intim sei es bitte wie ein Brecht!
Doch Achtung! Nach dem ich ganz geschiefert bin
Erstarke ich neu unter den Geistern, die ich rief
Und packe Dich hart, weil ich dann ganz geliefert bin
Und liebe Dich fürchterlich schwer und fürchterlich tief.
– Che Chidi Chukwumerije
2019: Jahr der deutschen Dichtung.
Ich habe sie beim Flirten beobachtet
Immer, wenn keiner zuschaute
Schauten sie einander an…
Wie ein schneller Sommertag
Im Winter –
Und wenn keiner da war
Waren sie schnell für und miteinander da
Kurze Berührungen
Zufällig gestreift ein Körper den anderen… –
Und wie ihre Augen heftigst
Miteinander redeten, intensiv…
Die ganze Zeit.
Ein Kellner sieht vieles.
– Che Chidi Chukwumerije.
2019: Jahr der deutschen Dichtung