AUFSTIEG DES KÜNSTLICHEN

Daß so viel Schönheit
so viel Tiefe fehlen könnte,
beweist uns die Jetztzeit,
wo sich das Künstliche krönte.

Mit der KI sieht‘s vollkommen aus,
dennoch fehlt irgendwas.
Auch sie jagt nur den Applaus,
ihr gegeben als Richtmaß.

Seltsam, das Vollkommene fühlt sich
irgendwie unvollkommen an.
Selbstverständlich. Denn die Ki fügt sich
ein, passt sich uns vollkommen an.

Zurückgedrängt, die Empfindung.
Bemächtigt, die Geltungssucht.
Erleichtert, Betrug und Verwirrung.
Analog-bleiben wird zur Realitätsflucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MOMENTE NEUER ERKENNTNISSE

Der Moment, in dem ein Gedanke,
der über Dir jahre- und jahrzehntelang
gewartet hat, wie vor einer Schranke,
endlich in Dich wie ein Samen eindrang,
weil Du nun reif genug geworden bist
und Dich ihm geöffnet hast, bereit.
Dieser Moment, ein kurzer Augen-Blick, ist
der Grund für Deine Erdenzeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SO ODER SO

So. Oder so.
Ob gut oder schlecht
heißt es immer so.
Alles ein Geschlecht.

Gesellschaft vereinheitlicht
Wahres Gesicht verheimlicht
Sich anpassen erfüllt das Status Quo
Irgendwie irgendwo
Sooderso.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FEHLER MACHEN MENSCHEN

Ein Fehler ist es,
keinen Fehler zu machen –
Kein Fehler ist es,
einen Fehler zu machen
und darüber zu lachen,
zu lernen und aufzuwachen.

Menschen machen Fehler,
wenn sie wirklich leben wollen;
und Fehler machen Menschen
zu dem, was sie sein sollen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SIEG DES MENSCHTUMS

Krieg ohne Sieg
Immer und immer wieder –
Wäre uns aber nicht lieber
Sieg ohne Krieg?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VON LAND ZU LAND

Deutlich erlebbar von Land zu Land:
überall lebt sich ein anderer Geist aus.
Z.B. Großbritannien und Deutschland,
in jedem ist ein anderes Gemüt zu Haus.

Selten ändert sich meine Seele so krass
wie beim Pendeln zwischen diesen zwei Kulturen;
Ein einstündiger Flug ersetzt keinen Pass.
Des einen Inhalt passt nicht zu des andern Konturen.

Eine Fahrt jeweils vom Flughafen in die Stadt
unterscheidet sich wie der Tag von der Nacht
weil jedes Landes Geist eine andere Energie hat,
der eine schwach und hart, der andere stark und sacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WIR SIND FAMILIE

Wir sind Familie
Nicht wegen unseres Blutes
Sondern weil etwas gleichartig Gutes
Uns verbindet.

Wir sind Familie.
Denn nur Gutes wirklich verbindet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINE URALTE BRÜCKE

Wie alt bist du?
Wie viele Geheimnisse borgst Du?
Brücke zwischen Was und Was bist Du?
Nicht das Bekannte, das Vielerzählte,
interessiert mich,
sondern das Unbekannte, das nie Erzählte,
ruft und fasziniert mich.

Das Verschwiegene schreit nach Ablösung.
Das Verdunkelte scheint durch jede Krönung
hindurch und verlangt nach Versöhnung.

Alte Monumente, alte Wunden,
durch alte Brücken immer noch verbunden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZÜGIG LAUFEN

Laufen
als wäre das Leben eine kurze Reise
und Du hattest keine Zeit mehr
Zügig laufen. Bald bist Du ein Greise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ACHTE AUF DEINE TATEN

Behandle Deine Worte
als wären sie Taten
denn manch einem Morde,
so wie vielen Wohltaten,
liegen Worte zu Grunde,

nicht nur als Anzettelung
sondern vielmehr als Verankerung,
als feiner-stoffliche Vorfertigung.

Wenn Du es nicht machen würdest
dann sprich es erst nicht aus -
Wenn Du nicht wollen würdest
daß andere es machen,
dann sprich es erst nicht aus,
denn sprechen ist machen.

Willst Du es aber tun,
brauchst Du es nicht aussprechen,
sondern einfach direkt machen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung