WIR SIND GLEICH

Du bist immer die erste
Und bleibst doch die letzte
Die erste, die kommt
Die letzte, die ankommt

Warum bist Du hier
Und kommst nicht näher?
Warum schaust Du mir ins Gesicht
Und siehst mich doch nicht?

Warum liebst Du mich
Und hasst mich tatsächlich?
Warum hasst Du mich
Und liebst mich tatsächlich?

Was suchst Du in mir?
Ein Klischee? Ein Untertier?
Oder die Welt jenseits von Dir?
Sorry. Keines davon findest Du hier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS ÄUSSERE UND DAS INNERE

Das Herz brennt,
doch kalt bleibt die Welt –
Die Sonne scheint,
doch die Welt wird nicht erhellt –
Der Mund lacht,
doch die Welt? Einsam eingestellt.
Das Äußere macht viel,
aber nur das Innere zählt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FISHING

I’m Don‘t swim inside me
I’m not your lake
Go fishing instead
What you like, take –

When you’re done,
detach and walk on
and leave me alone.

Che Chidi Chukwumerije
Poems from the inner river

DER ABEND WEISS DEN WEG

Der Abend war ein Auto
ein selbstfahrendes
Er brachte mich an Orte
an denen ich noch nie war
in der Stadt
und in mir.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FENSTER

In einer Fremdstadt
Das einzige, was uns trennt
ist eine Glasscheibe
Das einzige, was uns verbindet
Ist eine Glasscheibe.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MEIN SCHWEIGEN (2)

Mein Schweigen
verunsichert Weiße Menschen –
Mein ernstes Gesicht,
eigentlich mein normales Gesicht,
scheint wie ein Gewicht zu wirken,
wie Kummer oder ein Gericht.

Bist Du müde? Nein.
Biet Du traurig? Nein.
Bist Du wütend? Nein
Bist Du verletzt? Nein

Ich kann nur nicht ständig lachen
wie ein Clown und nach lustig machen
während hinter melnem Gesicht
es entsteht schweigsam ein Gedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EXISTENZ (2)

EXISTENZ

Wozu brauchen wir noch Menschen?
Generative künstliche Intelligenz
kann uns ja hervorragend ersetzen –
zunehmend ominös diese Präsenz.
Übernimmt für uns das tiefere Denken,
bestimmt selbst unsere Präferenz.
Wozu brauchen wir noch Menschen?
Bald gibt’s keine mehr in Existenz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SOMMERNACHTERREGEN

Und dann hast Du uns erlöst,
plötzlcher Regen in der Sommernacht -
Pitipatapitipata, sanft, aufgelöst
wie eine Stimme, die stöhnt und lacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERNSTHAFT

Es ist nicht lustig
es ist das Leben
Egal wie laut wir lachen
ist es ernst eben

Warum bist Du hier?
Weder Ämter noch Gelder
noch Rum noch Genuss
halten jung. Du wirst älter.

Du wirst sterben
Dein Körper wird zerfallen.
Werde ernst und rette Deine Seele –
Du brauchst niemandem gefallen.

Das Leben ist ernst
Das Leben danach noch ernster
Die Erde, Deine Schule,
ist nur ein kleines Zeitfenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SEI GLÜCKLICH

Sei glücklich.
Mach Dir keine Sorgen um mich.
Du kannst mir nichts geben
Außer eines:
Lass mich nur mein Leben leben
Und Du Deines.

Und bist Du darin and dabei glücklich,
So erleichterst und befreist Du mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung