WIR SIND FAMILIE

Wir sind Familie
Nicht wegen unseres Blutes
Sondern weil etwas gleichartig Gutes
Uns verbindet.

Wir sind Familie.
Denn nur Gutes wirklich verbindet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINE URALTE BRÜCKE

Wie alt bist du?
Wie viele Geheimnisse borgst Du?
Brücke zwischen Was und Was bist Du?
Nicht das Bekannte, das Vielerzählte,
interessiert mich,
sondern das Unbekannte, das nie Erzählte,
ruft und fasziniert mich.

Das Verschwiegene schreit nach Ablösung.
Das Verdunkelte scheint durch jede Krönung
hindurch und verlangt nach Versöhnung.

Alte Monumente, alte Wunden,
durch alte Brücken immer noch verbunden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ZÜGIG LAUFEN

Laufen
als wäre das Leben eine kurze Reise
und Du hattest keine Zeit mehr
Zügig laufen. Bald bist Du ein Greise.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ACHTE AUF DEINE TATEN

Behandle Deine Worte
als wären sie Taten
denn manch einem Morde,
so wie vielen Wohltaten,
liegen Worte zu Grunde,

nicht nur als Anzettelung
sondern vielmehr als Verankerung,
als feiner-stoffliche Vorfertigung.

Wenn Du es nicht machen würdest
dann sprich es erst nicht aus -
Wenn Du nicht wollen würdest
daß andere es machen,
dann sprich es erst nicht aus,
denn sprechen ist machen.

Willst Du es aber tun,
brauchst Du es nicht aussprechen,
sondern einfach direkt machen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER WERT EINES MENSCHEN

Was macht einen Mensch wertvoll?
Geld? Macht? Waffen? Schönheit?
Aber alles Haben verlangt sein Soll.
Wahrhaftigkeit. Liebe. Bescheidenheit.

Manche finden den Zugang zum Geldfluss
Und sind dann „reich“. Andere nicht.
Manchen haben Macht und deren Genuss
Und werden hart und weich. Viele nicht.
Manche sind körperlich schön - zum Verdruss.
Denen ist alles gleich. Den meisten nicht.

Doch gut sein und wahr sein und bescheiden sein
Ist kostenlos. Das können alle sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FREI VERBUNDEN

Halte mich
Damit ich weg gehen kann
Lasse mich
los, damit ich bleiben kann

Denn in der Ferne
möchte ich mich mit Dir verbunden wissen
Und in der Nähe
möchte ich meine Freiheit aber nicht missen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER HANG

Wenn der Hang stirbt
stirbt die Verbindung zu vielen Menschen
und entsteht eine Verbindung zu anderen
die Echtes in sich birgt.

Du kennst Dich nicht
Bis Du in Dir den Hang überwunden hast
Du weißt nicht, was wirklich zu Dir passt
Bis Dein Hang zerbricht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

TATEN SIND WORTE

Taten sind Worte
Sie waren unsere ersten Worte
der unmittelbarsten Sorte
Und, so der Anschein,
Werden sie auch unsere letzten sein.
So schätze ich uns mittlerweile ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN ORT FÜR TATEN

Es gibt eine Ecke
in der gesellschaftlichen Seele
Die siehst sie nie
selbst nicht mit der schärfsten Brille
Deines Verstandes.
Nicht mal das Herz ahnt
daß sie vorhanden ist,
diese Ecke. Nur Güte bahnt
sich den Weg zu ihr.
Taten der Güte, der Menschlichkeit,
der Selbstlosigkeit, der Freundlichkeit,
nur Handlungen öffnet der Seele
ihr Herz, ihre verschlossene Kehle
und lässt Worte - die echten, die warmen -
Form nehmen und Dich umarmen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERÄNDERUNG

Wenn ich der deutschen Gesellschaft
alles gebe, alles schenke, was ich bin,
was ich als Mensch wirklich im Kerne bin,
werde ich dann zum Teil der Gesellschaft?

Ist deshalb die Angst?:
Denn wenn ich zum Teil der Gesellschaft werde,
hätte ich die Gesellschaft nicht dadurch verändert?
Aber hätte die Gesellschaft mich nicht auch verändert,
wenn ich zu einem Teil von ihr werde?
Wieso denn die Angst?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung