NÄHE VON DISTANZ

Nähe enthüllt Distanz.
Wenn Ihr Euch näher kommen wollt
dann bleibet auf Distanz
Sonst seht Ihr, was Ihr nicht sehen sollt:
Die Nähe von Distanz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LAUFE LEISE DURCH DIE LINDEN

Laufe leise durch die Linden
Wende Dich mit den Winden
Verbinde Dich ohne Dich zu binden
mit den Bäumen
und Du wirst Dich finden.
In der Natur Zauberräumen
gibt es keine Blinden.

Es gibt nur die, deren Herzen offen sind,
und die, die verloren haben ihr inneres Kind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

BEDACHTSAMKEIT

Lass uns schweigen
denn mich dünkt
unser Schweigen ist intimer
als unsere vorsichtigen Worte

Lass uns Abstand nehmen
denn mich dünkt
Der Abstand bindet uns fester zusammen
als Beisammensein an einem Orte

Lass uns warten
denn mich dünkt
Warten fördert Wachstum
der gesunderen Sorte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

NIRGENDWO

Wie weit bin ich gekommen
um hier zu sein?
Wo ist hier? IrgendNirgendwo.
Hier bin ich allein.

Hier ist Gleichschaltung
Hier ist Folgsamkeit
Hier ist Gruppenneigung
Hier ist Einsamkeit

Wie weit bin ich gekommen
um hier zu sein?
Wie weit muss ich noch gehen
um Zuhause zu sein?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DURCHREISENDE UND DAUERGÄSTE

Manche werden durch Dein Herz rennen
wie blinde Gäste durch Deine Wohnung
aber sie werden die Schätze nicht erkennen
die die Aufmerksamen erwarten als Belohnung.

Rufe sie nie zurück, lass sie weitergehen,
mache Dein Fenster auf, lüfte Dein Herz wieder.
Neugierige schauen ohne wirklich zu sehen -
Nur Feinempfindende lassen sich nieder.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LICHTKRAFT

Die Müdigkeit durchdringt meine Knochen
Aber sie erreicht meinen Geist nicht
Ich bin stark, fröhlich und ungebrochen
Denn ich glaube an das Licht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER LÄRM

Der Lärm hat Körper, hat Gesicht,
hat Stimme, hat Präsenz, hat Gewicht,
hat System als Gesetz, als Kultur,
durchdringt Gesellschaft und Natur,
und ist unser Leben von Geburt bis zum Tod,
von uns ausgehend, uns umhüllend, wie Od.

Wo findet der Mensch für einen Augenblick
das Schweigen, die Ruhe, der Seligkeit Glück,
um zu erahnen und erfüllen sein wahres Geschick?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNAUFFÄLLIGKEIT

Im Zeitalter der Oberflächlichkeit
Im Zeitalter der Bilder
zählen nur Dinge, die an Sichtbarkeit
gelangen. Masken. Schilder.

Aber Du. Stets unauffällig.
Ich weiß, Du bist gerne unsichtbar -
Aber das macht Dich für mich
noch mehr unverzichtbar.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

UNTER REISENDEN

Unterwegs
Unter Unbekannten
War ein Unterricht
Sie alle brannten
Sich in mich ein
Denn am Reiseende
Waren wir entweder
Freunde oder Feinde
Geworden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WORTLOS

Das erste Wort, das mir einfällt,

wurde mir von Mund zu Mund übertragen,

verpackt in einem Kuss als wir da lagen,

schweigend, fern von der Welt.


Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung