IMMER KOMMT DER SONNENUNTERGANG

Immer kommt der Sonnenuntergang
früher als erwartet -
Das ist sonderbar, nicht wahr?
Auf einmal ist der Mensch, der da war,
verschwunden, mit ohne Schwanengesang,
und der Neue startet.

Na, mit oder ohne, fragst Du?
Mit, weil jeder Abschied angekündigt wird
auf irgendeiner Art und Weise.
Ohne, denn die Kunden werden nicht gehört,
das Ungewollte ist irgendwie immer leise,
bis laut Adé sagst Du.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SEI MUTIG DEIN INNIGSTES SELBST

Der Tod ist der Treffpunkt
unserer lebendigsten Träume
Sie wohnen alle im Friedhof
seelischer Innenräume

Wer neue Ideen finden möchte
der reise ins Geister Land
Die magischsten Gedanken
liegen dort angehäuft in dem Sand

Auch heute starben viele Menschen
samt ihrer unerfüllten Träumen
Und morgen folgen viele mehr
die ihre Erfüllung auch versäumen.

Drum, mag Dich jetzt frei
nicht morgen, sondern sofort
Und sei mutig Dein innigstes Selbst
befreit von Angst und Komfort.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DER UNTERSCHIED

Der Trug scheint
hell wie Wahrheit
Betrug weint
lauter als Lauterkeit

Das gute Herz dagegen
wird mit ruhiger Einfachheit
Dein schlichtes Herz bewegen.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung 

ZWECK UND WEG

Ich sehe
den Weg
aber nicht
den Zweck.

Ich verstehe
den Zweck
aber nicht
den Weg.

Zwischen sehen
und nicht verstehen
und verstehen
und nicht sehen

wird der Weg
zum Zweck
und der Zweck
zum Weg.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE NEUE SONNE

Eines Morgens
wird unsere Sonne aufgehen
und unser bisheriges Leben
mit seinen Freuden und Sorgen
wird wie tiefe Nacht aussehen.
Wir werden versuchen, vergebens,
uns an die Schritte zu erinnern,
die wir und die Nacht gegenseitig
in und durch einander machten -
Aber nun sind sie wie in Träumern
begraben, unbegreifbar hier jenseitig
der Grenzen, die wir uns einst ausdachten
bevor wir aufwachten.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZART UND HART

Ein Teil von mir ist Wasser
ein Teil von mir ist Wein
Wird‘s tiefer, werde ich nasser,
fließe durch Dich in uns hinein.

Ein Teil von mir trägt Schwerter
der innerster birgt einen Stein
Gibt‘s Gefahr, werde ich härter,
nehme uns in meinen Schutz ein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DU HAST NIE LIEBE GENUG

Du hast nie Liebe genug für zwei;
Kommt nichts zurück, gehst Du leer aus.

Du hast nie Glaube genug für zwei;
Dein Glaube klärt nur Dich, nicht Dein Haus.

Du hast nie Kraft genug für zwei;
Du kannst nur mit retten, wer herzhaft mitzieht.

Du hast nie Freude genug für zwei;
Jeder ist selbst seines Glückes Schmied.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE LIEBE BLEIBT

Ich komme und gehe
wie der Morgen, wie der Abend
wie ein Weltkörper drehe
und drehe ich mich andauernd fragend
aus einem Bewusstsein ins andere -
merkwürdig, wie ich mich ständig verändere.

Die Menschen, die innig
mit mir in Liebe verbunden sind…
die Sehnsucht macht uns wahnsinnig
denn die Liebe macht uns blind,
deshalb auch wenn wir uns nicht sehen
lebenslang bleibt unsere Liebe bestehen.

Vieles überlebt alle Veränderungen nicht
aber die Liebe bleibt bis zum jüngsten Gericht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

RÜCKWIRKUNGEN

Die Tür wird oft erst aufgemacht
viel später nach dem Du geklopft hast -
Anders als gedacht
kommt des Lebens Antwort, fast
nachdem Du vergessen und aufgegeben hast,
wird die Erfüllung zu Dir gebracht
in genau jene Form, die wirklich zu Dir passt.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACHMITTAG IN MALABO

Eidechse und ich in der Sonne
Lang schweigen wir aber meine Gedanken
sie sind laut, üppig, und sie schwanken
wie die Palmen in der Hitze Wonne

meiner Sehnsucht nach Urwald
so dunkel so grün und ewig jung
gleichzeitig Erinnerung und Hoffnung -
Ich gehe erneut aber ich komme bald

wieder, denn die große Welt ist klein
Die Welt da draussen ist in uns drinnen
Die Sehnsucht nach Zuhause wird gewinnen…
Eidechse, jetzt nickst Du zweimal fein

und eilst in das Laubwerk hinein,
ein Nicken war zur Bejahung
ein Nicken war zur Verabschiedung
jetzt bin ich mit meinen Gedanken wieder allein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung