DEINE BLUMEN

Deine Blumen blühen schon lange
und blühen schon lange als Dauergäste
im Garten meiner ältesten Empfindung.
Ein Baum hat Arme, wir nennen sie Äste
und sie tragen viele Umarmungen,
wir nennen sie Blumen, und als eine Geste
ihrer Reinheit streicheln sie uns äußerlich
nur zart, und drücken dabei innerlich feste.
So sind Deine Blumen drinnen mein zartes
Herz und draußen meine kugelsichere Weste.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSERE GÜTE

Die Güte, die unsichtbar
über dem Menschsein schwebt,
hoffnungsvoll und verzweifelt,
und dann wieder hoffnungsvoll, hörbar
auch in Ungesagtem, Unsagbarem,
das ständig gesagt wird, wenn
Augen und Schicksale zum gemeinsamen
Meistern des Lebens und des Liebens
im tagtäglichen Wundern sich treffen,
diese Güte wie ein Mond schwebt
über unseren Herzen, die wie die Gezeiten
mit tanzen und mehr wollen.
Mehr Menschlichkeit, mehr Freundschaft,
mehr Neugier, mehr Güte.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE SACHE SELBST

Ein Haus stand neben einem Fluss
Doch es ist der Fluss, der heute noch steht
Und das Haus, das weggeflossen ist.

Der Reisende ist immer an seinem Ziel.
Der sein Ziel erreicht hat
Spürt irgendwann wieder die Sehnsucht
Nach einer höheren Form der Vollkommenheit.

Die Formen ändern die Gestalt ihrer Erscheinung
Die Sache selbst bleibt, was sie ist.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KLEINE GROSSE WELT

Die Welt ist kleiner als Du denkst
Du trittst an sie heran
aber Du kommst nicht hinein –
Warst Du aber drin,
kommst Du nicht mehr heraus.

Die Welt ist größer als Du denkst
Überall triffst Du sie
Überall kommst Du rein
wenn Du die einfachen Sachen suchst
und siehst und selbst tust.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SELBST TREU

Die Ratte wird eine Ratte sein -
ob sie Dir hässlich erscheint oder schön,
wird sie weiterhin Ratte sein
und die Dinge tun, die Ratten tun.
Dir mögen sie ekelhafte Dinge sein -
in ihrer Welt sind sie richtig und schön.

Meine Aufgabe ist es, Mensch zu sein,
ich zu sein und über dem Ganzen zu stehn!

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WELLENRITT

Ich bin in der Welle
reite sie heftig
Ich bin in der Kiste
schüttle sie kräftig
Ich bin in der Stimmung
gebe mich ihr hin
Das ist meine Widmung
da ist alles drin.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KEINER KANN MICH AUFHALTEN

Keiner kann mich aufhalten,
der mein Ziel nicht kennt -
Das, was sie dafür halten,
war nie mein Element -
Ich war nur zwiegespalten,
ein blindes Instrument,
bis ich in dem Verwalten
meines Weges als Experiment
alle meine Seiten, die alten
und neuen transparent
durchlebte und könnte entfalten
mit meinem Temperament.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWARZER MANN

Mir wurde im Laufe
des letzten Jahres Unrecht angetan
Ich mußte es im Kaufe
nehmen, weil ich als Schwarzer Mann
ungeschützt bin, denn es bleibt leider wahr:
Viele sehen mich noch als die tiefste Gefahr -
Unverändert, letztes, dieses und nächstes Jahr.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

SCHWEIGEND EMPFINDEN

Manchmal spürt der Mensch
in seinem eigenen Inneren
eine Tiefe so ernst, einen Ernst
so tief, keinen feineren
Begriff dafür gibt es als Wahrhaftigkeit,
irdischer ausgedrückt als Ehrlichkeit,
aber am Kindlichsten als die Einfachheit.

Wer gründlich empfinden kann,
der schweigt vollkommen ab und an.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

GROSS- UND KLEINREIBUNG

Manchmal bin ich groß
Und Du machst mich klein
Manchmal bin ich klein
Und Du machst mich groß.
Diese Groß- und Kleinreibung
Meiner Sehnsucht und Lust -
Wer hätte es gewusst? -
Wie Medikamente ohne Verschreibung
Fühlen sich irgendwie so an
Als wären sie etwas Verbotenes
Das bewirkt trotzdem was Gutes
Denn ich genese daran.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung