NICHT ANNÄHERND NAH

Annäherung
ist eine Form
der Distanzierung.

Nichts entfernt sich schneller
von einander als nicht zueinander
Passendes, das sich zueinander findet
und herausfindet,
daß sie nichts Bleibendes verbindet.

Eine letztmalige Annäherung
ist allzuoft die Vorstufe
einer endgültigen Trennung.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DIE VERLORENE TIEFE

Wann haben wir uns verloren,
unser Herz, unsere Weichheit,
die Natur, in der wir geboren
wurden, altmodische Weisheit?
Wann sind wir so fortgeschritten
geworden und innerlich zerstritten?

Einfache Lieder befriedigten uns,
ehrliche Worte genügten uns,
im Kern unseres Denkens und Tuns
waren Werte. Sie beschützten uns
lange vor diesem modernen Unding,
das wir ohne sie heute geworden sind.

Wer die Vergangenheit verloren hat,
der kann sie sich nicht mehr vorstellen -
begreift nicht mehr die märchenhafte Tat
ohne ihren Sinn modern zu entstellen.
Es war einmal eine bessere Menschheit,
eine Zukunft vergessen in Vergangenheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

WIR MÜSSEN NICHT GLEICH SEIN

Wir sind, was wir sind.
Jeder ist seines Geistes Kind.

Wir sehen, was wir sind.
Darüberhinaus sind wir blind.

Aber wenn wir zusammen sind
spüren wir die Verschiedenheiten
die durch Sehnsucht verbunden sind
in den heutigen verwirrenden Zeiten.

Wir sind, was wir sind.
Wir müssen nicht gleich sein
um eins zu sein.
Das geht auch, wenn wir verschieden sind.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

OHNE SEELENHARMONIE

Warst Du schonmal intim
Mit ihr oder mit ihm
Und es war Dir unangenehm,
Als küsstest Du statt Nähe Distanz
Rittest statt Substanz nur Leere
Hieltet Euch im unruhigen Tanz
Vergaßen Euch danach als ob nichts wäre.

Ohne Seelenharmonie
Und ohne Chemie.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

NACKTE AUGEN

Manchmal, nach dem ich in nackte Augen
geschaut habe, wünsche ich, ich hätte
es nicht getan, denn dieses Saugen, Aufsaugen
in die raue Emotionen dahinter ist wie eine Kette,
die mich an urtiefe Abgründe bindet,
wo der wahre Mensch sich wiederfindet.
Wo der Mutige seine Ängste überwindet.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

KINDESWOHL

Wer passt auf Dich auf,
wenn Du ein Kind bist?
Wer sieht die Gefahren im Voraus,
eher Du auf sie triffst?
Wer beschützt Dich?

Wenn Dein Ball in eine Autostrasse fliegt
und Du ihm hinterher schießt..
Wenn Du auf einer Wiese spielst
und neben Dir ein offener Brunnen ist
ohne eigene elterliche Aufsicht.
Wer sonst beschützt Dich?

Und Erwachsene laufen vorbei –
Einige hocken am Fenster nebenbei –
Keiner macht einen Aufschrei.
Manche sehen die Gefahr nicht,
manchen ist es, unglaublich, egal.
Manche bangen aber trauen sich nicht,
fremde Kinder anzusprechen. Denn, ob legal?
Ob ideal? Jede Entscheidung ist vielleicht fatal.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

ZUHAUSE

Das Heim ist der schönste Ort auf der Erde,
wohnt die Harmonie ihm inne als und im Herde
und dazu die Schönheit als innigste Zierde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DAS UNGEWÖHNLICHE

Nimmer endende Geschichte 
Dreitausendsechshundertundfünfzig Gedichte
Und mehr Gedanken, als ich zählen kann,
Ein Innenleben, von dem ich erzählen kann,
daß es ein nimmer endendes Neigen ist
zum Emporsteigen, weil Geist eigen und artig ist
Und weil die Ewigkeit täglich entsteht,
während Dein Leben täglich zuneigen geht.
Wer Zauber ernten will, der säet, der säet…
Ungewöhnliches, weil Eigenartiges.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

DES GEISTES ELIXIER

Schönheit.
Wenn ich satt bin und doch nicht satt,
Wenn ich voll bin und mich leer fühle,
Wenn trotz Befriedigung meiner Gefühle
Meine Empfindung Unzufriedenheit hat,
Dann weiß ich, daß ich tief in mir
nach Nahrung, nach des Geistes Elixier
mich sehne, dürste, hungere, verlange,
wo ich Licht empfange und mich fange:
Schönheit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

UNSTERBLICHKEIT

Die Welt passt problemlos
in jedes Herz rein
Ist aber selbst viel zu klein
für das Herz. Groß

Ist die Sehnsucht nach Ewigkeit.
Diese sterbliche Welt allein
birgt unmöglich so viel Lebendigkeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung