Ich atme die Welt ein aber auch wieder aus, Rausgehen ist mein Weg wieder nach Haus. Ein bisschen von Dir ist genau das, was ein bisschen von mir brauchte doch vergaß. Waren wir einst eins im fernen Paradiese unbewussten Daseins? Die Absicht ist diese: Heraus in die Welt! Hinein in einander! Zurück kehren erhellt an und durch einander! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
deutsch
AMEISEN
Ameisen. Irgendwie ein guter Vergleich. Menschen mit Ameisen. Herumkrabbler im Erdreich. Nur scheint bei ihnen mehr Harmonie zu sein - bei Ameisen, bei Bienen, alle Tiere haben das gemein. Ich glaube nicht, daß wir Tiere sind - sonst herrschte bei uns mehr Harmonie. Aber sind wir Menschen? … Ich find wenig Menschliches in unsrer Disharmonie. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUES IST IMMER AM GAREN
Der Mensch, der kam, und der Mensch, der ging, waren zwei verschiedene Menschen - Jemand neues ist immer am Garen. Die Zeit, die Wunden heilt, sie verwundet auch, sie teilt die Menschen wie ein Keil und nie- mand weiß ganz genau wie. Aber irgendwann ist alles verändert - Zum Teil ist es erschütternd Zum Teil ist es ernüchternd Zum Teil ist es erleichternd. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
PERSÖNLICHKEITSWANDEL
Ist es auch Dir aufgefallen, daß er ein anderer Mensch geworden ist? Und sie auch? Ganz egal wer. Bei uns allen hat jede Persönlichkeitsphase ihre Frist. Ich hatte in der Zwischenzeit vergessen, wie das aussieht, weiße Blüten im kahlen braunen Wald. Unterdessen schreitet die Natur voran, bereit zum Brüten: Ein Schopf weißer Haare hier und da wächst urplötzlich aus kargen Winterästen - Der Wald fragt den Frühling Bist Du nah? Ich erkenne Dich nicht mehr im Entferntesten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE WELT IST ÜBERALL
Die Welt ist so groß. Wer sie einmal da draußen gesehen hat, wird sie auch bei sich in der Heimat wiederfinden - sie läßt ihn nicht mehr los - die Züge sind leicht wiedererkennbar: der Menschengeist, schwer zu bändigen, drückt seinen vielfältigen, lebendigen freien Willen überall aus, immerdar. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MENSCHLICHE OASEN
Oasen. Menschen, die anders sind, denen anders sein nichts anderes ist als normal sein, denen das innere Kind innewohnt. Oasen in einem wüst gewordenen Gesellschaftsringen, die Sprudelfreude den Dürstenden bringen und Ruhe und Heilung den Leidenden wie Menschenblumen in wandelnden Vasen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FAHRT ZUM FLUGHAFEN
Knusprig kalt hält ein später Winterfremdling am Südbahnhof zittrig an, planmäßig peilt er den Norden an, ich den Süden, da ist es würzig warm, der Winter dauert hartnäckig an und ich bin spät dran, innen warm, außen kalt. Wann kommt endlich auch meine Bahn? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
VERLOREN IN DER VERGANGENHEIT
Verloren in einer Vergangenheit die sich selbst wiederholt ohne zu manifestieren Vieles, was der Mensch für das Neue hält, ist Altes in einer neuen Welt wieder geboren. Die selben alten Schmerzen in den selben alten Herzen versteckt hinter neuen Scherzen überspringen Leben in Terzen: Spätestens die Enkelkinder spiegeln die Großeltern wider, manche sehender, manche blinder geworden des wahren Zieles. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WIR SIND NICHT DUMM
Wir sind nicht dumm. Diesen Satz versteht Ihr Noch nicht. Wir sind nicht stumm. Unser Gerede versteht Ihr Nur nicht. Wir sind nicht krumm. Euer Spiegelbild versteht Ihr Nun nicht. Warum versteht Ihr uns nicht? Es spricht sich herum - Summa Summarum Habt Ihr dazu nicht den Mumm. Darum versteht Ihr uns nicht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
IMMER WEITER
Sie war die Anomalie Die sich selbst nicht begriff. Egal wie nah sie Anderen kam, wie ein Schiff Ohne Anker an einem Hafen ohne Landungssteg Gab’s Verbindung mit Keinem Und sie trieb wieder weiter weg. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
