Die Kriege dauern noch an Sie haben nicht gemerkt, daß es ein neues Jahr ist - Trauernde Menschen trauern noch Suchende Geister suchen noch weiter Sterbende Freundschaften sind weiterhin am Sterben Verwirrte Köpfe wurden noch nicht gescheiter Kaputte Beziehungen sind noch kaputt Enge Herzen wurden nach Silvester nicht breiter Die in einem Gefühlsloch steckten, warten immer noch auf eine Himmelsleiter Warst Du es vorher nicht, bist Du wahrscheinlich immer noch nicht heiter Was nützt dem Verstand der Weg ins Neue ohne die Empfindung als Wegbereiter? Die Kriege dauern noch an Sie haben nicht gemerkt, daß es ein neues Jahr ist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
deutsch
NIE SIND MEINE GEDANKEN GEERDETER

Nie sind meine Gedanken geerdeter Als wenn ich fliege. Nie beflügelter Als wenn ich am Boden stehe. Freiheit und Gebundenheit sind Verbündete In des Lebens urältester Ehe: Die zwischen der Ferne und der Nähe. Der Stille ist der am meisten Getriebene. Was bringt ein neues Jahr Was nicht vorher bereits da war Als selbsterzeugtes Samenkorn Von mir ausgeworfen nach Vorn? Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
HALTE MICH EIN ZWEITES MAL
Halte mich ein zweites Mal bevor wir uns trennen Wir werden uns nie wieder sehen so wie wir uns jetzt kennen Die Fäden der Veränderung werden ihre Wege weiter rennen Wir öffnen ständig neue Bahnen mit allem, wofür wir sonst brennen Mit tiefster Intimität also nun sollten wir uns gegenseitig scannen Ein letztes Mal voll treffend uns die Kosenamen gegenseitig nennen Die ganze Nacht wach bleiben unseren Traum nicht verpennen Wir überleben die Trennung eh nicht lass uns heute uns aneinander verbrennen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung



ERKENNTNISSE EINES HERUMREISENDEN
Wir gehen runter und tauchen auf - Jede Altstadt wird bunter beim neuen Umlauf. Die Strassenstimmen in unterschiedlichen Sprachen - Und dennoch, sie stimmen, ob sie weinen, ob sie lachen, stimmen sie überein mit allen Strassenstimmen weltweit. Die innere Stimme ist niemals allein Inmitten der Menschheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WENN SCHNEE EINEN FLUSS BERÜHRT

Wenn Schnee einen Fluss berührt Wie Gedanken zurückgeführt Zum Ausgangsort und -zustand Durch der Natur unsichtbarer Hand, Denke ich darüber nach: Ob Meer oder See oder Bach, Ort des Geschehens bleibt gleich, Weiher, Fluss, Ozean oder Teich, Eisig und hart, flüssig, durchlässig, weich, Es ist alles das magische Wasserreich, Wo alles stets in Bewegung bleibt, Mit und gegen alles fließt und sich reibt, Ständig ankommt, ständig weitertreibt - Ne, Ort des Geschehens bleibt nimmer gleich. Kein Gedanke kehrt unverändert zurück Zum unveränderten Entstehungsheim. Schlimmer oder besser geworden ein Stück Findet sich alles wieder zusammen im Schlussreim. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDULDIG SUCHEN

Ich suche manchmal geduldig über Jahre und Jahrzehnte bewusst und beständig die Antwort auf eine winzige Frage die ich in mir trage. So winzig, Du könntest denken: witzig!, was ist das denn!? Das ist meine Sehnsucht nach Klarheit, meine Bedürfnis nach Wahrheit. Und ich kann warten still, geduldig, auch wenn ich äußerlich herumtreibe, beschäftigt, die Antwort erhaltend langsam in Schritten klein und groß gleichsam. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FERN VON GESTERN

Ein langer Weg trennt mich vom letzten Jahr. Seltsam, es war ja erst gestern - Doch die Nacht, der Schlaf, die tausend Träume zwischen den Mitternachtsglocken und dem Morgenstern waren eine riesengroße weitenumspannende Brücke, ein großer steinerner Bogen, über den ich schritt wie ein Reisender auf der Suche nach Klarheit und Glücke von Gipfel zu Gipfel sich tapfer durchkämpft über Täler und Schluchten und tiefe, weite Klüfte stets die Gegenwart sucht. Gestern war vor tausend Jahren, letztes Jahr ist vergangen. Seelenfenster auf! Ich lüfte! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DEMUT
Hast Du dieses Jahr irgendjemandem Deine Wahrheit gesagt? Irgendjemanden nach seiner Wahrheit gefragt? Bald geht das Jahr zu Ende. Was habe ich gelernt? Es ist schwer, das Höchste auszuleben; denn es ist schwerer, daß Du falsch lagst zuzugeben als dran zu halten bis zum Ende. Demut. Ein kleines Wort, ein hoher Berg. Erst auf der anderen Seite dieses Bergs erwartet uns, uns zum Geleite, das Wissen zur wahren Zeitenwende. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ES KOMMT AUF DAS INNENLEBEN AN
Wer lang genug lebt, hat genug Sommer erlebt und genug Winter, um zu wissen, wie ähnlich sie sind, nur mal kälter mal wärmer der Wind, doch nicht das Wesen dahinter. Das Herz wird frieren, wenn wir Liebe und Hoffnung verlieren in jeder Jahreszeit. Und wärmer wird das Herz, überwindend Einsamkeit, Verlust und Schmerz, strebt es allezeit nach Wahrheit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BÜCHER OHNE ENDE GELESEN
Bücher ohne Ende gelesen Doch kein Buch so tief wie eine Menschenseele. Filme ohne Ende gesehen Doch kein Film so reich wie ein Menschengeist. Immer wenn sich mir ein Mensch öffnet, flüstert meine Seele: ja, weiter, erzähle! Ich verstehe Deine Geheimnisse besser Als alles, was mir die sichtbare Welt beweist. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
