Anstatt zu sterben, wie erwartet, lebte ich weiter… Ein Vogel ziehend im Sonnenuntergang Eine Glocke mit noch einem Nachklang Ein einsamer Kletterer am Berghang Ein Schwan ohne Sterbegesang Anstatt zu sterben wie erwartet, lebte ich weiter… Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dichterherz
HEIMFLÜGE
Und wenn ich weg fliege,
schmiege ich mich um so intensiver
an Dich, meine Liebe. Ich kriege
mit, wie immer sensibler und sensitiver
Dein Verlangen nach mir wächst
Flügeln wächst und mir nach fliegt
dorthin, wo ich nicht bin – es ist verhext –
denn Dein Herz ist wo mein Herz liegt.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KURZ VOR MITTERNACHT
Kurz vor Mitternacht schweige ich mit der Nacht und höre, wie sie leise lacht … Sie atmet ein, sie atmet aus, umarmt und durchdringt das Haus mit Wesen und Empfindsamkeit und süßer tiefer Einsamkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GUTEN ABEND GUTE NACHT
Guten Abend gute Nacht, gut aussehend, voll und sacht, Kopf bis Fuß in Wolkentracht, hast Liebe gemacht und lieblich gelacht und die ganze Nacht bei uns verbracht. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MANN UND SCHMERZ
Wie viel Schmerz kannst Du ertragen bevor Du ihn nicht mehr ertragen kannst? Wie viel Schmerz kannst Du ertragen bevor er Dich nicht mehr ertragen kann und Dich weiter ziehen lässt? Du bist stärker als sie es der Welt sagen - Schmerz erprobt und winterfest! Du kannst weit mehr Schmerz ertragen, als Du es mit Worten erklären kannst. Denn Du bist ein Mann. Che Chidi Chukwumerije Poems from the inner river
NACHTSTILLE
Die Stille geht weiter Wie eine Himmelsleiter Führt immer höher empor Weiter oben als je zuvor Bis die Welt verschwindet Und das Herz sich mit dem verbindet Was die Liebe tief empfindet. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHWEIGEND LABEN
Schweigen. Es ist still in mir heute - Wo seid Ihr alle, Leute? Der Fragesteller und der Antwortgeber, Der faule Genießer und der Streber, Der Bescheidener und der Angeber, Der Einzelgänger und der Kleber, Der Nichtstuer und der fleißige Weber, alle sind wie verschwunden heute Abend - hier genese ich, mich am Schweigen labend. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
WEITER!
Wir sind Geist Wir gehen immer weiter Wir schütteln Altes ab Wir gehen immer weiter Ob jung oder ergreist Egal, wir gehen weiter Ob vor oder nach dem Grab Einfach weiter, ständig weiter! Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
HERBST UND VERÄNDERUNG
Irgendwann gibst Du auf und lässt den Herbst herein; Altern gehört zum Lebenslauf, Reifen zum erfüllten Sein. Die Blätter lassen die Farben los, eine nach der anderen; Die Bäume lassen die Blätter los, die faden und die bunteren. Die Menschen lassen die Menschen los, um ihre Wege weiter zu gehen; Die Menschen lassen die Menschen los bis auf Wiedersehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KRÄHE
Mitten im Stimmendschungel der Stadt kräht eine Krähe im Vorbeifliegen - Habe nur ich sie gehört? Anstatt aufzuhorchen, redeten sie weiter. Glatt. Ein Teil von mir ist auch im Lärm geblieben Aber ein Teil von mir ist leise ausgestiegen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
