Ich erinnere mich daran Wie lebendig die Nacht war Je dunkler sie wurde Das Dorf war ein tausend Geister Mein Vater war ihr Meister in meiner Fantasie Meine Mutter ihre Seele Sie sprachen mit mir ununterbrochen Du bist ein atmendes Wesen, sagte ich zu der Nacht, Aber da ich noch ein Kind war, sagte ich es nicht, Ich wusste es einfach Wir unterhielten uns bis die Sonne aufging Bis das Dorf ihrer Magie ein Gesicht wieder gab Und ich wusste, ich wohne in der Stadt, in Lagos, Aber nur hier, in diesem Dorf, Ngodo, Bin ich Zuhause. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Dichtung
WENN DAS VERTRAUEN WEG IST
Wenn das Vertrauen weg ist
Suchst Du vergeblich nach der Brücke
Zwischen uns. Weisst Du, was schräg ist?
Neues Vertrauen schliesst die Lücke
Nicht.
Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
BEVOR ICH IN DIE NACHT HINEIN GEHE
Bevor ich in die Nacht hineingehe Weile ich noch einen Moment in dem Tag Bei meinem zweiten Selbst Bei diesem Ich, das die Welt kennt Und doch nicht durchschaut. Was ist der Mensch, wenn nicht eine Hülle? Der Inhalt ist unsichtbar. Bevor ich in die Nacht hineingehe, In das Unsichtbare, Bewertet und verinnerlicht mein inneres Selbst Die Erlebnisse, die Erkenntnisse, meiner Hülle. <em>Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SEHNSUCHT NACH SCHWEIGEN
Der Tag fing mit Schweigen an Und geht mit Schweigen zu Ende. Zwischen Anfang und Ende Gab es die Suche nach einer Freude Im Lärm, die nur Schweigen geben kann. Und alle - Freunde und Fremde, Alt, jung, reich, arm, Frau und Mann - Trugen lärmig in ihren einsamen Augen Dieselbe Sehnsucht nach dem Schweigen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WARTE NICHT DRAUF
Warte nicht drauf Nimm Du es Dir Es wartet auf Dich Warte nicht auf den Tag Es ist immer Tag - auch nachts Du musst nur aufwachen, aufstehen Warte nicht auf die Liebe Sie wartet bereits bereit in Dir Gib sie einfach weiter Worauf wartest Du noch? Je früher Du es raus schickst Desto früher kehrt es zurück zu Dir. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUER WEG
Viele Wege kreuzen mich Gleichzeitig Als stammen sie alle von mir Ursprünglich Sie führen aber nicht alle zu mir Letztendlich Denn ich veränderte mich Zwischenzeitlich. Ich erkenne sie alle Aber ich kenne sie nicht mehr alle Ich kenne nur mich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WORTLOS VERSTEHEN
Dein Schweigen spricht Volumen Deine Augen sind zwei Radiosender Deine Hände bewegen meine Emotionen Wortlos verstehen wir einander. Wird das Schweigen als Brücke reichen? Doch wer kann Brücke mit Brücke vergleichen? Gib mir ein Zeichen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
WEIL WIR ALLE VERSCHIEDEN SIND
Was ist die Basis des Zusammenseins Wenn wir alle verschieden sind: Vermengen des Wassers und des Weins: Ist Gesellschaft - wie Liebe - blind? Tastende Blicke begegnen sich in der Menge Besuchen sich über die Entfernung einer Sehnsucht Halten sich fest, ignorieren das sonstige Gemenge Kurz, dann verlieren den Mut, ergreifen die Flucht. Alles, was uns zusammenbringt, Trennt uns von voneinander: Internet, Mobilität, wer zu schnell eindringt Ineinander verpasst das Gespür füreinander. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
EGAL WIE TOLL
Ein Foto ist eine Momentaufnahme. Meistens gestellt. Verstellt. Egal wie toll die tollsten Menschen Auf ihren Profilbildern aussehen, Sieht die Wirklichkeit immer anders aus Im intimsten Hort, zu Haus, Ohne Ausnahme. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
SELBSTBESTIMMUNG
Du kannst mir nicht sagen Wie ich heiße. Wenn Du das nicht weißt Dann weißt Du erst recht nicht Wie ich heiße Denn wie kannst Du wissen Wie ich heiße Wenn Du nicht weißt Wer ich bin Was ich bin Wo ich gerade bin auf meiner Reise Und warum? Vor allem weißt Du nicht Wie ich es bis hierher schaffte Und warum ich nicht mehr zu stoppen bin Auch nicht durch die Begrenzung Einer fremdbestimmten Bezeichnung. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
