In der Dichtung wirkt Magie, denn kindliche Poesie umgeht die schwer analysierende Energie kopfgenagelter Akademie, die zersägt und verdreht. Klug. Die Menschheit ist so klug. Zu klug für Einfachheit. Der Verstand ist sich selbst genug, doch niemals genug für den Höhenflug innig feinster Innerlichkeit. Manchmal nach beendetem Gedicht starre ich aus dem Fenster. Heute sehe ich Toronto‘s Gesicht, leise Hochhäuser im milden Sonnenlicht und ferne Sirenen wie Gespenster. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Dichtung
GESICHTER
Die Gesichter. Leinwände menschlicher Geschichten. Jedes Lächeln ein neues Kapitel mit Seiten und Unterseiten. Ein Satz spricht Geschichten, ein Absatz schreibt mehrere Leben in einem Abenteuer von Liebe und Verlust. Scherz schmückt manch einen Leidensweg aber Schmerz kann man lesen, immer, Verzweiflung beobachten wie einen Film, der sich langsam entwickelt - Alle Bilder sind beweglich, selbst der Toten. Zwischen den Zeilen weilen Zweifel und Angst, List nimmt immer einen und noch einen Twist. Hass war nie eine Maske, Frag jemand, der schonmal hasste. Doch die Geschichte der Freude ist die Liebesgeschichte zwischen Sonne und Hoffnung. Es gibt aber eine Seite, die ich immer und immer wieder neu lese - Das ist die der Entschlossenheit. Schau einem Menschen einmal tief ins Gesicht: Der Blick, mit dem er Dich trifft, das ist sein Gedicht. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
FLUGHAUFEN
Flughaufen. Die Welt am Laufen. Die Ferne kann man kaufen, Nähe nicht. Ein Haufen Sehnsucht. In Schlaufen gebannte Flucht. Wir verkaufen Zuflucht, Zuhause nicht. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
ATME AUS
Wie lang kannst Du den Atem halten? Lügen kannst Du verwalten, Wahrheit nicht. Wie lang kannst Du die Maske tragen? Das Tote kannst Du begraben, Lebendiges nicht. Du hast als Wachstumszeit nur eine dünne Schicht, bis Deine Schwäche zusammenbricht und Deine Stärke ausbricht. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
AUFS HERZ HÖREN
Küssen geht über bereuen. Zwei Zungen zeigen immer den Weg zur Wahrheit; Auch wenn der Weg zurück führt in die Einsamkeit - Die Mutigen werden die Scheuen. Alles nehmen statt selektieren. Halbe Erkenntnisse nur kommen durch Nachdenken; Erlebnisse allein werden Dir die Klarheit schenken - Vollbringen geht über reflektieren. Alles geben und nicht immer dosieren. Die Wechselwirkung bringt gültigste Gewissheit; Nicht umsonst sagt uns ja die Volksweisheit: Probieren geht über studieren. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
NEUE BLUMEN
Immer wieder blühen neue Blumen im Garten Deiner Seele Ich merke es an dem neugierigen Blick, den wir überrascht tauschen, wie zwei Fremde allein in einem Fahrstuhl, der langsam nach oben fährt. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
TAG DER ARBEITER EINHEIT
Der Tag ist irgendwie schwer Schon lange marschieren die Arbeiter Sie kommen von überall her Untereinander gespaltene Mitstreiter Jede/r dem anderen Peer weder Leiter noch Begleiter - langsam begreifend immer mehr: Nur durch Einigkeit kommen wir weiter. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
GEDANKL-ICH
Wenn meine Gedanken
wie Flugzeuge
mich mitnehmen konnten
auf ihrer Reise
Und anstatt der Gedanke
an mich käme
ich selber bei Dir an
auf erstaunlicher Weise
Und wenn sie wieder
verschwinden
Und lassen sich plötzlich
nicht mehr finden
Dann sind unsere
unterschwelligen Sehnsüchte
nach einander alles
was uns noch innig verbinden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
DIE GEGENWART DER FREMDSTEN ART
Der andere zu sein, der andersartige, ist die Mitte zu sein, der stets gegenwärtige Tonangebende. Unsichtbarer Außenseiter wirst Du erst, wenn Du akzeptiert und integriert wirst. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
MISSHANDELTER PLANET
Ein Planet verliert sein Eis, verliert sein Gesicht - wann bekommt er ein anderes? Ein Planet verliert seine Wälder, verliert seine Haare - wann wachsen ihm neue an? Ein Planet verliert seine Vielfalt, verliert seine Eigenart - Muß der Mensch erst verschwinden, damit alle anderen zurück kehren? Ein Planet verliert sein Gleichgewicht, verliert seine Atemluft - Weil einer alles für sich haben will und alles verlieren wird. - Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
