ABFLIEGEN ABWIEGEN

Wie weit soll ich fliegen
um allem zu entkommen?
Wie weit soll ich fliegen
um endlich anzukommen?
Oder soll ich nicht wegfliegen?
Soll ich bleiben und leiden?
Beflügelte Herzen wiegen
schwer, was sie entscheiden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LANGSAM NÄHER

Flügelschlag lautlos winkend
die Ferne langsam näher bringend
Der rosarote Abend absinkend
mein Herz zum Seufzen sanft zwingend
Der Natur Malerei austrinkend
Tränen meiner Seele auswringend
mich mit Dir und mit Schmerz verlinkend
Auf Abschluss wartend - dringend.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ES HERBSTET

Es herbstet
als erstes
immer im Herzen

Die Empfindung färbt
die Gefühlswälder
durch Gedanken ernst
und reif und herb

Das Herz blättert
durch und weiter, fährt
hinein ins Gedächtnis.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EIN LAND

Ein Land, zwei Seiten
Eine Seite, zwei Länder
Deutschland Deine weiten
Tiefen sprechen Bänder.
Das, was Du hasst,
ist ein Teil von Dir,
weil Du es hast
tief in Dir und tief in mir.

Das, was Du hast,
ohne es zu beachten,
ist‘s, was zu Dir passt -
Nur tiefer beobachten.
Die Gleichart ist tiefer als gedacht
und verdient nicht so viel Verdacht
und verdient nicht so viel Verdacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERZENSTIEFE

Manch ein Herz
braucht ein tausend Sätze -
aber Geduld, einer wird wahr sein…
vielleicht erst der letzte.

Manch ein Herz
braucht ein tausend Jahre…
hab Vertrauen, es wird ankommen -
Gott bewahre.

Manch ein Herz
ist tiefer als das Weltmeer;
Du tauchst und tauchst für Meilen…
und denkst, es sei leer.

Alles wird aufbewahrt,
nichts geht verloren…
Alle Ziele werden erreicht
die im Herzen wurden geboren.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

HERBSTSINN

Wollen wir älter werden
ohne jung gewesen zu sein?
Wollen wir jung bleiben
ohne reifer zu werden? Nein.

Wir wollen jung sein und alt,
Komplexität haben und Einfalt,
sowohl Haltlosigkeit als auch Halt -
herzenswarm und verstandeskalt.

Denn der Frühling erwacht in uns
Der Sommer ist unser rauschendes Blut
Der Herbst, dichtend, sinnt in uns
Der Winter ist unser werdender Mut.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUF DER SUCHE NACH GLEICHART

Auf der Suche nach Gleichart
finden wir welche, die sind gleich zart
oder gleich weich oder gleich hart -
aber worin besteht wahre Gleichart?

Ist Gleichart ein Ausdruck von Kultur?
Trägt Haut die Farbe gleichartiger Natur?
Oder ist es tiefer? Kunst? Musik? Literatur?
Wo findet Geist sie nur? Gleichart pur.

Da ist es! Das magische Wort: Geist!
Was Du wirklich bist und nicht nur heißt.
Das spüren wir in der Empfindung meist -
Was Du empfindest, ist, was Du weißt.

Wirklich weiß. Das spürt jeder für sich allein.
Gleichart kann nur individuell empfunden sein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER NEBEL UND DER FLUSS

Es gibt keinen Unterschied zwischen
dem Nebel und dem Fluss
Der Main fühlt sich heute ein bißchen
so an wie ein Gefühlserguss
lässt sich nicht trennen von unserm Sinnen
Der Fluss ist da draußen, der Fluss ist hier drinnen
Der Herbst ist ein Genuss.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

IRGENDJEMAND

Egal wie Du Deine Worte wählst
irgendjemand wird sie falsch finden
Egal wie weit weg Du von allen stehst
an irgendjemanden wirst Du Dich binden
Egal wie fest Du sie alle an Dir hältst
irgendjemand Liebes wird aus Deinem Leben verschwinden.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DER HERBST IST NICHT TIEF GENUG

Schmerz. Der Herbst ist nicht tief genug.
Aber ein anderes Krankenhaus haben wir nicht
außer den bunt werdenden Bäumen im Zug
des reifer Werdens des Jahres als Gedicht.

Ein Schmerzlindernbaum ist ein Herbstbaum,
jedes Blatt ein Herzblatt aus Nebel und fadem Licht.
Geister flüstern wie Wälder in meinem Traum
und irgendwo dadrin, Gedächtnis, Dein Gesicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung