Zimmer umgeräumt
Altes weggeräumt
und weggeschmissen
Gedanken freigeräumt
Neue Träume geträumt
aus befreitem Gewissen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Zimmer umgeräumt
Altes weggeräumt
und weggeschmissen
Gedanken freigeräumt
Neue Träume geträumt
aus befreitem Gewissen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Schwer lag auf mir der Drang,
den schweren Drang abzuwerfen –
Und der Drang danach,
dem Drang nachzugeben,
war so unerträglich,
daß ich dem Drang nachgab
und den Drang abwarf.
Erleichterung leert
Doch die Leere erleichtert nicht.
Jetzt bin ich leicht – und leer –
und sehne mich wieder nach dem Drang
und nach dem Drang danach,
mich dem Drang wieder nachzugeben.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Wer hat hier gelebt geliebt
In Frieden im Krieg
Brunnen und Mauer gebaut
In die Augen seiner Geliebten geschaut
Gebeten, gelacht
Über die Zukunft nachgedacht
Gehofft, Freude und Angst gespürt
Das Herz seiner Mitmenschen gerührt
Und für diesen Ort sein Leben
Ohne Zögern gerne gegeben
Hier gealtert, an Gott geglaubt
und sein Körper hier zurückgelassen
als er mit Fragen in seinem Herzen starb?
Denn auch er mußte eines Tages fort?
Wo ist er heute?
Weiß er, daß ich über die Reste
seines geliebten Heimatdorfs
nachdenklich spaziere
und mich frage, was aus seinem Geist
geworden ist?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
… und da standen sie
In einander verschlungen
ein Liebespaar –
Raum und Zeit überwunden.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Kurz bevor es dunkel wird
schlafen die Bäume ein
wie müde Wachsoldaten
verfallen ihren Träumereien
Der Zug, wie ein Schlafwandler
betritt freie Räume ohne Bein
ohne Fuß ohne Zeh ohne Schuh
Fährt fast ohne Geräusch mich Heim.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Im Boden
halten sie sich
Oben
küssen sie sich
Aber auf dem ganzen langen Weg
zwischen diesen beiden Stationen
berühren sie sich nicht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung

Neue Wege
und dennoch
gehe ich immer noch
und nur zu Dir.
Du warst schon immer in mir
meine erste Sehnsucht
meine erste Frage
und meine erste Sprache
Du warst alles,
was ich sah, als ich
das erste Mal
die Welt sah:
Die Gewissheit, daß
der Mensch blühen soll
war mir sofort und immer
eine Selbstverständlichkeit
Ich blickte in die Zukunft
und sah mich, aufgeblüht,
mir zu lächelnd,
mich zu mir rufend.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Ich ging im Walde
und fragte mich
ob die Bäume
uns unterscheiden farblich
Sehen die Bäume
es uns an
ob wir hier stammen
oder aus fernem Land?
Reden sie mit uns
in einheimischer Sprache
die nur jene verstehen,
die halten Wache?
Oder sind sie uns allen
gleichermaßen fremd,
während wir Körper tauschen
als wäre Fleisch ein Hemd?
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung


Sie sehnten sich nach einander
zehn Jahre lang
Labten sich an der Sehnsucht,
gefangen wie in einem Hang
Doch eine einzelne Nacht
entlud ihnen, enttäuscht, ihren Drang
und befreite sie, traurig, von ihrem Zwang.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung
Baum Klassismus
Frucht Rassismus
Wurzel Eitelkeit
Gewässert von der geistigen Trägheit
Täterschaft
Untrennbar von der Untätigkeit
Der Freundschaftsgruß
Untrennbar von dem Verräterkuss
Verraten wurde die Menschheit
In Dir in mir das gekreuzigte Wir
Wiederauferstehen will die Menschlichkeit
Denn unser Grab, siehe: es ist leer.
Sieg der Hoffnung ist es,
wenn der Mut zum Mutmachen mutig bleibt,
wenn der Mut zum Mundaufmachen wiederaufersteht,
wenn der Mut zur Solidarität ewig lebt.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der Deutschen Dichtung