Die Stadt ist viele Städte Jede eine fremde Facette Die fiese, die fade, die nette Auf dieser gemischten Palette Des Modernen Wirkungsstätte Zugleich Freiheit und Kette Was ich hab, ist, was ich rette - Meinen Geist und seine Silhouette - Unwichtig was ich nicht hab oder hätte. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dichtung
HELL ABER SCHNELL
Wenn Du wüsstest wie viele Leben Du in diesem einem Leben lebst… Wenn Du wüsstest an wie vielen Webstühlen Du gleichzeitig webst… Wenn Du wüsstest an wie vielen unvollendeten Geschichten Du klebst… Wäre Dir jeder Tag, jede Minute, jeder Moment wie eine helle Kerze, die schnell niederbrennt. Glücklich ist, wer die Ernst der Lage erkennt und erfüllt in seinem jeden Element oder Talent bevor der Tod ihn von der Erde trennt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ENDLOSE SCHLEIFE
Ich warte in der Leitung Und die Leitung redet mit mir Als wären wir Gesprächspartner Und trennt mich von Dir. Das, was uns verbinden soll - Sprache, Werte, und so viel mehr - Ist zwischen uns zur Wand geworden, zum unüberquerbaren Meer. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DER INNERE DURST
Durst. Wenn Du Durst hast, ist jeder Mensch ein Brunnen und jeder Kuss ein Fluss Wasser Wasser überall doch statt den Durst zu löschen gibt’s flüchtigen Genuss Erstaunlich die Erkenntnis: oft erfrischender als ein Kuss ist ein freundliches Servus. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MACH EINFACH!
Lauf! Schneller! Strahl! Heller! Leb! Wohler! Mach! Fehler! Steh auf und geh weiter. Dein Glück, Du bist der Hersteller. Deine Rolle, Du bist der Darsteller. Deine Geschichte, Du bist der Erzähler. Überzeuge Dich, Deinen wichtigsten Wähler - So bleibst Du froh und heiter. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
ABRUTSCHEN
Hatte jeder obdachlose Mensch früher mal ein Dach über dem Kopf? Ging in den Kindergarten, zur Schule, kannte Familie, Wärme, Mamas Topf? Spielte mit anderen Kindern sorgenfrei, träumte vom tollen Erwachsenenleben? Stellte sich dann stolz und zuversichtlich deren Herausforderungen und Streben? Was, wann, wo, warum lief es schief? Mein bester Freund, Deine Schwester gar. Ein Vater, Nachbarn, die alte Klassenlehrerin. Eine tiefe Bindung macht aus uns allen eine Schar. Dieses Verbindende ist unsere Vulnerabilität - Sie verpflichtet uns zur wachen Mitmenschlichkeit, Denn keiner ist ganz sicher vor dem Abrutschen über den Rand und in die Obdachlosigkeit. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EIN ENDE NAHT
Es ist jedes Jahr lustig zu beobachten wie tückisch der Sommer unter dem Anschein noch eine Weile da zu sein sich langsam zurück zieht der Tag täglich früher flieht die nachdenkliche Kühle beginnt sich zu melden, das Herz besinnt sich häufiger seine Sterblichkeit und ahnt seiner Unsterblichkeit. Noch ein bisschen Sommer und Spaß bald kommt Herbst, Reife und Gravitas zuerst bunt, dann nackt und blass. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
MEINE INNENSAITEN
Du spielst mich wie ein Instrument aber ich bin verstimmt Die mir abgewonnenen Töne sind ambivalent eher verloren und unbestimmt Meine Innenseiten sind Gitarrensaiten Stimme sie, anstatt mit mir zu streiten - Ich und alle meine verrückten Seiten Du wirst uns brauchen in schwierigen Zeiten. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
NACHTRUHE (3)
Manchmal ist mein Herz ruhiger als die ruhigste Nacht tief in seinem Schmerz obwohl es weint, obwohl es lacht schaut es aufwärts. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
SCHÄTZE SCHÄTZEN
Schätze schätzen Sätze mit Bedacht einsetzen Auch gut gemeint kann verletzen Beziehungen richtig einschätzen Hassworte kann man nicht zurücksetzen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
