Auch wenn Ihr denkt
Ihr denkt
Ist es Euch nur geschenkt
Ausgeschenkt
Verschenkt
Wie Wein und wie Gift.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Auch wenn Ihr denkt
Ihr denkt
Ist es Euch nur geschenkt
Ausgeschenkt
Verschenkt
Wie Wein und wie Gift.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Die Distanz akzeptieren
als die nächste Nähe
Wissen, daß der Versuch,
näher zu ziehen
ein größeres Distanzieren verursacht
Farbe ist die dünne Trennhaut
einer großen Distanz
Die Bindehaut zwischen
Toleranz und Akzeptanz
Die willkommene Illusion von Nähe.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Das alte macht dem neuen Platz
Und wird selbst zum ewigen Schatz
Im Gedächtnis genannten Grab
Der Schmerz, den ich gestern vergab
Ist der Frieden, den ich heute hab –
Schreib auf meinem Grab nur diesen Satz.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Maskenpflicht
Versteckspiel
Zeig nicht Dein Gesicht
Verrat nicht Dein Ziel
Schutzschicht
Oder Lügenpflicht
Unklare Absicht
Und ein ungutes Gefühl.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Wie viele Rassen sind wir?
Wie viele Rassen waren wir einst?
Wie viele Rassen werden wir sein?
Alle rätseln
Runzeln mit der Stirn
Die einen rasten aus
Die anderen ruhen in sich
Und keiner rudert zurück.
Nur die Natur, die Natur wird das regeln.
Die Natur hat Recht.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Das Traurigste in einer Gesellschaft
Ist der Verlust an Vertrauen
In den Beschützer unseres Vertrauens
In die Vertrauenswürdigkeit unserer Gemeinsamkeit.
Das vertrauteste Gesicht des Staats
Ist nicht der/die Bundeskanzler/in
Das bekannteste Gesicht des Staats
und sein Herz, ist der/die Polizist/in.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Warum kann das Leben nicht ewig sein?
Das Leben muss ewig sein.
Das Leben ist ewig.
Wenn nicht auf Erden
Denn irgendwo sonst
Und dort will ich Dich treffen
Nach dem wir hier auf Erden fertig sind
Und anderweitig weiter suchen dürfen
Denn ich will mit Dir ewig leben, Ayabona.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Er saß neben mir im Auto
Ich fuhr
Ich nahm heute einen neuen, längeren, Weg
Durch den Wald…
Ist das mein Wald, rätselte er laut und nachdenklich?
Ich schmunzelte
Dann verschwand ohne Warnung der Wald
Und er schaute nach oben mit aufleuchtenden Augen
Es war ein wunderbarer hellblauer Morgen ohne Wolken
Er staunte
Dann sagte er voller Bewunderung:
Der Himmel hört nicht auf.
Gel, Papa? Der Himmel hört niemals auf.
Ich brachte ihn zum Kindergarten
Und beschloß
Ihm diese seine Worte in einem Gedicht zu verewigen
Für die Zeit, wenn er längst kein Kind mehr ist.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Neue Worte, nachgeschlagen,
ergeben alten Sinn.
Fremdwörter, die nichts sagen
mit Fremdem drin.
Ein Teil von mir wohnt in Dir
Ein Teil von Dir wohnt in mir
Gebunden durch Sehnsucht sind wir.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Vertrauen
genug um mich zu trauen
aufzutauen
und zu vertrauen
Wenn Kokon meine Welt ist
und Schmetterling mein unklarer Traum
wie komme ich ohne Aussicht
auf den Gedanken „mehr Raum“ ?
Wann merke ich, daß das Ende
nur eine Grenze ist, die fallen kann?
Die ich öffnen kann dem Fremden,
denn er bietet mir seine Hand an.
Menschenfarben, von denen
ich seit gestern Ablehnung gewohnt bin
marschieren heute für mich in Tränen
rufend Black Lives Matter. Ist Echtes drin?
Es verunsichert und verwirrt mich.
Nervös warte ich auf morgen –
bereit, mich zu verlassen wieder nur auf mich –
bereit auch, neuen Wegen zu folgen.
– Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung