VÄTER WERDEN VON VÄTERN ERZOGEN

Väter werden von Vätern erzogen.
Ganz bewusst habe ich nicht gesagt:
Söhne werden von Vätern erzogen –
Das geschieht sowieso ungesagt.

Als ich Vater wurde war er schon in mir
Längst vorbereitet von meinem vor mir –
Wer Tugenden und Werte weiter pflanzt,
Hat die Kultur der Weiterpflanzung weitergepflanzt.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

SIE MÜSSEN ANDERS SEIN

Da sie anders aussehen
Müssen sie auch anders sein
Menschsein ist nicht genug
Da sie wo anders entstanden sind
Müssen sie auch anders sein
Die Welt ist nicht genug
Da sie anders sozialisiert wurden
Müssen sie auch anders sein
Der Geist ist nicht genug
Da sie anders sprechen
Müssen sie auch anders sein
Das reicht uns als Grund genug

Grund genug, sie auszugrenzen
Grund genug, sie auszulöschen
Grund genug, sie auszulachen
Grund genug, sie auszurauben
Die sind nicht Menschen wie wir
Die sind nicht so hochwertig wie wir
Die sind nicht zu gebrauchen wie wir
Die sind einfach nicht wie wir
Wir werden alles Menschliche in uns töten
Und sie wie Unmenschen behandeln
Wir zeigen endlich, daß wir Tiere sind
Und werden sie wie Tiere jagen.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

KOMMUNIKATIONSBRUCHSTÜCKE

Wir schwiegen so lang
Das Schweigen wurde zum Gespräch
Zu unserem längsten intimsten Gespräch
Und wir sprechen immer noch
Das Sprechen wurde uns nun zum Hang

Um Mißverständnisse zu vermeiden
Da wir uns so gut verstehen und leiden
Vertiefen wir unser Gespräch
Unser prägnantes vertrautes Gespräch
Keine Kommunikationslücke erlauben

Keine Kommunikationsbrüche
Keine Kommunikationsbrücke
Kleine Kommunikationskunststücke
Des Schweigens und des Verweigerns
Aus Angst, erneut zu scheitern.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

DICHTKUNST

Mancher abgeschiedene Geist,
So sagt die Legende,
Akzeptiert nicht, daß sein Erdensein
Schon längst ist zu Ende;
Vermischt sich unsichtbar, stur,
Unter den noch irdisch Lebenden,
Fährt brav noch Bus und U-Bahn,
Geht spazieren mit Fußgängern.

Veränderungen zu akzeptieren,
Fällt uns Menschen wohl schwer;
Uns wegzudrehen und weiterzugehen,
Wohlbekanntes habend nicht mehr;
Eine vertraute Vergangenheit loszulassen
Macht uns ängstlich und leer;
In der Gegenwart zu leben –
Gestern weg, kein Morgen hinterher.

Ob vor oder hinter dem Grabmal
Bleiben wir das, was wir sind.
Für manche, Reichtum; andere, Status;
Manche, Liebe; oder die Zeit als Kind,
Oder Schönheit, oder Gesundheit;
Vergangenes macht uns häufig blind.
Wir tun so, als ob die Dinge noch so sind,
Wie sie es längst nicht mehr sind.

Die Kunst des Lebens besteht jedoch
Darin, auf fast alles zu verzichten,
Was das Leben anzubieten hat,
Sich Aktuellem, Kleinem, zu verpflichten;
Darin dann alles zu suchen, zu finden
Und erkennen, pflegen und zu errichten,
Worauf man angeblich verzichtet hat.
Die Kunst des Lebens ist dichten.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

SGE 5-1 FCB

Eine Schlacht.
Eine Macht.
5-fach gekracht!
Eintracht.
Vollbracht.

Wir feiern die ganze Nacht.
Die ganze Nacht.
Eintracht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

SPIEL MIR DEIN LEID

Gitarre meine sei Deine Zuneigung
Saiten Deiner Innenseiten warm und
weich ausgeweidet, zäh langgezogen
Deine weinende schreiende Sehnsucht
nach einem wiederkehrenden Refrain
diese Musik hat kein Ende – Kleine
Sendepausen zwischen Deinen Nöten
aber nichts wird sich wiederholen, außer
den Tiefpunkten Deiner Sehnsucht und
den Höhepunkten Deiner Sehnsucht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

PORM Live on Stage 2

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PORM Live on Stage 2
PORM – Poesie Oratorium Rhein Main – Poets and Orators of Rhein Main – Live on Stage 2 – 16 Nov 2019

WIE DIE ALTEN SUNGEN

Geister gehen und kommen wieder
Wie die Strophen der Gedichte und Lieder,
Ziehen empor oder drücken nieder
Werden neu geboren und immer wieder

Wer die Geister vergangener Zeiten
Wieder treffen möchte und begleiten
Der suche nicht in vergilbten Seiten
Oder in Friedhöfen herum schreiten

Der gehe liebe in die Kindergärten
In die Schulen, Schulhöfe und Fährten
Da wo erzogen wird in Neuen hehren Werten
Findet man manchmal auch zurückgekehrten.

Jede ausgestorbene Denkensgeneration
Überspringt die 1. oder 2. Folgegeneration
Dann häufig ohne verinnerlichte Lebenslektion
Feiert unverändert ihre neue Reinkarnation.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

FLUCHT VOR FLUCHT

Flucht, vor Einsamkeit.
Einsam, vor Flucht.

Flucht, vor Anfeindung.
Angefeindet, wegen Flucht.

Flucht, vor Hoffnungslosigkeit.
Hoffnungslos, vor Flucht.

Flucht, vor Tod.
Tot, wegen Flucht.

Flucht, vor Überfremdung
Flucht, in die Fremdenfeindlichkeit
Verfremdet, wegen Flucht
Teufelskreis der Geschichte, verflucht!

Der Fluch ist die Frucht der Flucht
Vertrieben, in die Flucht
Menschheit, nein Menschlichkeit, flüchtet
Und keiner fühlt sich Zuhause mehr.

Ich bin Flüchtling
Du bist Flüchtling
Getrieben, gegen die Flucht
Wir sind die Frucht.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung

ES WAR EINMAL EIN LÄCHELN

Es war einmal ein Lächeln
Ungeschützte Fackel im Sturm
Tapfer lächelnd dennoch, warm.

Der erste, der auf es schoss
War wegen seiner Andersart erbost
Schloss das Herz vor Gewissen, Schmerz.

Die zweite, die schoss aus Rache
Denn sie rief es mit einem Locklachen
Es erwiderte, wich, mit nem Lächeln zurück.

Die nächsten, die hassten das Lächeln
Einfach so. Liebten nur Macht.
Lächeln war gedacht als Machtspielchen

Locklächeln als Mittel zum Endziel
Auch der Hass kann lächeln, kalt und viel
Der Griff ist kalt. Der Topf wut-heiß.

Doch alle unterschätzen das Lächeln
Das echte, starke, warme, menschliche.
Letztes Lebenszeichen der Geistesfackel

Es wird sich diesmal wehren.
Als letzter Überlebender Gestern‘s Lehren
Wird es anstecken, und sich vermehren.

Che Chidi Chukwumerije
2019: Das Jahr der deutschen Dichtung