MEIN SCHWEIGEN (2)

Mein Schweigen
verunsichert Weiße Menschen –
Mein ernstes Gesicht,
eigentlich mein normales Gesicht,
scheint wie ein Gewicht zu wirken,
wie Kummer oder ein Gericht.

Bist Du müde? Nein.
Biet Du traurig? Nein.
Bist Du wütend? Nein
Bist Du verletzt? Nein

Ich kann nur nicht ständig lachen
wie ein Clown und nach lustig machen
während hinter melnem Gesicht
es entsteht schweigsam ein Gedicht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EXISTENZ (2)

EXISTENZ

Wozu brauchen wir noch Menschen?
Generative künstliche Intelligenz
kann uns ja hervorragend ersetzen –
zunehmend ominös diese Präsenz.
Übernimmt für uns das tiefere Denken,
bestimmt selbst unsere Präferenz.
Wozu brauchen wir noch Menschen?
Bald gibt’s keine mehr in Existenz.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SOMMERNACHTERREGEN

Und dann hast Du uns erlöst,
plötzlcher Regen in der Sommernacht -
Pitipatapitipata, sanft, aufgelöst
wie eine Stimme, die stöhnt und lacht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

ERNSTHAFT

Es ist nicht lustig
es ist das Leben
Egal wie laut wir lachen
ist es ernst eben

Warum bist Du hier?
Weder Ämter noch Gelder
noch Rum noch Genuss
halten jung. Du wirst älter.

Du wirst sterben
Dein Körper wird zerfallen.
Werde ernst und rette Deine Seele –
Du brauchst niemandem gefallen.

Das Leben ist ernst
Das Leben danach noch ernster
Die Erde, Deine Schule,
ist nur ein kleines Zeitfenster.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SEI GLÜCKLICH

Sei glücklich.
Mach Dir keine Sorgen um mich.
Du kannst mir nichts geben
Außer eines:
Lass mich nur mein Leben leben
Und Du Deines.

Und bist Du darin and dabei glücklich,
So erleichterst und befreist Du mich.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FÜR DEIN NEUES LEBEN

Wollen wir sollen?
Sollen wir wollen?
Die Steine sind am Rollen.

Alles hat seinen Preis.
Frieden ist der Beweis -
was der Verlierer immer weiß.

Etwas musst Du aufgeben -
und kannst‘s nie wieder aufheben -
für Dein neues Leben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VOLLE TAGE

Du musst deine Tage füllen
mit tausend Erfüllungen,
denn Menschengeist, Du
findest nur dann Ruh,
wenn Du in Bewegung bleibst,
stets empfindest und treibst,
erfüllend ein endliches Erdenleben
mit endlosem geistigen Streben.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

AUFSTIEG DES KÜNSTLICHEN

Daß so viel Schönheit
so viel Tiefe fehlen könnte,
beweist uns die Jetztzeit,
wo sich das Künstliche krönte.

Mit der KI sieht‘s vollkommen aus,
dennoch fehlt irgendwas.
Auch sie jagt nur den Applaus,
ihr gegeben als Richtmaß.

Seltsam, das Vollkommene fühlt sich
irgendwie unvollkommen an.
Selbstverständlich. Denn die Ki fügt sich
ein, passt sich uns vollkommen an.

Zurückgedrängt, die Empfindung.
Bemächtigt, die Geltungssucht.
Erleichtert, Betrug und Verwirrung.
Analog-bleiben wird zur Realitätsflucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

MOMENTE NEUER ERKENNTNISSE

Der Moment, in dem ein Gedanke,
der über Dir jahre- und jahrzehntelang
gewartet hat, wie vor einer Schranke,
endlich in Dich wie ein Samen eindrang,
weil Du nun reif genug geworden bist
und Dich ihm geöffnet hast, bereit.
Dieser Moment, ein kurzer Augen-Blick, ist
der Grund für Deine Erdenzeit.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SO ODER SO

So. Oder so.
Ob gut oder schlecht
heißt es immer so.
Alles ein Geschlecht.

Gesellschaft vereinheitlicht
Wahres Gesicht verheimlicht
Sich anpassen erfüllt das Status Quo
Irgendwie irgendwo
Sooderso.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung