HART SEIN

Manchmal musst Du hart sein
Hart sein ist leicht
Weich sein ist schwer wie Stein
Und falsch vielleicht.

Befreie Dich von falschen Menschen
und vom Falschen in Dir
Du musst hart sein und kämpfen
gegen Falsches wie ein Tier.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GRUSS MIR DEN HIMMEL

Gruß mir den Himmel
Es ist lange her
Und lang wird es noch dauern
Bis zu meiner Rückkehr

Siehst Du den Wald da
unten im Tal?
Jeder Baum ist ein Erdenleben
das ich lebte mal

Einen nach dem anderen
muss ich sie alle ernten
Die Menschen, die das Böse
in mir einst kennenlernten

Gruß mir den Himmel
Ursprung meiner Sehnflucht;
Gruß mir den Himmel
Heimat meiner Sehnsucht.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

WUT

Wut! Wie Du in einem Augenblick
alles zunichte machen kannst,
ein ganzes Leben, ein ganzes Geschick!
Wie Du dem Untergang den Weg bannst
mit einer Handlung - Tat oder Wort -
mit deren Auswirkung Du mehr umspannst
als Du, blind, bemerken wirst sofort.

Der Pfad, der führte einst zum Glück,
wird langsam umgeleitet Stück für Stück -
Das Zerstörte kehrt nimmermehr zurück.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

FELSENHARTE GESICHTER

Felsenharte Gesichter wie unter Verschluss,
die allmählich aber nach dem ersten Gruß
und spätestens nach dem ersten Lächeln
sich in Sonnenblumen plötzlich umwandeln.

Innerliche Zartheit braucht äußerliche Härte:
Alle dürfen heran, aber wenige dürfen hinein.
Angebliche Grobheit schirmt oft wahre Werte,
Das Schwert steckt nicht umsonst fest im Stein.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

SCHUTZSCHILD

Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll
Ich spreche in Dur aber ich denke in Moll
Ich finde Reden schwer und Schweigen toll

Wäre ich eine Tageszeit, wäre ich die Nacht
Ich höre alles, das weint und alles, das lacht
Ich bin außen wach, Mitte hart, innen sacht

In meiner Funktion als Schutzschild
Bin ich manchmal wild und manchmal mild
Du findest mich in Deinem Spiegelbild.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

DAS GEWICHT DES WEGES

Manchmal fällt ein Gewicht ab
Du fühlst Dich wie freigesetzt
Steigst auf wie aus einem Grab

Wirst in den Himmel versetzt
Für einen Moment schaust herab
Bis die Welt Dich wieder verletzt.

Freunde tun Weh Feinde tun Weh
Der Weg tut Weh. Alles tut Weh.
Geh also einfach Deinen Weg. Geh. Geh.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

EINSAMKEIT UND GEMEINSAMKEIT

Einsamkeit und Gemeinsamkeit
treffen sich gerne.
Grüssen sich und mehren sich.
Küssen sich und verzehren sich.
Einsamkeit und Gemeinsamkeit,
so unterschiedlich aus der Ferne,
ähneln sich aus der Nähe doch im Kerne.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

LIEBE VERÄNDERT

Veränderung
bleibt unverändert
in ihrer Rolle als Veränderung
ohne je verändert zu werden.

Liebe bleibt
aber tut auf einmal weh
bis sie ausgelebt wird…
dann tut sich nicht mehr weh
- aber sie bleibt.

Sie bleibt
als Erinnerung
als tote Stille, dort
wo einst Schmetterlinge
herum flogen in Deinem Bauch
bevor mit der Zeit alles anders wurde.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

GEISTIGE GESCHWISTER

Geschwister haben ist schön
aber wichtiger ist die geistige Gleichart.
Die inneren Tiefen und Höhen
sind ähnlich, ähnlich hart, ähnlich zart.

Egal wie nationalistisch,
egal wie rassistisch die ganze Welt wird,
egal wie egoistisch zynisch
oder ideologisch starr, bleibe Du unbeirrt:

Suche Deine Gleichart im Geistigen,
denn im Geistigen liegt die wahre Herkunft.
Hör auf, Mitmenschen zu beleidigen -
Werde und bleibe der Mensch der Zukunft.

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung

VERTRAUEN ZU GOTT

Vertrauen zu Gott -
Dem Verstandesmenschen unverständlich -
Dem Empfindungsmenschen selbstverständlich:
Ihm egal Euer Spott

Warum etwas erklären versuchen
denen, die es verlachen oder verfluchen,
die nie darnach feinempfindend suchen?

Che Chidi Chukwumerije
Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung