Wenn Du ahnungslos, freundschaftlich, mitten unter Feinden gehst, naiv und ungeschützt da stehst… denn für Dich ist es selbstverständlich: Hier sind sie alle Mensch und menschlich… Welche Engel beschützten uns ungesehen? Wir merken das Wunder nicht; trotz Dunkel scheinet das Licht. Der Verstand kann es nicht verstehen, Du überlebst und Dir ist nichts geschehen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
Dichtung
FLUGUNTAUGLICH
Der Vogel ist in der Käfig Er bewegt sich nicht mehr Sein Blick ist stet und leer Jeder Augenblick ist ewig Die Käfigtür geht auf Der Vogel bleibt stehen Stunden, Tage, vergehen Und Monate, Jahre, drauf Die Tür bleibt weit offen Der Vogel bleibt gefangen Sein Verlangen ist vergangen Er kann nicht mehr hoffen Menschen, die sich nicht trauen ihre Vergangenheit zurückzulassen Gruppen, verwurzelt im Hassen, die sich ihren Weg verbauen. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DIE URSACHE IST UNSICHTBAR
Ja Die Ursache ist unsichtbar. Politik kann die Auswirkung dämmen zwar, aber sie kann die Wunde selbst nicht heilen. Sie blutet aus allen Gesellschaftsteilen, links und rechts und durch die Mitte, verankert im Seelenherd von Brauch und Sitte - Fremd ist fremd und bleibt ewig fremd. Das Heimatliche ist kein wechselbares Hemd. Das Fremde betrachten wir lediglich als Trend, es bleibt an echter Integration durch uns gehemmt. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KLEINE RÄUME
Ich suche die Worte Ich finde Orte des Schweigens Wo Begegnungen sich weigern Miteinander zu kommunizieren Eine große Gesellschaft Mit viel zu kleinen Räumen Keine zwei Meinungen passen darein Es sei, sie schweigen und halten sich klein. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
KAMPFGEIST
Der Verstand schaut jedes Mal überrascht aus, daß ich noch da bin, noch existiere und walte. Den Geist schaltet man aber nicht so leicht aus, Er ist menschlich der ursprüngliche, der Uralte. Suche mich in Schönheit, in Gerechtigkeit, In Ehrlichkeit und in Wahrhaftigkeit; Suche mich in Güte, in Menschlichkeit. Suche mich in Reinheit und in Kindlichkeit. Suche mich aber stets in Demut. Suche mich in allen Werten, in jeder Tugend, In jedem Alter, im Greise, suche in der Jugend - In jedem Geschlecht, im Privat- und Arbeitsleben, Du, Verstand, bist von meinem Willen umgeben. Suche mich in Verwundbarkeit und im Mut, Suche mich jenseits von Wut, Suche mich im höchsten Mut, in der Demut. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DAS ÜBERLEBEN DES MENSCHTUMS
Ich muss jemand sein, sonst würden sie mich nicht hassen - Ich muss mehr sein als ich mein, denn sie können von der Angst nicht lassen. Was bin ich? Was sehen sie? Was spüren sie? Was wissen sie über mich? Ist es Wirklichkeit oder Fantasie? Egal was es ist, für mich ist es gefährlich. Für mich ist es ansporngebend, für mich ist es erhellend und kraftspendend, für mich ist es anfeuernd, hebend, ür sie ist es am Ende energieverschwendend. Hast Du ein gutes Herz, so nimm Dich ernst, nimm Deinen Weg ernst und Dein Ziel, nimm Deine Art und Deine Empfindung ernst, das Überleben des Menschtums ist Dein Ziel. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
BAUSTELLEN
Baustellen führen manchmal schneller zum Ziel als freie Wege, äußerlich heller, innerlich ohne Verbindung zu Deinem Schicksal - Der hohe Berg beginnt unten im Tal. Die schmerzvollen Vorkommnisse in meinem Leben, die Erlebnisse, Das waren keine Hemmnisse, sondern Stufen neuer Erkenntnisse. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
DAS BÖSE DRÜCKT WIEDER
Das sind seltene, seltene Menschen, die einer Versuchung widerstehen können, wo Schwäche und Gelegenheit sich treffen, ohne Konsequenzen sich etwas zu gönnen. Schwäche regiert uns, schwer zu fassen. Die hasserfüllten Augen mehren sich. Die Versuchung, das Böse wieder rauszulassen, drückt auf die Gemüter schwerlich. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
EIN ANDERES LEBEN
Es gibt ein anderes Leben, anders als dieses Erdenleben. Manchmal nach dem Lebensende manch unserer guten Freunde, spüren wir, wie deren Geist in eine andere Welt hinein reist; und wir spüren mit, zart und schroff, das Leben in diesem feineren Stoff. Heller, leichter, lebendiger, schneller, unmittelbarer, lebhafter - werdend zunehmend immer beweglicher. Es gibt uns die Gewissheit der Richtigkeit des Empfindungslebens auch zur Erdenzeit; Aufmunterung, nach dem Licht zu streben, Freude versprechend, Zuversicht gebend, wie ein Fenster in ein anderes Leben. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
GUTE NACHT, MENSCHENGEIST
Nicht Ausländer ersetzen uns, sondern KI macht das durch unser Tun - Der Mensch schafft sich selbst ab. Nicht Migranten verletzen uns, sondern KI macht das mit unserem Zutun - Sie wird unserem Geist zum Grab. Wird eine Generation einst kommen, die keine Musik komponieren kann? Keine Briefe selbst antworten kann? Keine eigenen Gedanken erzeugen kann? Keine Probleme selbst lösen kann? Eine, die sich wundern wird, wie wir einst das alles gemacht haben? Alles, was Du hast, alles, was ich hab - Empfindung, Intelligenz, Sich-Mühe-geben - geben wir profit- und ruhesuchend ab. Che Chidi Chukwumerije Im Jahrzehnt der deutschen Dichtung
